Über ein volles Haus konnte sich der Orchesterverein Rheinfelden bei seinem Neujahrskonzert im Musiksaal des Kurbrunnens freuen. Zuletzt hatte das Orchester beider Rheinfelden beim grenzüberschreitenden Neujahrsempfang gespielt und dabei offensichtlich einen guten Klangeindruck hinterlassen. Nun trat es mit einem ambitionierten Programm hervor, darunter mit raffinierten Werken wie der Irish Suite von Leroy Anderson und der Jazz Suite Nr.2 von Dmitri Schostakowitsch, die für besondere Klangwirkungen sorgten. 

Ein imponierendes Klangbild

Für diese Stücke wurde die Besetzung des Orchesters in den Bläsern aufgestockt. 45 Musikerinnen und Musiker saßen auf und vor der Bühne: ein imponierendes (Klang-)Bild. Unter den Mitspielenden in diesem rührigen Amateurorchester sind 14 aus dem Badischen. Seit 30 Jahren fungiert die Geigerin Monika Kordowich, die an der Musikschule im badischen Rheinfelden Violine unterrichtet, als Konzertmeisterin. Inzwischen spielt auch ihre Tochter Franziska in den Geigen-Reihen mit.

Stücke mit irischem Flair

Angeführt von der erfahrenen Geigerin Monika Kordowich legte sich das Orchester unter dynamischer Leitung des Dirigenten Lukas Merkelbach in der Irish Suite von Leroy Anderson mächtig ins Zeug. In den mal lebhaften, mal melancholischen Stücken kommt irisches Flair auf, werden Bilder, Klänge, bekannte Melodien, Volksweisen und Klangstimmungen von der Grünen Insel beschworen. Farbig, kräftig und rhythmisch akzentuiert spielen die Streicher, Bläser und Perkussionisten die Stücke wie „The Irish Washerwoman“, in „The Minstrel Boy“ setzen Flöte und Perkussion besondere Akzente, voller Wehmut, Melancholie und Poesie klingt „The Last Rose of Summer“. Und im Schlussstück „The Girl I Left behind Me“ geht es tänzerisch und prägnant zu, mit markantem Bläsereinsatz.

Mit spezieller Note

Eine stattlich besetzte Bläserriege brauchte es auch für die Jazz Suite Nr. 2 des russischen Komponisten Schostakowitsch, die 1938 für ein staatliches Jazzorchester entstand. Vier Saxophone, glänzend besetzt mit Musikstudierenden, verliehen dieser jazzig beschwingten Suite eine spezielle Note. Aber auch die anderen Bläser und die Streicher gingen den einleitenden Marsch mit rhythmischer Verve an. Auch die Tänze I und II hatten prägnanten rhythmischen Elan. Schwelgerisch, geschmeidig und sehnsuchtsvoll-elegant legte sich das Orchester in die drei Walzer, darunter den lyrischen Walzer. Wiegend im dynamischen Schwung gingen diese Walzer hinreißend ins Ohr. Pointiert gespielt war die kleine Polka und im Finale bündelte sich noch mal alles an Streicher-Elan, an kraftvoller Bläserpräsenz, an rhythmischem Spielwitz in dieser unterhaltsamen Suite mit ihren tänzerischen Sätzen.

Für Musiker große Herausforderung

Auch große sinfonische Literatur aus der Klassik hatte das Orchester beider Rheinfelden auf dem Programm: die „Linzer Sinfonie“ von Mozart KV 425. Dirigent Merkelbach achtete auf einen möglichst schlanken, beweglichen Orchesterklang und energisch-kraftvolles Tutti in dieser Sinfonie, die einen heiteren Grundzug, helle Stimmung und eine festliche Heiterkeit hat, gelegentlich aufgebrochen durch dramatische und schwermütige Elemente. Der Orchesterverein war bei diesem Mozart stark gefordert, der nicht nur Leichtigkeit und Eleganz im Klang braucht, sondern spieltechnisch einige Herausforderungen durch die Stimmungswechsel und Kontraste schon im einleitenden Adagio und dem Allegro spirituoso birgt.

Unterschiedliche Klangwelten

An Abwechslung durch unterschiedliche Klangwelten von klassisch, irisch bis jazzig war also einiges geboten bei diesem Orchesterkonzert. Das Orchester beider Rheinfelden ist sehr aktiv, kommt jährlich mit zwei Konzertprojekten heraus und hat sein Probendomizil im Musiksaal der Musikschule auf schweizerischer Seite. Auch an der Kulturnacht hat das Orchester schon mitgewirkt als Klangkörper, der grenzüberschreitend Musikbegeisterte von beiden Seiten des Rheins verbindet.

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