An den sonst offenen Grenzübergängen kontrollieren seit Montagmorgen Beamte der Bundespolizei Reisende aus der Schweiz. Nur Berufspendler sollen noch einreisen, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Wir haben uns in Rheinfelden und Grenzach-Wyhlen die Situation vor Ort angesehen.

  • Rheinfelden: An der alten Rheinbrücke in Rheinfelden werden Fußgänger und Radfahrer von der Bundespolizei kontrolliert, die von der Schweizer auf die deutsche Seite wollen. Ein Mannschaftswagen der Bundespolizei parkt am deutschen Brückenkopf, vier Polizisten halten am frühen Montagmorgen Passanten und Fußgänger an, die von der Schweizer auf die deutsche Seite wechseln wollen. Eine Frau in hellem Mantel und schwarzer Mütze darf nach einem kurzen Gespräch weiter. „Ich arbeite in der Schweiz, wohne aber auf deutscher Seite“, sagt sie. Und jetzt wolle sie nach Hause. Sie findet die Situation sehr ungewohnt. „Ich kenne zwar noch starre Grenzen, aber in den vergangenen Jahren war man das einfach nicht gewohnt.“
Das könnte Sie auch interessieren

Von Schweizer Seite nähert sich der rote Kleinbus der SBG, der die beiden Städte im öffentlichen Nahverkehr verbindet, der Mannschaftswagen muss umparken. Der Bus ist leer, der Fahrer darf hinüber. Am Autobahnzoll bietet sich kurz nach 8 Uhr ein ruhiges Bild, kein Stau und nur wenige Autos passieren die Grenze. „Das wird wahrscheinlich heute Nachmittag mehr, wenn die Einkäufer kommen wollen“, sagt ein Beamter, der aber nicht wegen der neuen Grenzkontrolle im Einsatz ist, sondern „normalen“ Dienst schiebt. Er kontrolliert die Laster, die die Vorsortierung am Rheinfelder Zoll ignorieren.

  • Grenzach-Wyhlen: Gegen 8.15 Uhr nehmen die Beamten ihre Arbeit am Grenzacher Horn auf. Konsequent werden diejenigen wieder zurückgeschickt, die angeben, einkaufen gehen zu wollen. Von den Kontrollen nicht betroffen ist der Warenverkehr. Auch einige Schweizer, die sich ihre Mehrwertsteuerrückerstattung für ihre Einkäufe in Deutschland sichern wollen, erhalten noch den obligatorischen Stempel an der Zollanlage. Die Busse der Linie 38 fahren zwar, werden aber auch kontrolliert.
Das könnte Sie auch interessieren

Als Gerücht erweist sich die Behauptung, dass deutsche Bürger bei der Einreise in die Schweiz zunächst für zwei Wochen in schweizerische Quarantäne müssten. Auf Nachfrage bestätigen die diensthabenden Beamten am Hörnle, dass jeder Deutsche nach seinem Aufenthalt in der Schweiz auch umgehend wieder nach Deutschland einreisen dürfe. Dies hatte zuvor auch Bundesinnenminister Horst Seehofer über die Medien mitgeteilt.

Am Hörnle dürfen nur diejenigen die Grenze nach Deutschland passieren, die einen triftigen Grund – etwa Arbeit – angeben können.
Am Hörnle dürfen nur diejenigen die Grenze nach Deutschland passieren, die einen triftigen Grund – etwa Arbeit – angeben können. | Bild: Heinz Vollmar

Was auffällt an diesem Morgen: Viele Schweizer sind noch vor 8 Uhr über die Grenze gekommen, um im nahegelegenen Aldi einzukaufen. Auf die Frage, ob sie noch ein letztes Mal die Gelegenheit nutzen wollten, um vor der Einreisesperre in Deutschland günstig einzukaufen, wiegeln jedoch die meisten ab. Es sei ein ganz normaler Einkauf.

Toilettenpapier heiß begehrt

Ein Passant will da anderes beobachtet haben, wie er auf dem Parkplatz des Discounters sagt. Er hätte beobachtet, wie sich Kunden gegenseitig Toilettenpapier aus den Wagen genommen haben.

Die Grenzschließung verunsichert auch Handwerker und den Mittelstand. Jürgen Issler, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses, sagt, dass ihm 50 Prozent der Kunden wegbrechen. Sollte die Situation so bleiben, müsse er Kurzarbeit beantragen. Er hofft auf Sondergenehmigungen, die ihm rechtlich aber nur dann eingeräumt werden können, wenn seine Geschäfte als Warenverkehr deklariert werden. Umsatzeinbußen, die bislang noch nicht beziffert werden können, befürchtet auch Hieber-Marktleiter Roland Hönicke. Und stellt klar: Für Hamsterkäufe gibt es keinen Grund.

Kaum Kontrollen

Während die Grenzen immer dichter wurden, wurde der Übergang am Kraftwerk Wyhlen-Augst noch recht stark frequentiert. Dort konnten über einen längeren Zeitraum keine Kontrollen festgestellt werden.