Die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Kleines Wiesental nimmt ab 1. Oktober vorerst kein Nadelstammholz (Fichte und Tanne) mehr zum Verkauf an, sofern dessen Absatz nicht durch Verträge oder Absprachen abgesichert ist. Das gibt die FBG Kleines Wiesental in einer Pressemeldung bekannt. Das betrifft auch den Wald und seine Besitzer auf dem Dinkelberg. Der Markt für Nadelstammholz sei in Deutschland und den Nachbarländern durch große unverkaufte Sturmholzmengen aus dem Januar überlastet. Die wirtschaftliche Stabilität der FBG sei aber nicht gefährdet. Den Ankaufstopp, der laut Pressemeldung ab 1. Oktober gilt, habe der FBG-Vorstand am 13. September beschlossen, da eine weitere Vergrößerung im angekauften Bestand ein nicht kalkulierbares finanzielles Risiko darstellen würde.

Die Holzlisten können zwar übernommen werden, eine Auszahlung des Holzgeldes erfolge aber erst nach erfolgtem Verkauf und Zahlungseingang, heißt es. Es werde auch keine Vorleistung für die Aufarbeitung und das Rücken ausgezahlt. Das bedeutet, dass eventuelle Unternehmerkosten vom Waldbesitzer getragen werden müssen. Dieses Vorgehen entspreche dem Vorgehen anderer Forstbetriebsgemeinschaften, die ebenfalls erst nach Zahlungseingang auszahlen. Die Maßnahme gelte nur für das Stammholz von Fichte und Tanne, nicht aber für Laubholz. Dieses könne ebenso wie Douglasien- und Lärchenstammholz weiterhin nach Absprache produziert werden.

Es sei das erste Mal in der Geschichte der Forstbetriebsgemeinschaft, dass man eine solche Maßnahme ergreifen müsse, erklärt FBG-Geschäftsführer Michael Meyer-Heisig. Sobald es die Marktlage erlaubt, wolle man zum bisherigen Verfahren zurückkehren. Wie es nach dem heißen und trockenen Sommer zu befürchten gewesen sei, haben sich nun in der Folge mehrere Käfergenerationen der Borkenkäfer-Unterarten Buchdrucker und Kupferstecher entwickeln können, die sehr viele Nadelbäume befallen haben. Daher komme zu den vorhandenen gewaltigen Sturmholzmengen, die Sturm „Burglind“ Anfang Januar hinterlassen hat, nun noch eine erhebliche Menge Käferholz hinzu, heißt es in der Meldung.

Das Sturmholz, das anfangs nur auf etwa fünf bis acht Millionen Festmeter geschätzt worden sei, liege inzwischen eher zwischen 15 und 20 Millionen Festmetern. Dieselbe Situation stelle sich in der Schweiz, in Österreich und Frankreich dar. Dies alles habe zu einer absoluten Übersättigung des Holzmarktes geführt. „Der Absatz von Nadelstammholz, das nicht durch Verträge oder Absprachen abgedeckt ist, ist nahezu unmöglich“, heißt es. Ein Hauptproblem dabei sei, dass sich Verarbeitungsmenge nicht beliebig erhöhen lasse, weil die Sägewerke bereits am Anschlag arbeiten. Alles über die Verarbeitungskapazität hinaus produzierte Rundholz gehe zwangsläufig auf Halde – was der Holzqualität aber nicht eben gut bekomme. „Holz ist verderbliche Ware“, erklärt Meyer-Heisig. Bei dem Nasslager in Schönau habe man schon vor einigen Wochen die für den qualitativen Erhalt des Holzes nötige Beregnung wegen Wassermangels einstellen müssen.

Meyer-Heisig erklärt den Mangel an Abnehmern: Im Gegensatz zu Orkan „Lothar“, der vor 19 Jahren noch mehr Holz zu Boden gebracht habe als die Stürme „Burglind“ und „Friederike“ im Januar, gebe es heute nur noch zwei größere Sägewerke in der Region, die situationsbedingt überfüllt seien. Außerdem fehle es an Frachtkapazität. Und ehemalige Abnehmer aus dem Ausland – Belgien etwa oder Österreich – fallen aus, da sie durch geografisch näher liegende Gebiete, in denen es ebenfalls starke Sturmschäden gegeben habe, etwa Tschechien, versorgt werden. „In jedem Fall wird die FBG für ihre Mitglieder aber die Kosten für Insektizide übernehmen, um die Käfergefahr für das kommende Jahr zu reduzieren“. Das Insektizid werde auf geschlagenes Holz aufgebracht, um zu verhindern, dass Käfer, die sich unter der Rinde der Stämme entwickelt haben, nach ihrem Flüggewerden ausschwärmen und weitere Bäume befallen. Eine weitere wichtige Maßnahme gegen die Käferplage sei es, dass Waldbesitzer Käferholz nach Absprache mit dem Revierleiter aufarbeiten.

Für Thomas Hirner, der für ein 1400 Hektar großes Waldgebiet zwischen Nollingen und Dossenbach zuständig ist, stellt sich die Entwicklung dramatisch“ dar. „Der Käfer hat massiv zugeschlagen“, sagt er. Fast am Laufmeter werden Bäume geschlagen. Doch damit ist das Problem nicht gelöst. Denn das Holz aus dem Wald zu holen, funktioniert nicht mehr, der Markt nimmt nichts mehr ab. „So eine extreme Entwicklung habe ich noch nicht erlebt“, sagt der erfahrene Forstmann. Der Käfer vermehre sich so schnell, das Leute und Maschinen nicht mehr nachkommen: „Dem Käfer rennt man immer hinterher“.