Rheinfelden – Die evangelische und die katholische Kirche verlieren auch in Rheinfelden kontinuierlich an Mitgliedern. Während in der evangelischen Gemeinde die Austrittszahlen konstant geblieben sind, haben sie in der katholischen Gemeinde etwas zugelegt. Eine große Rolle spielt auch die demografische Entwicklung. Die Zahl der Gemeindemitglieder, die sterben, übertrifft die der Neueintritte und Taufen.

Evangelische Gemeinde: Gleiches Niveau

„Was die Austritte angeht, sind wir auf gleichem Niveau geblieben“, sagt Joachim Kruse, Pfarrer der evangelischen Christusgemeinde in Rheinfelden, die derzeit etwa 1200 Mitglieder hat. In den vier evangelischen Gemeinden der Stadt zusammen sind es 7325 Mitglieder. Vor einem Jahr waren es noch 7529, also 204 mehr. „Über die Jahre verlieren wir Mitglieder vor allem über die Demografie“, erklärt Kruse.

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So hielten sich etwa in der Christuskirche die Austritte mit 50 bis 60 pro Jahr mit den rund 60 Taufen die Waage. Die Zahl der Taufen ist laut Kruse übrigens nicht zurückgegangen. Neueintritte gebe es im Jahr etwa fünf bis acht. „Das sind oft Menschen, die aus persönlichen Gründen wieder in die Kirche eintreten“, erklärt Kruse. Zusätzlich habe die Gemeinde etwa 60 Todesfälle im Jahr unter ihren Mitgliedern zu betrauern. „Das führt dazu, dass die Mitgliederzahl über die Jahre kontinuierlich sinkt.“

Weniger Geld macht sich bemerkbar

Die meisten Mitglieder würden in einem Alter austreten, in dem sie gut verdienen. Dann merkten sie, dass die acht Prozent Kirchensteuer ein Einschnitt seien, sagt Joachim Kruse und macht damit die Kosten als einen wichtigen Grund für die Kirchenaustritte fest. Das mache sich in der Gemeinde natürlich bemerkbar, etwa in der Finanzierbarkeit von Gebäuden und Personal. Engpässe gebe es in der gemeindlichen Arbeit der Christuskirche jedoch nicht, sagt Kruse – bis auf die offene Pfarrerstelle in der Johannesgemeinde, die nun erneut ausgeschrieben werde.

Neben den finanziellen Gründen spielt laut Kruse aber auch der gesellschaftliche Wandel eine nicht zu unterschätzende Rolle. „Die Bindekraft an größere solidarische Organisationen, zu denen auch die Kirchen gehören, hat nachgelassen“, ist der Pfarrer überzeugt. Das Gemeinwesen sei mehr auf die eigenen, persönlichen Bedürfnisse der Menschen hin orientiert als früher. Kruse möchte dem mit guter Arbeit, persönlichen Beziehungen, zeitgemäßen Predigten und einer lebensbezogenen Gemeindearbeit, die sich an alle Generationen richten, entgegenwirken.

Katholische Gemeinde: Zunahme an Austritten

In der katholischen Gemeinde, der 11.374 Mitglieder angehören, ist die Lage ein wenig anders. Zwar sei auch hier die Zahl der Taufen (etwa 88) konstant, doch die Zahl der Austritte habe zugenommen, wie Dekanatsreferent Matthias Wößner mitteilt. Waren es in den Jahren 2016 und 2017 jeweils rund 150 Austritte, haben im vergangenen Jahr 185 Menschen die katholische Gemeinde in Rheinfelden verlassen. Aktuellere Zahlen liegen laut Wößner noch nicht vor. „Das ist nicht total dramatisch, und wir schauen auch nicht nur auf die nackten Zahlen, aber es tut uns um jeden Einzelnen leid, der geht“, sagt er.

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Wößner denkt, dass Fragen zur Geschlechtergerechtigkeit und die Rolle der Frau, mit der sich die katholische Kirche derzeit befasst, auch im Lokalen dazu führen, dass Menschen der Kirche den Rücken kehren. Die Kirchensteuer spiele natürlich auch eine Rolle. Auf die Frage, ob auch die Missbrauchsfälle und deren Aufarbeitung dafür verantwortlich seien, dass mehr Menschen austreten, sagt er: „Wir sind da sicherlich an einem anderen Punkt auf dem Weg als die evangelische Kirche.“ Die katholische Kirche Rheinfelden habe ein Schutzkonzept erarbeitet, um Missbrauchsfällen vorzubeugen.

Aktiv die Zukunft mitgestalten

Wößner möchte die Menschen ermutigen, der Kirche nicht den Rücken zu kehren, auch wenn sie unzufrieden sind, sondern ein Teil der Gemeinschaft zu bleiben und aktiv die Zukunft mitzugestalten. Gleichzeitig betont er aber auch, dass die Kirche – die katholische wie die evangelische – Teil der Stadtgesellschaft sei und sich überall einbringen wolle. So frage etwa bei der Klinikseelsorge kein Kirchenvertreter, welcher Konfession der Patient angehöre oder ob er ausgetreten sei. Auch in den kirchlichen Kitas spiele die Religion der Kinder keine Rolle. „Wir wollen alle Menschen ansprechen, die Sinn, Orientierung, Halt und Glück in ihrem Leben suchen“, so Wößner.