Herr Blümmel, dies ist zwar eine Verabschiedung, aber wohl doch noch nicht in den endgültige Ruhestand?

Ja, ich werde in den Ruhestand verabschiedet, aber ich bleibe noch. Bis zum Ende des ersten Halbjahres 2019 arbeite ich noch gelegentlich in der Seelsorgeeinheit. Bei weitem nicht mehr so intensiv wie bisher und sicherlich oftmals auch in anderen Gemeinden unserer Seelsorgeeinheit. Ich stehe weiterhin für Gottesdienste, Trauungen, Taufen und Beerdigungen zur Verfügung. Im Sommer 2019 aber verlasse ich Herten. Leider wird diese Pfarrstelle hier dann nicht mehr besetzt.

Wie lange waren Sie in Herten aktiv?

Ich kam 1973 in diese Gemeinde. Neben der Arbeit als Pfarrer hier war ich auch von 1982 bis 2007 Dekan des damaligen katholischen Dekanats Säckingen.

Was sehen Sie denn heute als das Individuelle, Besondere der katholischen Gemeinde Herten/Degerfelden?

Der Charakter der Ortsteile hat sich grundlegend gewandelt. Als ich hier anfing, gab es noch Bauern, heute nicht mehr. Ein große Besonderheit ist zweifellos das St. Josefshaus, aber auch dort gab es gewaltige Umbrüche. Viele Bewohner mit gewachsener Selbständigkeit wohnen heute in Außengruppen, gehören also nicht mehr zum Ort. Andererseits bewirkt das St. Josefshaus hier sehr große Aufgeschlossenheit gegenüber Menschen mit Einschränkungen, dies gleichermaßen in der Kirchengemeinde als auch überhaupt im Ort. Das ist eine sehr lobenswerte Spezifik von Herten. Als ich hier anfing, bestand im St. Josefshaus ein eigener Kirchenchor. Ebenfalls erfreulich ist, dass sich trotz des Strukturwandels der dörfliche Charakter von Herten und Degerfelden erhalten hat.

Ist die Jugend in der Kirchengemeinde aktiv?

Ja, selbstverständlich. Wir haben allein 65 Ministranten. Vor kurzem besuchte ich unser Jugend-Sommerlager, dieses Jahr nahmen 45 Jugendliche teil. Daneben gibt es alljährlich ein dreitägiges Winterlager. Diese Aufenthalte schaffen Bindungen an die Kirchengemeinde und regen zum eigenen Mittun an. Gleich, ob wir Lobpreisgottesdienste gestalten, die Kirche für Weihnachten schmücken oder ein Gemeindefest veranstalten, unsere Jugendlichen helfen stets mit.

Wie steht es denn um die Ökumene in ihrem Wirkungsbereich?

Ich hatte stets sehr guten Kontakt zu den evangelischen Pfarrerinnen, dort waren es zu meiner Zeit stets Frauen. Wir haben vieles gemeinsam gestaltet, seien es nun die Seniorenbetreuung, unsere Altengymnastik oder auch Ausflüge beider Kirchengemeinden. Der gemeinsame Pfingstmontag ist in jedem Jahr ein ökumenischer Höhepunkt.

In welchem Zustand sehen Sie heute die Gemeindearbeit?

Von den allgemeinen Problemen der Kirche bleiben wir hier nicht verschont. In die Gottesdienste kommen weniger Besucher, die Gemeinde insgesamt hat einen höheren Altersdurchschnitt. Außerdem gelingt es uns nur sehr schwer, zugezogene neue Bewohner für die Gemeindearbeit zu gewinnen.

Sie sind auch Vorsitzender des Partnerschaftsvereins Bénali-Herten/Degerfelden, welche Unterstützung erbringt die Gemeinde mit dieser Hilfsform?

Wir unterstützen damit zwei Kirchenkreise in Togo, zum Beispiel für den Schulbau und die Unterhaltung von Schulhäusern, wir finanzieren Medikamentenlieferungen und konnten auch eine Kantine für eine Kirche und eine Schule einrichten. Allein im Vorjahr trugen die etwa 50 Vereinsmitglieder rund 2000 Euro Spendengelder zusammen.

Fragen: Rolf Reißmann

Verabschiedung am kommenden Sonntag, 30. September, 16 Uhr, mit einem Festgottesdienst in Herten mit Dekan Gerd Möller.