„Braucht es uns eigentlich noch?“ – diese Frage stellte sich der Verein Stadtkino vor fünf Jahren, als das Rheinfelder Kino unter dem Namen Rheinflimmern wiedereröffnete. Frank Trotzki und Gerd Sauer vom Vorstand sind sich auf jeden Fall einig, diese Frage heute zum fünften Geburtstag des Vereins eindeutig mit einem „Ja“ beantworten zu können, und laden zu einem kleinen Umtrunk ins Kino vor Beginn des besonderen Films am heutigen Dienstag ein.

Sie ergattern das ganze Inventar in Basel

Die Lücke zu füllen, die die Schließung des Ali-Kinocenters 2014 in das kulturelle Angebot der Stadt gerissen hat, war der ursprüngliche Gedanke zur Gründung des Vereins. „Wenn sich kein Pächter gefunden hätte, hätten wir versucht, das Kino am Wochenende selbst zu betreiben“, so Sauer und erinnert sich, dass man bei der Schließung eines Kinos in Basel nahezu das ganze Inventar ergattert hatte.

Heute noch ist ein großer Teil eingelagert

„Wir haben alles weggeschleppt“, ergänzt auch Trotzki. Bestuhlung, Werbetafeln, sogar eine große Leinwand sei in den Besitz des Vereins übergegangen, und auch heute noch sei ein großer Teil der Dinge eingelagert. „Es wusste eben niemand so genau, was wir alles brauchen würden.“

Ein wenig erleichtert um den neuen Betreiber

Im Grunde seien die Vereinsmitglieder aber erleichtert gewesen, als das Kino einen neuen Betreiber bekommen habe, gesteht Sauer. „Ein Kino zu betreiben, war nicht unser großer Wunsch, wir sind ja alle nicht vom Fach, wir hätten es nur gemacht, wenn sich niemand anderes gefunden hätte.“

Initiatoren starten eine Umfrage

So blieb für den Verein Stadtkino noch die große Frage offen, ob der Dienst damit getan sei, oder ob es noch andere Aufgaben geben könne. „Die Bedürfnisse der Cineasten konzentrieren sich nicht nur aufs Kino“, da sind sich die beiden einig, und riefen eine Umfrage ins Leben, die eben jene Bedürfnisse der Rheinfelder Bürger ermitteln sollte.

1200 Menschen beteiligen sich daran

Rund 1200 Menschen beteiligten sich daran, und nach der Auswertung beschloss der Verein, sich der Erweiterung des Filmangebots zu widmen. Filme abseits des Mainstreams, Filme mit Tiefgang, Filme, die packen, die unterschiedlichsten Gefühle auslösen und die Zuschauer mitreißen, diese wollten sie zeigen. „Für Vieles gibt es ein Publikum“, davon ist Trotzki überzeugt, auch wenn er weiß, dass der Alltag eines Kinos natürlich den Blockbustern gewidmet sein muss, damit genügend Geld in die Kassen kommt.

Der besondere Film immer am dritten Dienstag

Doch einmal im Monat, immer am dritten Dienstag des Monats, organisiert der Verein nun die Vorführung eines besonderen Films im Kino Rheinflimmern. Die Kooperation sieht vor, dass bei jeder Vorstellung genug Zuschauer kommen, damit die Kosten gedeckt sind, und trotz gegenteiliger Prognosen, sei das bisher immer gelungen, so Trotzki. „Wir haben noch kein einziges Mal draufzahlen müssen“, bestätigt auch Sauer stolz und erinnert sich, dass ihnen anfangs prophezeit worden wäre, dass es in Rheinfelden keinen Boden für so etwas gebe und sie keine drei Monate durchhalten würden.

Angebot ist deutlich erweitert worden

Weit gefehlt, wie sich herausgestellt hat, denn im Laufe der Jahre hat sich das Angebot des Vereins deutlich erweitert. 100 Filme mit insgesamt rund 9700 Minuten Spielzeit führte der Verein seit seiner Gründung vor und zog damit 6700 Besucher ins Kino und die anderen Vorführorte, wie zum Beispiel das Pfarreizentrum St. Josef, wo jeden zweiten Montag im Monat ebenfalls ein Film gezeigt wird.

Inzwischen wissen sie mehr übers Filmgeschäft

Inzwischen wüssten sie auch deutlich mehr übers Filmgeschäft und die Organisation einer Vorführung. „Vieles war einfach learning by doing“, gibt Sauer zu und erläutert, dass es sowohl rechtliche, als auch finanzielle Hürden gebe, an die er früher einfach nie gedacht hätte. „Manchmal kostet es wirklich Zeit und Nerven, bis alles organisiert ist, dabei möchte man doch einfach nur einen Film zeigen.“

Mit dem Wissen wachsen auch die Aufgaben

Mit dem Wissen wachsen aber auch die Aufgaben, die man sich selbst stellt. So beteiligte sich der Verein im vergangenen Jahr als zweite deutsche Stadt neben Konstanz am Festival „Filme für die Erde“, was zu einem großen Erfolg wurde und auch für dieses Jahr wieder geplant ist. Ebenso steht ein weiteres Festival unter dem Namen „Filmfestival der Generationen“, das im kommenden Oktober stattfinden soll, auf dem Veranstaltungsprogramm.

Der Wunsch nach einer Openair-Veranstaltung

Im Hinterkopf hätten die Mitglieder aber immer auch noch den großen Wunsch nach einer Openair-Veranstaltung, die bisher leider noch nicht umsetzbar gewesen sei. „Das ist ein Projekt, das wir für nächstes Jahr auf dem Zettel haben“, gesteht Trotzki und unterstreicht damit noch einmal, dass der Verein seine Nische gefunden habe. Für besteht kein Zweifel: Den Verein brauche es definitiv noch.

Termin: Der Umtrunk findet heute, Dienstag, 19.30 Uhr, im Foyer des Kinos Rheinflimmern statt. Anschließend zeigt der Verein den Film „Can you ever forgive me?“, Beginn 20 Uhr , Eintritt 6,50 Euro.