Der Startschuss war am 31. Oktober 1894 in Berlin. Da nämlich wurden die „Kraftübertragungswerke Rheinfelden„, Station bei Rheinfelden, gegründet, ein für Rheinfelden einschneidendes Ereignis.

Beteiligt waren die Firmen AEG sowie die Schweizer Firmen Maschinenfabrik Oerlikon, Escher Wyss Co und Zsckokke Co. Die letzten beiden Firmen übernahmen die hydraulischen, die beiden ersten Unternehmen die elektrischen Teile. Vorausgegangen war eine 20-jährige Spanne, in der immer wieder versucht wurde, die Kräfte des Rheines nutzbar zu machen. Der erste Pionier war der Neffe des badischen Revolutionärs Gustav Struve, Georg Struve, der ein mechanisches Kraftwerk auf Schweizer Seite plante.

1894 war Geburtsstunde der Stadt

Mit dem Beitritt der AEG nach dem spektakulären Experiment mit der Kraftübertragung von Drehstrom über 175 Kilometer von Lauffen a. N. zur Frankfurter Elektrizitätsausstellung 1891 nahm das Projekt, das auf die deutsche Seite verlegt wurde, konkrete Züge an. Es dauerte aber noch drei Jahre, bis die Pläne Zschokkes von Professor Otto Intze von der Technischen Hochschule Aachen noch einmal überarbeitet und rentabel gemacht werden konnten.

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Von Intze stammt übrigens auch der Wasserturm, das Wahrzeichen Rheinfeldens. Er reduzierte die Zahl der Turbinen auf 20, von denen zehn Gleichstrom für die neuen Industrieanlagen, und zehn Wechselstrom für die Stromübertragung in die neuen Absatzgebiete in Deutschland und der Schweiz lieferten. Damit war die Rentabilität gesichert. Die Gesamtleistung betrug 16.800 PS, eine für die damalige Zeit unvorstellbar große Menge.

Eine der Ur-Turbinen aus der Gründungszeit des Rheinfelder Wasserkraftwerks.
Eine der Ur-Turbinen aus der Gründungszeit des Rheinfelder Wasserkraftwerks. | Bild: Ralf Staub

Weg frei für ein großes Kraftwerk

Da die traditionellen Banken kein Risikokapital zur Verfügung stellen wollten, gründete Emil Rathenau mit befreundeten Banken in Zürich die Elektrobank. Baubeginn war der erste Mai 1895. 1898 ging das Werk ans Netz.

Die Kraftübertragungswerke haben in mehrfachen Hinsicht Pionierleistungen vollbracht. Lokal ist der 31. Oktober 1894 die Geburtsstunde der Stadt Rheinfelden, die aus den Arbeiterbaracken entstanden ist. Regional ist es von Bedeutung, da mit dem hier angesiedelten Industriekomplex der Anschluss des bis dahin strukturschwachen Südbadens an die neue Phase der Industrialisierung gelungen ist.

Für die Geschichte der Elektrotechnik hat die Gründung Weltmaßstäbe gesetzt. Am 25. September 2014 erhielt das Kraftwerk vom Institut von elektrotechnischen und elektronischen Ingenieuren (IEEE), der weltweit größten technischen Berufsorganisation, die sich der Weiterentwicklung von Technologien zum Wohle der Menschheit verschrieben hat, den ersten Milestone in Deutschland mit der Begründung:

„Das alte Kraftwerk Rheinfelden war eine herausragende Ingenieurleistung in Europa und eine der ersten Großanlagen für die Stromgewinnung aus Wasserkraft. Beeindruckend war die Leistung von 17.000 Pferdestärken (12.500 Kilowatt). Das Kraftwerk wurde zum Vorreiter für das Drehstromsystem, das sich weltweit durchsetzte. Das Kraftwerk nahm schrittweise einen Verbundbetrieb mit Partnerwerken auf und legte so den Grundstein für das europäische Verbundnetz von heute.“