Das Seil muss unter die Haken am Pfosten geklemmt werden, damit die hochgeklappte Netzhalterung nicht zurück auf den Rasen fällt. Eine echte Fummelarbeit für Joogy Hepp. Auch die andere Seite wird hochgeklappt. Hepp rüttelt nochmal dran und zieht dann los, über den von der blauen Tartanbahn eingefassten Fußballplatz, zum anderen Tor.

Nichts geht über den Hand-Rasenmäher

Die Tore müssen hochgebunden werden, damit der Roboterrasenmäher auch in dem Bereich sauber ausmäht. Der Mähroboter ist zwei- oder dreimal in der Woche im Einsatz. Er mäht den Rasen auf weniger als einen Zentimeter runter. Der Grünschnitt wird liegen gelassen.

Wirklich zufrieden ist Hepp mit der Lösung nicht. Der Roboter mäht den Rasen für sein Verständnis zu kurz. Auf Bundesligaplätzen werde nicht kürzer als 1,5 Zentimeter gemäht. Auch die abgemähten Halme müssten aufgenommen werden, da sie nicht als Dünger wirken, sondern im Rasen verfilzen und die Qualität verschlechtern, erklärt Hepp.

Auf Bundesligaplätzen würden auch keine Mähroboter eingesetzt, sagt er. Um den typischen, schön gestreiften Platz zu bekommen, wird ab und an auch noch selbst gemäht, wie beim Spiel des SC Freiburg gegen den FC Aarau. „Mit Rasenmäher wird es einfach schöner“, sagt Hepp.

Schadstellen müssen ausgebessert werden

Als Platzwart im Europastadion hat er früher auch die Spielfeldmarkierungen eingestreut. Heute machen das die Vereine. „Aber manchmal ist niemand vom Verein da, dann fahre ich selber drüber.“ Im Rasen sind hellere Markierungshilfen zum Streuen gesetzt, die die Eckpunkte etwa im Torraum, die Mittellinie und den Anstoßpunkt anzeigen.

Neu gestreut wird auf der alten Linie, außer der Mähroboter hat wieder so kurz gemäht, dass man nichts mehr erkennt – dann wird mit einer Schnur eine gerade Linie markiert, bevor es mit dem Streuwagen darüber geht. Da ist der Kunstrasenplatz einfacher, da sind die Spielfeldmarkierungen schon eingearbeitet.

Im neu angelegten Rasenplatz zeigen sich schon die ersten Schadstellen, wo Rasenstücke mit den Stollen ausgetreten sind, aber besonders im Torraum, wo der Torwart auf und ab tigert. „Solche Schadstellen kann ich selber machen“, sagt Hepp. „Beim SC Freiburg wird der Torraum nach jedem Spiel gemacht.“ Mit dem Spaten sticht er größere Schadstellen von drei bis fünf Quadratmetern aus, hebt die benötigte Tiefe aus und legt ein passendes Stück Rollrasen rein. Nach zwei Wochen ist der Rollrasen angewachsen.

Vom Kfz-Mechaniker zum Platzwart

Die Fachfirma, die das Spielfeld dieses Jahr erst gemacht hat, wird zur tiefergehenden Pflege mit Geräten anrücken, um den Rasen mit bis zu 500 Löchern pro Quadratmeter zu perforieren. So soll der Boden wieder luftig werden.

Hepp kommt jeden Tag ins Stadion, flickt Netze, tauscht kaputte Deckel der Sprenkleranlage aus oder kümmert sich um verstopfte Waschbecken. Der gebürtige Rheinfelder hat in Wyhlen Kfz-Mechaniker gelernt und lange bei einer Isolierungsfirma in Herten gearbeitet, bevor er sich vor 30 Jahren auf die Stelle als Platzwart bewarb. „Als ich angefangen habe, gab es nur den einen Platz da draußen, der wurde gerade eingesät“, erinnert er sich.

Nach und nach wurden die anderen Spielfelder eingerichtet, das Gebäude mit Vereinszimmer und Umkleidekabinen gebaut und die Sitzstufen für die Zuschauer angelegt. Neben Rasen- und Kunstrasenplatz steht noch ein Hartplatz fürs Training zur Verfügung, der ist allerdings bei den Vereinen weniger beliebt. Insgesamt trainieren sechs Fußballvereine und die Leichtathletikabteilung des Turnvereins Rheinfelden im Europastadion.

Dem Fußball ist Hepp schon lange verbunden. Er ist beim früheren VfR groß geworden und hat auch zwei Jahre beim früheren FC Rheinfelden sowie in Lörrach gespielt. „Wenn die Spielzeit rum ist, fängt das Schlimmste an“, meint Hepp, der dann die Spieltermine der Vereine koordiniert. Bis alles steht, ziehen schon mal eineinhalb Monate ins Land.

Hepp kommt zwei Stunden vor den Spielen. Bis das Spiel am Freitagabend vorbei ist, werden es fünf Stunden. Samstags kommt er schon um 9 Uhr, und bis das letzte Spiel gespielt wurde und die Mannschaften draußen sind, ist es bald 21 Uhr. Sonntags dauert sein Einsatz von morgens bis um 17 Uhr. Dazu kommen noch andere Sportereignisse, da gibt es kein freies Wochenende, außer in der ruhigen Zeit über den Jahreswechsel. Hepp geht immer als letzter, verschließt die Türen und Tore und löscht das Licht.