Das Autorenteam um den Riedmatter Historiker und Lehrer Rudolf Steiner habe mit der Karsauer Ortschronik „die Liebe zur Heimat sichtbar und lesbar gemacht“, sagte Ortsvorsteher Jürgen Räuber bei der Begrüßung und versicherte glaubhaft: „Das Ergebnis erfüllt uns mit berechtigtem Stolz.“ Auf 200 Seiten findet sich in dem Werk die Geschichte der beiden Siedlungskerne Karsau und Riedmatt von der Prähistorie bis zur Eingemeindung nach Rheinfelden 1975, bereichert mit vielen Kapiteln zu Einzelaspekten des dörflichen Lebens von den Kirchen und Vereinen über die Gasthäuser bis zum örtlichen Brauchtum.

Die Autoren

Räuber bestätigte dem Autorenteam der Ortschronik „unbeschreibliche Arbeit, aufopfernden Idealismus, Leidenschaft und Engagement“. Der Herausgeber Rudolf Steiner ist gebürtiger Riedmatter und promovierter Historiker. Weitere Texte der Ortschronik stammen von den Karsauern Karlheinz Forster, Günter Krause, Rudolf Scheu und Lothar Wihan sowie von Werner Brogli aus Möhlin von der Fricktalisch-Badischen Vereinigung für Heimatkunde. Alle Autoren arbeiteten ehrenamtlich. Als Leiterin des Stadtarchivs unterstützte Sabine Diezinger die Recherchen und schrieb selbst zwei Texte. Großes Lob erhielt auch Susanne Lais von der städtischen Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit für das Layout des Buches, an dem sie laut Räuber „mit sehr großem persönlichem Engagement“ „weit über das übliche Maß hinaus“ gearbeitet hat.

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Die Chronik

Die Chronik hat im Hinblick auf das Jubiläum eine Auflage von 750 Exemplaren. Das ungewöhnliche Format DIN A4 wurde laut Steiner gewählt, um die historischen Fotographien besser zur Geltung zu bringen. Unter den Bildern seien nicht nur bekannte, „die Sie vielleicht schon in der Zeitung gesehen haben“, sondern auch einige Bilder, „die bisher auf dem Dachboden versteckt waren“, verspricht Steiner. Die Entscheidung, eine Ortschronik zu verfassen, fällte das Organisationskomitee bereits im April 2017. Aus der Druckerei kam die Chronik am 7. August 2019. Sie ist für 25 Euro erhältlich; die Ausgabe im handgefertigten Schuber kostet 35 Euro.

Gustav Dresel, Katharina Brombach-Reiber, Joachim Knapps und ihre Helfer hatten die Miesme-Figur gebaut, die anlässlich des Jubiläums dauerhaft im Foyer der Ortsverwaltung aufgestellt werden soll. Steiner ordnete den Miesme-Brauch, der in Karsau als Heischebrauch am Sonntag Laetare drei Wochen vor Ostern gefeiert wird, in die europäische Volkskunde ein (siehe Kasten unten).

Katharina Brombach-Raiber, August Dresel und Joachim Knaps (von links) bauten mit ihrem Team die Miesme-Figur als Geschenk an die Ortsverwaltung und sanierten das Chrüüsli der Moschtbirekönigin.
Katharina Brombach-Raiber, August Dresel und Joachim Knaps (von links) bauten mit ihrem Team die Miesme-Figur als Geschenk an die Ortsverwaltung und sanierten das Chrüüsli der Moschtbirekönigin. | Bild: Boris Burkhardt

Besondere Freude hatten die Karsauer an dem Film, den Steiner im Internet ausgegraben hatte: Die Aufnahmen wurden ihm zufolge 1971 vom Institut für Volkskunde der Universität Freiburg gemacht und begleiten den männlichen Jahrgang Karsaus 1956 während des Baus, des Umgangs und der Verbrennung des Miesme.

Wie alt der Miesme-Brauch in Karsau ist, lässt sich laut Steiner heute nicht mehr feststellen. Seine erste Erwähnung datiere auf das Jahr 1894: Der Verfasser des „Badischen Volkslebens im 19. Jahrhundert“, Elard Hugo Meyer, habe der Gemeinde damals einen Fragebogen geschickt: „Der Bürgermeister konnte damit nichts anfangen und ließ seinen Schulmeister antworten.“

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Steiner betonte die Bedeutung, die der Brauch noch bis vor ein paar Jahrzehnten hatte: „Es kam einer Herabwürdigung gleich, wenn ein Haus beim Umgang nicht besucht wurde.“ Räuber brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass der Brauch in Karsau nicht aussterben werde.

Die Vernissage wurde musikalisch begleitet vom Jugendorchester des Musikvereins Karsau unter der Leitung von Tanja Salzmann. Die Fasnachtsclique Rhybieschter bewirtete die Gäste am Apéro. Das Miesme-Team hatte außerdem das überdimensionierte Chrüüsli saniert, in dem einst die Moschtbirekönigin auf ihrem Wagen fuhr, und das dem Elferrat als Kulisse für sein Sommerfest dient.