Mit einem Bauantrag der besonderen Art hatte es der Ortschaftsrat Minseln in seiner Sitzung am Dienstagabend zu tun. Besprochen wurde die geplante Erweiterung eines Wohnhauses in Oberminseln im Bereich der Wiesentalstraße an der Ecke zur Alten Ortsstraße, wo seit ein paar Jahren auch ein Reifenhandel betrieben wird.

Der Ortsschaftsrat stellte hierbei fest, dass mit dem Bauvorhaben bereits begonnen wurde. So sei der geplante Anbau im Wesentlichen schon vorhanden, nur die Überdachung fehle noch. Den Ortschaftsräten stieß diese Vorgehensweise erkennbar unangenehm auf, schließlich sei das Vorhaben in Oberminseln nicht das erste gewesen, bei dem mit dem Bau vorzeitig begonnen wurde, ohne die entscheidende Zustimmung des Gemeinderates abzuwarten.

Auch das Baurechtsamt war im Vorfeld bereits eingeschritten und hatte einen temporären Baustopp verhängt. Denn obwohl die Bauvoranfrage erfolgreich war und es von Seiten der Stadt keine baurechtlichen Einwände gegeben hatte, ist es am Ortschaftsrat, ein Vorhaben entweder zu genehmigen oder abzulehnen. Letzteres scheint in diesem Fall durchaus möglich, zumal auch andere Aspekte wie das vorherrschende Ortsbild und die geplante Nutzung noch geklärt werden müssten. SPD-Ortschaftsrat Wilhelm Hundorf kritisierte das Vorhaben: „An dieser Stelle ist auch eine Verkehrsgefährdung durch mögliche Lieferungen für das Gewerbe nicht auszuschließen.“ Immerhin handele es sich an dieser Stelle um ein Wohngebiet und nicht um ein Gewerbegebiet.

Trotz der Zweifel sei den Ortschaftsräten aber nicht daran gelegen, das Vorhaben nun einfach abzulehnen oder gar einen Rückbau anzuordnen. Als möglicher Kompromiss wurde die Eintragung einer Nutzungsvorschrift an den Bauherrn vorgeschlagen. CDU-Ortschaftsrätin Sabine Schütz-Baumgartner sah die Effektivität einer solchen Baulast jedoch skeptisch. „Die Erfahrung zeigt, dass so etwas in den seltensten Fällen dauerhaft eingehalten wird.“ Auch die Gewährleistung des Brandschutzes erschwere die Erteilung einer Genehmigung, dabei waren sich alle Fraktionen einig.

Ortsvorsteherin Eveline Klein vertagte schließlich die Abstimmung, bis alle unklaren Bereiche geklärt sind, die Entscheidung wird in einer der kommenden Sitzungen fallen.

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