Ein Gewinn springt in aller Regel nicht heraus, wenn Maschinen, die Glück versprechen, mit Geld gefüttert werden. Dennoch verfallen schon Jugendliche dieser Illusion und werden süchtig danach, an Automaten zu spielen. Die Stadt hat zur Prävention vor drei Jahren die Villa Schöpflin (Lörrach) eingeschaltet, nachdem die Einnahmen aus der Vergnügungssteuer sich in zwei Jahren fast vervierfacht hatten. Die Präventionsarbeit zeigt erste Erfolge. Deshalb wird das Projekt weiter mit 10.000 Euro im Jahr unterstützt.

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Drei Stellschrauben packt das Zentrum für Suchtprävention an, um vorzubeugen. Dabei geht es vor allem um die Jugend. Als Hochrisikogruppe kennzeichnet Lena Wehrle (Villa Schöpflin) junge Männer, die einen Migrationshintergrund haben, ohne Arbeit sind oder sozial bedroht. Um an bildungsferne junge Menschen heranzukommen, geht die Villa Schöpflin auch in Vereine, Freizeiteinrichtungen und Schulen Zum Dritten wird durch Aufklärung daran gearbeitet, Verhalten zu stärken.

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Gute Erfahrung hat Wehrle mit Elternabenden gemacht, in der Moschee, im Jugendzentrum und zusammen mit der mobilen Jugendarbeit. Auch in der Gemeinschaftsschule, Gewerbeschule und im Gymnasium erlebte sie „viel Resonanz“. Überall wurden Kontakte zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 14 und 20 Jahren geknüpft. An den Schulen wurden erste Multiplikatoren ausgebildet. Auch in den Gemeinschaftsunterkünften Römerstraße und Schildgasse für Geflüchtete war Villa Schöpflin unterwegs, um das Thema anhand der Frage „Was reizt am Glücksspiel?“ zu vertiefen.

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Mit dem SV Nollingen bestand 2019 eine Kooperation. Dabei durchliefen die C-Juniorinnen und die Trainer einen 90-minütigen Joker-Workshop. Dabei handelt es sich um selektive Prävention für riskantes und pathologisches Glücksspiel. Zudem wurde Kontakt zum Handballverein Karsau hergestellt.

Gastronomie

Für mindestens genauso wichtig hält Wehrle die Aufklärungstour durch die Gastronomie. Diese wird fortgesetzt. Mit Teilnehmern von Ordnungsamt und Polizei zeige sich nach mehr als drei Jahren, dass sich Betreiber und Mitarbeiter von Imbissen und anderen Einrichtungen langsam sensibilisieren lassen für das Thema Spielsucht.

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„Das fruchtet auch“, so Wehrle. Es bilde sich ein ansatzweises Bewusstsein. Enttäuschend allerdings blieb die Resonanz auf ein Schulungsangebot. „Es wurde nicht angenommen“, bedauert Lena Wehrle mit Blick auf nur eine Anmeldung. Für dieses Jahr hat sich die Villa Schöpflin vorgenommen, mit Ordnungsamt und Polizei bei der Präventionsdekade des Jugendreferats zum Thema Glück im März aktiv zu werden.

Prüfungen

Eine weitere Zielsetzung ist, Hallen und Wettbüros „auf Jugendschutz zu prüfen“. Auch das Schulungsangebot wird intensiv weiterverfolgt. Als Chance wird gesehen, mit Sportvereinen zusammenzuarbeiten. Im Jugendhaus ist ein Joker-Workshop geplant, Villa Schöpflin möchte an einem Aktionstag der mobilen Jugendarbeit aktiv werden sowie beim Nachtsport. Gesucht wird die Zusammenarbeit mit dem Frauen-Kultur-Frühstück auch, um über Sucht in digitalen Medien zu sprechen.

Als beratendes Mitglied im Sozialausschuss bezeichnete Pfarrer Joachim Kruse es als klug, dass sich die Sozialmitarbeiter mit der Polizei in der Arbeit vernetzen, das mache in jedem Fall mehr Eindruck. Lena Wehrle bestätigte dies, weil die Betreiber dann spüren „das ist was Wichtiges“. Ein großes Kompliment machte Sabine Hartmann-Müller für den Aufbau von Kontakten, den Zugang zu Eltern zu finden, bewertete sich als wichtig. Eine Antwort musste Wehrle Felix Rogge (Linke) schuldig bleiben, der konkret wissen wollte, wie viele Jugendliche von Spielsucht betroffen sind, weil es noch keine Einzelgespräche gibt. Das Anliegen von Peter Schwander (Caritas), noch mehr Einsatz zum Vorbeugen zu bringen, wird dennoch nicht in Erfüllung gehen. Er sprach sich dafür aus, den Beitrag der Stadt für die Präventionsarbeit zu erhöhen. Bürgermeisterin Diana Stöcker sicherte die Fortschreibung von 10.000 Euro für weitere drei Jahre zu.