In diesen Zeiten ist Händedesinfektionsmittel nicht nur begehrt, sondern bei Ärzten unverzichtbar. Wenn es nicht mehr genug gibt und auch kein reiner Alkohol zum Selbermischen eines Desinfektionsmittel da ist, muss man erfinderisch werden. Der Rheinfelder Zahnarzt Urs Francke kam auf die Idee, sich Hilfe in der Brennerei von Corina und Frank Lacher in Hasel zu suchen.

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Desinfektionsmittel für die Hände werden zur Zeit in der Zahnarztpraxis Francke-Föhner in der Zähringer Straße auch von den Patienten vermehrt genutzt. „Normalerweise haben wir ein gesundes Lager für drei bis vier Wochen“, sagt Zahnarzt Urs Francke. Aufgrund des Mehrverbrauchs wollte er Mitte Februar neue Vorräte bestellen und musste erfahren, dass alles vergriffen war. Händedesinfektionsmittel ist unumgänglich für den Schutz des Teams aus drei Zahnärzten und 13 Mitarbeitern, die bei der Behandlung dem Patienten sehr nahe kommen, in sein Gesicht und den Mund fassen. „Wenn man nichts mehr hat, führt das zur Praxisschließung“, stellt Francke fest, der anfing zu rechnen, wie lange die eigenen Bestände noch halten. Der wöchentliche Verbrauch in der Praxis liegt bei fast zwei Litern.

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Ausrüstung ist schon seit zwei Monaten Mangelware. Auch Gummihandschuhe, Schutzbrillen und die typischen Gesichtsmasken waren im Februar nicht mehr zu bekommen. Francke erzählt, dass es bei den Handschuhen wieder besser geworden sei, während Gesichtsmasken massive Preissteigerungen erfahren hätten. Er ist froh, dass die Praxis hier noch einen guten Bestand hat. Er las in einem Fachblatt, dass die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin eine vorübergehende Ausnahmezulassung zur eigenen Herstellung von Händedesinfektionsmittel erlassen habe. Es wurde auch informiert, wie Desinfektionsmittel hergestellt werden können. Hauptbestandteile sind Ethanol, Wasserstoffperoxid und Glycerol.

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Es stellte sich aber ein weiteres Problem ein, denn auch der Industriealkohol war vergriffen. „Da fiel mir ein, dass mein Patient Frank Lacher selbst brennt“, erzählt Francke. Er rief bei Lacher in Hasel an und erkundigte sich, was man machen könne. Lacher ist Physiker und seine Ehefrau Corina gelernte Hauswirtschaftsmeisterin und Brennerin. Corina Lacher ist die Chefin. Das Schnapsbrennen ist für die beiden ein Nebenerwerb. Bei Lacher Edelbrände bekommen die Kunden normalerweise Schwarzwälder Kirschwasser, Quittenbrand, Gin oder andere Brände. „Neutralen Alkohol beziehen wir auch als Grundlage für manche Produkte, den macht man nicht selbst. Das ist sehr gereinigter Alkohol mit bis zu 96 Prozent, aber den können wir auch brennen“, erklärt Frank Lacher. Auch ihm war vom Lieferant mitgeteilt worden, dass bis Mitte April nichts mehr zu haben sei.

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Schnäpse und Liköre machen die Lachers gewerblich seit 2013. Zum April wird der erste Whiskey aus eigener Produktion fertig. Erfahrung an der Destille haben beide schon als Kinder gemacht, da beiderseits die Großväter brannten. Rund 1000 Liter Schnäpse und Liköre beträgt die Jahresproduktion der Lachers, die überwiegend Obstbrände für den Hausverkauf, ein paar Gaststätten und einige ausgewählte Geschäfte wie den Geschenkeladen Meinfach in Rheinfelden oder den Dorfladen in Öflingen produzieren. Gebrannt wird einmal die Woche.

Zum Trinken eignet sich nur der Mittellauf eines Brandes, der je nach Ausgangsprodukt mit Trinkwasser auf den gewünschte Alkoholgehalt gebracht wird. Der Vorlauf riecht eher nach Nagellackentferner, meint Frank Lacher. Und der Nachlauf eines Brandes ist auch nichts für Gourmets, eignet sich vielleicht noch für Kräuterspirituosen, und wird meist einfach vernichtet. Für das Händedesinfektionsmittel haben die Lachers Nachläufe genommen. „Es war ein anderes Brennen. Sonst schaut man auf den Geschmack, jetzt kam es auf den Prozentsatz an“, sagt Lacher.