Rheinfelden (ibö) Die Bürgerinitiative A 98 Tunnel Karsau-Minseln wartet gespannt darauf, dass die für 2017 angekündigte Offenlage des fünften Planungsabschnitts zwischen Minseln und Schwörstadt erfolgt, sie bleibt aber nicht untätig, sondern versucht außerhalb des formalen Verfahrens die Politik zum Umdenken zu bewegen, damit die Trasse auf einer Länge von zwei Mal 400 Metern überdeckelt wird. Dazu erhielten diese Woche Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und weitere Politiker Schreiben der BI.

Auslöser für die aktuelle Initiative der BI bilden Zahlen zu Kosten für den Tunnel Nollinger Berg und den im Bau befindlichen Herrschaftsbuck-Tunnel Richtung Minseln. Die BI, so ihr Mitglied Lothar Wihan aus Karsau, stütze sich mit ihrer Forderung auf Kosten von rund 33 Millionen für die 1236 Meter lange Oströhre um rund 24 Millionen für die westliche für den Rohbau im Nollinger Berg sowie die Baukosten von 38 Millionen für zwei unter 500 Meter lange Röhren für den Herrschaftsbuck-Tunnel. Auf dieser Basis macht die BI mit ihren Sprechern Uwe Tittmann und Klaus Weber die Rechnung auf, die nicht so hoch für die geforderte Überdeckelung ausfallen könne, wie bisher angeführt. Da nur eine Röhre für den Abschnitt Minseln Karsau bei einspuriger Straßenführung benötigt werde, kommt die BI auf geschätzte 12,5 Millionen Euro Rohbaukosten für 400 Meter.

Die bisher für die Überdeckung von zwei Mal 400 Meter von Planerseite ins Feld geführten rund 60 Millionen Euro werden als nicht realistisch beurteilt. Die Berechnung der BI Tunnel kommt auf Grundlage der Vergleichskosten der beiden anderen Tunnel auf nur etwa 31.300 Euro pro Meter, der Herrschaftsbuck-Tunnel würde zum Vergleich 39.600 Euro kosten. Für die BI stellt sich angesichts der vergleichenden Rechnung die Frage nach der „Planungsgerechtigkeit für den Abschnitt A 98.5“. Tittmann und Weber gehen in ihrem Schreiben an Dobrindt und Landesverkehrsminister Herrmann davon aus, dass die „Ablehnung einer Überdeckelung durch das Bundesverkehrsministerium auf einer “falschen Kostenschätzung" basiere, heißt es.

Vor diesem Hintergrund kann die BI nicht nachvollziehen, dass Argumente wie ökologische Maßnahmen, Flächenverbrauch und Zerschneidungswirkung einer Straße „nicht gebührend berücksichtigt“ werden. Für Weber und Tittmann werden bei der Planung der A 98 unterschiedliche und damit falsche Maßstäbe angelegt in der Bewertung. Beide verweisen in ihrem Brief darauf, dass der Bau des Herrschaftsbuck-Tunnels gerade wegen der Folgen für die Landschaft begründet wird. Warum dieser Maßstab für den folgenden Abschnitt der A 98 zwischen Karsau und Minseln nicht mehr gelten soll, erschließe sich somit nicht. Sie betonen, dass gerade in diesem Bereich die Bevölkerung durch die geplante Landschaftszerstörung durch die Autobahn „weit stärker“ als beim Herrschaftsbuck-Tunnel betroffen sei. Die Forderung lautet deshalb: eine umweltgerechte Ausführung.

Die BI bittet Bundes- und Landespolitik, sich der Grundsatzfrage Landschaftsschutz erneut zuzuwenden und die Überdeckelung „zu prüfen“, so Weber und Tittmann. Die BI hat ihre Initiative auch den Bundestagsabgeordneten Rita Schwarzelühr-Sutter, Armin Schuster, Kerstin Andreae, Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, Landesverkehrsminister Winfried Hermann und OB Klaus Eberhardt per Kopie des Briefes mitgeteilt.

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