Die Zahl der Vögel nimmt ab, lautet die Einschätzung der Experten. Ursachen sind der Verlust an Lebensräumen und das Abschneiden von Korridoren zwischen den Lebensräumen. Das Problem betrifft aber nicht nur Vögel alleine.

Unterschiedliche Ursachen für den Schwund

„Ich kann sagen, dass die Vogelwelt schwindet“, lautet die Einschätzung über die Entwicklung des hiesigen Vogelbestandes von Hannelore Nuss, Vorsitzende des Tierschutzvereins Rheinfelden. Dafür gibt es zahlreiche Gründe wie Vogelgrippe und andere Krankheiten, aber eine zentrale Ursache ist für Nuss, dass immer mehr Grünflächen dem Wohnbau weichen müssen oder Hausbesitzer sich Steingärten zulegen ohne Gestrüpp und Bäume.

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Ein weiterer Grund ist, dass auch ein Teil der landwirtschaftlichen Flächen intensiv mit Pflanzenschutzmitteln bewirtschaftet wird und die Felder keine Nahrung mehr für die Vogelwelt bieten. „Wir haben ja nicht ohne Grund mehr tote oder sehr geschwächte Tiere als früher von den Feldern geholt“, sagt Nuss. Traurig stimmt sie, dass meistens keine Rettung der Tiere mehr möglich war.

Schwieriger Vergleich

Armin Kreutner vom Vorstand des Nabu Lörrach verweist auf die Ergebnisse der Wintervogelzählung des Naturschutzbunds Deutschland im Januar. Im Landkreis Lörrach wurden bei der bundesweiten Aktion ‚Stunde der Wintervögel‘ 7752 Vögel in 195 Gärten gezählt. Auf der Nabu-Website können auch die Daten der vergangenen Jahre eingesehen werden. Ein Vergleich anzustellen, ist schwierig, da die Anzahl der Beobachter und der Beobachtungsstandorte stark variiert. Als Spitzenjahr sticht 2018 mit 9076 gezählten Vögeln aus 61 Arten hervor, in anderen Jahren sind es aber auch weniger Vögel als bei der Zählung 2020.

Bei der Veröffentlichung der bundesweiten Ergebnisse 2020 auf seiner Website zieht der Nabu das Fazit: „Aus 97.000 Gärten wurden bei der Stunde der Wintervögel insgesamt über 3,6 Millionen Vögel gemeldet. Das macht pro Beobachtungsplatz 37,3 Vögel und damit etwas mehr als 2019. Damals waren es 37 Vögel. Dennoch liegt der Wert deutlich unter dem langjährigen Mittel von fast 40 Vögeln pro Garten.“ Für den Landkreis errechnet sich ein Schnitt von 39,8 Vögeln pro Beobachtungsstandort.

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Dass sich das Zugverhalten von Vögeln ändert, sei feststellbar, wenn man in der Region unterwegs ist, meint Ulrich Faigle, Geschäftsführer des BUND Hochrhein. „Man findet hier auch Störche im Winter, früher sind die weggezogen.“ Aus Studien weiß er, dass sich auch die Vogelzüge verändert haben und manche Arten nur noch einen Teil ihrer ursprünglichen Strecke nach Afrika zurücklegen.

Futter ist für Ulrich Faigle keine Lösung. Besser ist es, den Vögeln im Garten Lebensraum zu bieten – etwa durch ein Vogelhaus.
Futter ist für Ulrich Faigle keine Lösung. Besser ist es, den Vögeln im Garten Lebensraum zu bieten – etwa durch ein Vogelhaus. | Bild: Horatio Gollin

In den Gärten tummeln sich im Winter vor allem die an den Menschen angepassten „Kulturfolger“ wie Amseln, Finken, Meisen, Rabenkrähen und Spatzen, erklärt Faigle. Eine Winterfütterung bräuchten diese in einem milden Winter nicht. „Mich bewegt, die selteneren Arten wie Kiebitz, Feldlerche oder Neuntöter zu schützen“, sagt Faigle. Diese Arten sind auf ihre natürlichen Lebensräume angewiesen und anstelle einer Fütterung ist es wichtiger, ihnen Strukturen anzubieten.

Landschaft wird immer mehr ausgeräumt

„Wir haben das grundsätzliche Problem in der Landschaft, dass immer mehr ausgeräumt wird, immer weniger Strukturen und Lebensräume für Tiere bestehen. Das fängt mit den Insekten an und reicht bis zu den Vögeln, Greifvögeln und Wildtieren“, weist Faigle auf das grundsätzliche Problem hin, dass Wildtiere nicht nur im Winter auf Deckung und unterschiedliche Lebensräume wie freie Wiesen, Hecken, Sträucher, Feldgehölze, Bäume oder Tümpel und auf die Verbindungen zwischen den Lebensräumen angewiesen sind.

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Lebensräume gehen durch größer werdende landwirtschaftliche Flächen verloren und Verbindungswege werden durch die Zersiedelung der Landschaft abgeschnitten. In den Siedlungen fehlen wiederum naturnahe Gärten mit heimischen Gehölzen und verwilderten Ecken. „Das ist wie ein kaltes Buffet. Je mehr Strukturen man anbietet, desto interessanter wird es für Tiere“, sagt Faigle. Die Möglichkeiten dazu bestehen sowohl in der freien Landschaft als auch in Gärten und auf öffentlichen Grünflächen.

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