Die Veranstalter der AG Jugend im Landkreis haben gehofft, dass zehn Prozent der Erstwähler zu Politik und Pizza in der Bürgersaal kommen. Die Rechnung ging auf. In zehn Kommunen ist der Erstwähler-Workshop Politik und Pizza der AG Jugend im Landkreis Lörrach unterwegs. Rheinfelden ist die vorletzte Station der Tour. „Wir haben da zwei Challenges“, offenbarte Gisela Schleidt vom Kreisjugendreferat den Jugendlichen. „Wo gibt es die beste Pizza und wo kommen die meisten Jugendlichen? Die zweite Herausforderung hat Rheinfelden jetzt schon gewonnen, wenn nicht in Maulburg mehr kommen.“ Jugendreferatsleiter Andreas Kramer war begeistert: „Ihr habt uns einen Traum erfüllt. Wir hatten uns zehn Prozent der Erstwähler als Ziel gesteckt.“

Gespräche an sechs Tischen

Nach der Vorstellung der 22 Gemeinderatswahlkandidaten wurden zwei Diskussionsrunden an sechs Tischen eingerichtet. Je zwei Kandidaten von CDU, SPD, Grüne, Freie Wähler und Soziales Rheinfelden und je ein Kandidat der FDP standen Rede und Antwort. Nach 15 Minuten wechselten die Kandidaten die Tische, damit in sechs Runden die Jugendlichen mit den Kandidaten aller sechs Listen sprechen konnten. Die Jugendarbeiter servierten ohne Unterlass frische Pizzen aller Art, Jugendliche und Kandidaten griffen gerne zu. Verschiedene weitere Gemeinderatskandidaten und Kreistagskandidaten sowie auch Lehrer nahmen als Beobachter an der Veranstaltung teil.

Voller Erfolg: Mit rund 150 Jugendlichen kamen zehn Prozent der Erstwähler zu Politik und Pizza ins Rathaus.
Voller Erfolg: Mit rund 150 Jugendlichen kamen zehn Prozent der Erstwähler zu Politik und Pizza ins Rathaus. | Bild: Horatio Gollin

Wichtigste Anliegen in Stichworten

Fehlende Freizeit- und Aufenthaltsorte für Jugendliche wurden an den Tischen diskutiert. Eine attraktivere Innenstadt war vielen jungen Menschen ein Anliegen, die sich auch nach Lösungsvorschlägen der Parteien für besseren öffentlichen Nahverkehr, Digitalisierung an den Schulen oder Fachkräftemangel in Kindergärten erkundigten. Gezielt fragten die Jugendlichen auch nach den Hauptthemen der Parteien oder forderten die Kandidaten auf, ihre fünf wichtigsten Anliegen in Stichworten aufzuzählen. Die Parteien nutzten die Gelegenheit, für ihre Kernanliegen zu werben. Ein kontrovers diskutiertes Thema an mehreren Tischen war der geplante Bau eines neuen Rheinstegs.

Sie verzichten auf eine Probewahl

Obgleich eine Urne auf der Bühne schon parat stand, wurde am Ende der dreistündigen Veranstaltung auf eine Probewahl verzichtet. Einige Jugendliche hatten den Workshop zwischenzeitlich schon verlassen und die Stuhlreihen hatten sich zum Abschlussplenum etwas gelichtet. Moderatorin Eva Wolters-Andreocci wollte wissen, ob die Fragen der Jugendlichen beantwortet worden seien.

Viel Applaus für die Bewerber

Die Jugendlichen teilten sich hälftig nach ja oder nein im Saal auf. Ebenso versammelten sich die Jugendlichen zu gleichen Teilen bei der Frage, ob sie sich vorstellen könnten, einmal selbst zu kandidieren. Ob sie wüssten, welche Kandidaten sie am Sonntag wählen, wollte Wolters-Andreocci wissen. Die meisten Erstwähler enstschieden sich für die Ja-Seite. Unter großem Applaus verabschiedeten die Jugendlichen die Kandidaten.

Positive Reaktionen der Teilnehmer

Ein Siebzehnjähriger aus Minseln fand den Workshop gut und informativ. Er hätte noch gerne mit Vertretern der AfD-Liste zur Kreistagswahl gesprochen. „Ich fand die Veranstaltung sehr gut, weil man als Jugendliche nicht so viel mitbekommt und hier hat man viel mitbekommen“, sagte eine 17-Jährige. Ein Achtzehnjähriger lobte die Veranstaltung, aber kritisierte, dass manche Kandidaten zu dominant im Gespräch waren. Ein ebenfalls 18-Jähriger sagte, dass seine Erwartungen übertroffen worden seien: „Das sollte es öfter geben. Viele Jugendliche interessieren sich für Politik, haben aber keinen Anhaltspunkt, da fehlt der persönliche Kontakt.“ Er lobte, dass alle Erstwähler eingeladen worden waren, und fand es gut, dass auch viele in den Bürgersaal gekommen waren.