Herr Kähny, das grüne Kreuz als Protest gegen das Agrarpaket der Bundesregierung. Warum beteiligen Sie sich an dieser Aktion?

Kähny: Die Gesetze, und hier nenne ich das neue Agrargesetz, sind nicht mehr einzuhalten. Es wird behauptet, die Landwirte sind an allem schuld, an den Klimaschäden und am Insektensterben. Das ist aber nicht so, die Landwirtschaft ist mit einem ganz kleinen Teil, nämlich zwei Prozent, daran beteiligt. Zum Beispiel kommt immer der Vorwurf: Wir Landwirte überdüngen unsere Felder. Das ist falsch, denn wenn wir das machen würden, würde alles verenden. Der Verbraucher will Bioprodukte, aber das Obst und Gemüse muss einwandfrei aussehen, ja kein Fleckchen darf drauf sein, aber das funktioniert so nicht.

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Herr Rütschle, was und wer ist Ihrer Meinung nach an diesen Schäden mit schuld?

Rütschle: Da leisten ganz viele ihre Beteiligung. Zum Beispiel die zunehmende Flächenversiegelung, Verkehr und die 5G-Funkwellen, die gerade den Bienen enorm schaden. Aber wir Landwirte haben die wenigste Lobby. Wer sagt schon, wir brauchen weniger Handys oder Autos? Oder sehen wir uns mal den Bestell-Wahn an, der daraus resultierende Verkehr belastet die Umwelt enorm.

Thorsten Kähny.
Thorsten Kähny | Bild: Petra Wunderle

Herr Kähny, das Bienensterben ist in aller Munde, was macht zum Beispiel Ihr Betrieb für diese wichtigen Insekten?

Kähny: Wir haben nach der Getreideernte eine Blumenwiese angelegt, extra für die Bienen. Im Herbst haben sich dann ganz viele Bienen angesiedelt. Damit wollen wir auch zeigen, dass wir bereit sind, was zu tun, aber genauso möchten wir mitbestimmen wenn es um die Gesetze für unsere Landwirtschaft geht.

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Herr Rütschle, was soll das grüne Kreuz bewirkten?

Rütschle: Es ist ganz klar ein Protest gegen die Agrarpolitik, wir wollen, dass unsere Arbeit respektiert wird und ich wäre froh, wenn es für den Verbraucher ein Anstoß dafür ist, wo sie ihre Lebensmittel kaufen und darauf achten, woher die Produkte kommen, nämlich aus unserer Region.

Fahren Sie mit nach Berlin, wo das Grüne Kreuz in der nächsten Woche landen soll?

Rütschle: Mein Zwillingsbruder Lukas fährt mit nach Berlin, einer muss ja daheim bleiben (lacht).

Und wie sieht es bei Ihnen aus, Herr Kähny?

Kähny: Ich würde sehr gerne mitfahren, aber aus beruflichen Gründen habe ich keine Zeit.

Karl Rütschle.
Karl Rütschle | Bild: Petra Wunderle

Herr Rütschle, was für einen landwirtschaftlichen Betrieb haben Sie und was macht Ihnen Freude daran?

Rütschle: Unser Bauernhof läuft auf meinen Vater, meinen Bruder und mich. Wir betreiben Bullenmast, halten Hühner, Ackerbau und Naturschutzarbeit. Das Schaffen in der Natur ist etwas sehr Schönes, ein Ergebnis zu sehen von etwas, das man je nachdem selbst beeinflussen kann. Und die Arbeit mit den Tieren ist ganz wichtig, dass es ihnen gut geht und dass gesunde Lebensmittel produziert werden.

Und was lieben Sie an ihrem Traumberuf Landwirt Herr Kähny?

Kähny: Dass man selbständig ist und frei in der Natur arbeiten kann. Man pflanzt etwas an und pflegt es das ganze Jahr und freut sich dann an der Ernte. So ist es auch mit den Tieren. Bei uns hat jedes Tier seinen eigenen Namen, der Bezug Mensch zu Tier und eine artgerechte Haltung ist selbstverständlich.

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