Mit Blick auf den geplanten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (Brexit), weist die Ausländerabteilung des Amts für öffentliche Ordnung auf die Folgen für hier lebende britische Staatsbürger und ihre Familien hin. Nach Auskunft der Verwaltung leben derzeit rund 50 Briten auf Rheinfelder Gemarkung.

Bedingungen sind nach wie vor unklar

Obwohl die Bedingungen des für den 29. März geplanten Austritts nach wie vor unklar sind, benötigen britische Staatsangehörige nach dem Austritt für ihren Aufenthalt in Deutschland einen Aufenthaltstitel oder einen anderen Nachweis über ihr Aufenthaltsrecht.

Regelung gilt nur für "Bestandsbriten"

Im Falle eines ungeregelten Austritts ohne Abkommen (Stichwort: „no Deal“) sind britische Staatsangehörige und ihre Familienangehörigen ab dem 30. März für vorerst drei Monate (bis zum 30. Juni) von der Besitzpflicht eines solchen Aufenthaltstitels befreit. Diese Regelung gilt allerdings nur für Personen, die bis zum Austritt des Vereinigten Königreiches bereits in Deutschland gelebt haben und freizügigkeitsberechtigt waren (so genannte „Bestandsbriten“). Sie dürfen sich nach dem 30. März drei Monate lang unverändert hier aufhalten und arbeiten.

Sie unterliegen dann der Passpflicht

Alle britischen Staatsangehörigen und ihre Familienangehörigen sollten jedoch bis spätestens 30. Juni bei ihrer Ausländerbehörde einen Aufenthaltstitel beantragen. Bis zur Entscheidung über den Antrag bleiben der Aufenthalt im Bundesgebiet sowie die Ausübung jeder Erwerbstätigkeit erlaubt. Weiterhin teilt die Ausländerabteilung mit, dass nach einem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union britische Staatsbürger als Nicht-EU-Bürger gelten und deshalb der Passpflicht unterliegen.

Noch keine Anträge im Rathaus

Zur Zeit sind keine Anträge auf einen deutschen Pass im Rathaus in Arbeit. Alle in Rheinfelden gemeldeten, britischen Mitbürger werden von den Mitarbeitern der Ausländerabteilung jedoch rechtzeitig schriftlich über die neuen Regelungen informiert.

Sie wollen beide Staatsangehörigkeiten

Das Thema Brexit macht die in Rheinfelden lebenden Briten unruhig. Louise Patrick, die mit ihrer Familie seit dem Jahr 2000 in Nollingen lebt, nimmt für sich, ihren Mann und hier aufgewachsene Tochter und den Sohn in Anspruch: „Wir fühlen uns wohl." Dass nun der Brexit drohe, stimme sie nicht zufrieden. Damit die Familie weiterhin als EU-Bürger leben kann, haben die Mitglieder der Familie deshalb einen Antrag auf einen Deutschen Pass gestellt und hoffen, damit für alle rechtzeitig über beide Staatsangehörigkeiten zu verfügen.

Die Eltern der Patricks leben in England

Die in der VHS auch als Muttersprachlerin mitwirkende Patrick meint, dass sie oft auf das Thema Brexit angesprochen werde. Obwohl sie gerne hierbleiben möchten, denken die Patricks aber auch an ihre in England lebenden Eltern. Um für sie sorgen zu können, halten sie die britische Staatsbürgerschaft weiterhin für wichtig.

David Wild lebt seit 42 Jahren in Deutschland

Auch David Wild, der in Nordschwaben wohnt, und schon seit 42 Jahren in Deutschland und seit 37 Jahren in der Gegend lebt, erklärt: „Ich fühle mich wohl." Damit es so bleibt, überlegt sich Wild, je näher der Brexit rückt, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Dabei geht es ihm vor allem darum, sein Wohnrecht zu sichern. Er fürchtet auch, dass sonst alles schwierig werden könne.

Er hält den Brexit für einen "Verlust für alle"

Auch wählen zu können auf Gemeinde- und Kreisebene hält Wild für wichtig. Bis jetzt habe er sich in der Frage der Staatsbürgerschaft nicht unter Druck gesehen, aber nun erscheint es dem aus Newcastle Stammenden mit Blick auf Ende März zunehmend wichtig, beide Pässe zu haben. Wie viele seiner Landsleute hält er den Brexit für einen „Verlust für alle“.