Die Karsauer Madonna zählt zu den wertvollsten Sammlungsstücken des Dreiländermuseums in Lörrach. Dabei ist ihre Bezeichnung aber irreführend, denn es gibt eine weitere Skulptur mit diesem Namen. Die sogenannte Karsauer Madonna stand bis 1909 in einer Außennische des Karsauer Schulhauses, weshalb ihre heutige, in der Kunstgeschichte bekannte Bezeichnung, auf diesen Ort verweist, wie das Museum in einer Mitteilung an die Presse schreibt. Die Bezeichnung Karsauer Madonna sei jedoch problematisch, denn es existiere eine weitere als Karsauer Madonna benannte Skulptur: Ein Werk aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus Rheinfelden, das vor ein paar Jahren aufwendig restauriert und 2016 erstmals im Rheinfelder Stadtmuseum ausgestellt wurde. Zählt man dann noch die als Dinkelberger Madonna bezeichnete, von Ruß geschwärzte „Schwarze Madonna“ hinzu, die sich ebenfalls im Sammlungsbesitz des Dreiländermuseums befindet, wird es kompliziert. Warum gibt es gleich zwei beziehungsweise drei so bedeutende Madonnen-Skulpturen, die in Bezug zu Karsau stehen?

Mögliche Erklärungen

Die naheliegende Erklärung liegt in der ehemaligen Deutschordenskommende Beuggen, unweit von Karsau, heißt es weiter in dem Schreiben. Die heutige Schlosskirche hatte mehrere Vorgängerbauten. Darunter eine gotische Kirche im 15. Jahrhundert, von der es keine architektonischen, jedoch schriftliche Zeugnisse gibt. Für diese Kirche könnte die Madonna vom Deutschherrenorden in Auftrag gegeben worden sein. Auch die barocke zweite Karsauer Madonna ist dem Umfeld von Schloss Beuggen zuzuordnen.

Lörracher Skulptur

Die knapp anderthalb Meter hohe, aus Lindenholz geschnitzte Lörracher Skulptur zeigt den Typus einer Mondsichelmadonna. Diese Darstellungsform ist weit verbreitet und beruht auf einer Passage aus der Johannesoffenbarung. Ihr langes Gewand fällt in kunstvoll drapierten Falten herab. Mutter und Kind haben zarte Gesichtszüge und eine helle Haut. Die Mutter Gottes trägt eine goldene Krone, welche sie als Himmelskönigin ausweist, und hat langes Haar. Stilistisch ist sie spätgotisch in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts einzuordnen und wurde wahrscheinlich in einer oberrheinischen Werkstatt gefertigt. Auch eine Herkunft aus dem Bodenseeraum oder Basel ist laut Museum denkbar, zeigen doch regionale Vergleichsbeispiele viele Ähnlichkeiten.

Herausragende Skulpturen

„Diese Beispiele herausragender Madonnen-Skulpturen sind ein Zeugnis der 750-jährigen Karsauer Geschichte und leisten einen wichtigen Beitrag zur Kunstgeschichte der Region“, heißt es weiter. Die Karsauer Madonna aus Lörrach habe große Aufmerksamkeit verdient, nicht nur aufgrund ihres Alters. Ihre hohe bildhauerische Qualität und die in Teilen erhaltene mittelalterliche Bemalung zeichneten sie besonders aus. Die Skulptur ist noch bis Sonntag, 17. November, in der Rötteln-Ausstellung zu sehen, danach zieht sie wieder an ihren angestammten Platz neben die Dinkelberger Madonna in der Dauerausstellung des Dreiländermuseums.