Die Gastronomie in Rheinfelden lebt zum einen von Beständigkeit und alteingesessenen Gastwirtschaften, zum anderen von immer neuen Angeboten. Beispiele für letztere sind das neue Chinarestaurant im Hotel Danner sowie der Umzug des Burgerladens Rockfood, der sein Angebot erweitern möchte. Laut Alexandra Mußler geht der Trend jedoch hin zu schnellem und günstigem Essen, was den größeren Restaurants, die eher auf Genuss setzen, zu schaffen mache. Das ist nicht die einzige Sorge der Gastronomen.

Knappe Kapazitäten am Wochenende und an Feiertagen

Mußler hat als Vorsitzende der Kreisstelle Bad Säckingen des Deutsches Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) und Betreiberin des Hotels Storchen Rheinfelden-Riedmatt einen guten Überblick über die gastronomische Situation in Stadt und Region. Ob das Angebot in Rheinfelden zufriedenstellend ist, sei nicht so pauschal zu beantworten. „Es gibt Bürger in unserer Stadt, denen ist es zu wenig Angebot, anderen zu viel.“ Die Tourist-Info listet auf ihrer Homepage mehr als 50 Restaurants und Imbisse, darunter auch Eisdielen und Sportgaststätten, auf. Laut Mußler bieten diese unter der Woche genügend Kapazität, da die Menschen dann, zumindest abends, eher daheim essen. An Wochenende oder Feiertagen hingegen sei die Kapazität jedoch zu gering.

Das Essverhalten der Menschen verändert sich

„Leider hat sich das Essverhalten der Menschen verändert“, schildert Mußler ihren Eindruck. Gefragt sei schnelles und günstiges Essen, das werde dann auch mal eben im Stehen eingenommen. Der Genuss bleibe dabei immer mehr auf der Strecke. „Wenn wir von schnellem und billigem Mittagessen reden, muss ich sagen, da haben wir sicher Überkapazitäten“, so Mußler. Als Beispiel nennt sie die Kantinen der Stadt, die auch für Nichtmitarbeiter geöffnet sind, die vielen Kebab Grills und Schnellimbisse. Mit deren Preisen könne die „normale Gastronomie“ nicht mithalten. Dennoch sei Rheinfelden auch in Sachen „genussreiches Mittagessen“ noch immer gut aufgestellt. Die Restaurants, die dieses anbieten, blieben jedoch zunehmend auf der Strecke.

Wirte klagen über allgemeinen Fachkräftemangel

Ein weiteres Problem, das der Gastronomie laut Mußler zusätzlich zum allgemeinen Fachkräftemangel zu schaffen mache, hängt mit dem Asylgesetz zusammen. „Wir rekrutieren junge Menschen aus den Asylheimen, weil wir sie benötigen“, erläutert Mußler. Mitarbeiter aus Gambia etwa hätten aber kein Bleiberecht und würden früher oder später ausgewiesen. „Was heißt das für uns? Wir lernen sie an und freuen uns, dass wir arbeitswillige, gute Menschen haben, die den Beruf lieben und keine Probleme mit der Arbeitszeit oder der Wochenendarbeit haben. Dann sind sie aber plötzlich von einem auf den anderen Tag weg.“

Die Gastronomie klagt auch in Rheinfelden über fehlende Fachkräfte. Diese Absolventen wollen's aber wissen.
Die Gastronomie klagt auch in Rheinfelden über fehlende Fachkräfte. Diese Absolventen wollen's aber wissen. | Bild: Zvg

Ein Stück Tradition geht allmählich verloren

Mußler hat diese Erfahrung selbst in ihrem Restaurant gemacht. Was das in vielen Fällen zur Folge hat, schildert sie in deutlichen Worten: „Wir können keinen Service mehr machen, keiner, der in der Küche hilft. Im Restaurant werden plötzlich die Öffnungszeiten angepasst, bis zur kompletten Schließung des Restaurants.“ Ein Stück Tradition gehe so verloren, was bliebe seien Ketten-Betriebe und Fastfood-Restaurants. Laut Mußler belasten immer höhere Zusatzkosten viele kleine Unternehmen, darunter auch Gastronomen.

Viele Kostenfaktoren erschweren das Geschäft

Ein Beispiel ist der Brandschutz. „Klar, muss das sein, aber dass die Batterien der Rauchmelder alle ein bis zwei Jahre 800 Euro kosten, ist Bürokratie“, findet Mußler. Zudem müsse seit dem Jahr 2018 der Lebensmittelkontrolldienst von den Restaurantbesitzern bezahlt werden. Die Klassifizierung von Hotels koste darüber hinaus alle zwei Jahre 800 Euro, zudem müssten alle elektrischen Geräte TÜV-geprüft sein, damit sie versichert sind. „Rechnen sie pro Gerät mit 500 Euro“, so Mußler. Dazu kommen Strom, Mehrwert-, Umsatz-, Lohn- und Grundsteuer, oft Pacht all das muss sein, wirkt sich aber auf den Lohn aus. „Und genau aus dem Grund gibt es keine Nachfolger mehr in der Gastronomie“, so Mußler. Zumindest bei ihr kann das die Liebe zur Gastronomie jedoch nicht brechen, wie sie bekennt: „Trotz alledem ist es für mich immer noch ein toller Beruf.“