Drei Kindergärten in der Stadt nehmen an einer medienpädagogischen Studie der Pädagogischen Hochschule Freiburg teil, in der es um die Nutzung neuer Medien von Vorschulkindern geht. Sabine Kreil, Leiterin der Kita Bienenkorb, spricht im Interview darüber.

Frau Kreil, um was für eine Studie handelt es sich dabei?

Das Projekt heißt „Media Protect“, es geht dabei um die Effektivität von Elternberatung zur Prävention problematischer Bildschirmmediennutzung bei Kindern im Alter von vier bis sieben Jahren. Das Projekt klärt über altersgerechte Strategien zur Vorbeugung problematischer Nutzung von Bildschirmmedien auf.

Wer nimmt außer Ihnen teil?

Neben der Kita Bienenkorb nehmen der katholische Kindergarten St. Anna, der evangelische Paulus-Kindergarten und als Vergleichs-Kindergarten das Osypka-Kinderhaus in Herten teil.

Was genau passiert in dem Projekt?

Es gab ein interaktives Theaterstück, es finden für alle Erzieher zwei Fortbildungsveranstaltungen zu den Themen Mediennutzung, Medienbildung und medienpädagogische Elternarbeit statt. Die Eltern sind zu einem Themenabend eingeladen und erhalten anschließend einen Gutschein für eine Telefonberatung zum Thema Medienerziehung. Die Wirksamkeit des Media Protect-Projekts wird mit Hilfe von Elternfragebögen evaluiert.

Die Studie ist die zweite dieser Art. Gibt es aus der ersten Studie Zahlen, in wie vielen Familien der Umgang mit neuen Medien problematisch ist?

Im Sinne der Media-Protect-Studie findet in fast allen Familien ein problematischer Medienumgang statt, denn diese Studie sagt: Aus entwicklungspsychologischer Sicht sollten Kinder im Vorschulalter möglichst kaum mit Bildschirmmedien in Berührung kommen.

„Problematisch“ ist also in der Altersgruppe jeder Bildschirmmedienkontakt?

Ja, aus Sicht der Entwicklungspsychologen. Als Erzieherin und Mutter würde ich sagen: Es geht darum, ein gesundes Maß zu finden. Ich habe 15 Jahre als Erzieherin gearbeitet, ehe ich die Kindergartenleitung übernahm, und ich habe beobachtet, dass man es Kindern anmerkt, wenn sie schon morgens vor dem Kindergarten fernsehen. Das Spielverhalten ändert sich, die Kinder sind unkonzentriert, sie verarbeiten das Gesehene im Spiel. Es ist oft schwierig mit Eltern darüber zu sprechen, weil diese mitunter der Meinung sind „Mein Kind schaut nicht viel Fernsehen, nur morgens ne Stunde vor dem Kindergarten, mittags auch zum Ausruhen, und wenn es regnet...“ Da fällt es uns Erziehern schwer, den Eltern zu verdeutlichen: „Das ist nicht gut für Ihr Kind.“ Wenn man aus entwicklungspsychologischer Sicht argumentieren kann, hilft das sehr.

Der Ansatz des Projektes klingt sehr nach Bewahrpädagogik. Geht es darum, den Eltern zu sagen: Verbannt die neuen Medien? Oder geht es darum, die Eltern zu befähigen, ihren Kindern einen souveränen und kritischen Umgang mit den Medien zu vermitteln?

Es geht darum, den Eltern zu verdeutlichen, wie wichtig die Erziehung zur Medienmündigkeit ist. Kinder zu medienmündigen Menschen zu erziehen, ist die Voraussetzung für eine selbstbestimmte, kritische und aktive Mediennutzung. „Media-Protect“ sagt, im Vorschulalter brauchen Kinder keine digitalen Medien, um die Kompetenzen zu erlernen, die später zur Medienmündigkeit führen. Viel wichtiger ist das aktive Tun, ein Lernen mit allen Sinnen. „Media-Protect“-Coach Stephanie Stalter rät, die tägliche Bildschirmnutzung von Kindergartenkindern auf höchstens 20 Minuten zu beschränken.

Wie handhaben Sie die Mediennutzung im Kindergarten?

Wichtig ist das Abwägen. Der Einsatz von digitalen Medien in unserem Kindergarten wird regelmäßig diskutiert und neu entschieden, wenn es zum Thema passt. Aktuell haben wir das übergreifende Projektthema „Unser Körper“. Dazu gibt es eine sehr schöne Dokumentationsserie für Kinder, die zeigen wir im Kindergarten über einen Beamer. Der Einsatz von digitalen Medien soll für unsere Kindergartenkinder jedoch etwas Besonderes bleiben. Die Tendenz wird sein, den Eltern zu vermitteln: Medien für Kinder im Kindergartenalter sollten bevorzugt Bücher und Spiele sein.


Zur Person

Sabine Kreil ist 47 Jahre alt und seit Juni 2015 Leiterin der städtischen Kita Bienenkorb in Karsau. Sie arbeitete zuvor bereits 15 Jahre als Erzieherin.