„Tunnel bauen ist einfach etwas Schönes“, schwärmt Martin Wagner. Zwei Röhren hat er als Bauoberleiter des Ingenieurbüros Müller und Hereth durch den Herrschaftsbuck treiben lassen. Man merkt ihm seine Begeisterung beim Spaziergang durch beide Röhren an. Dabei sind Tunnel sein tägliches Brot. Rund 100 hat er in den 25 Jahren als Tunnelbauingenieur gebaut. Auch der nahe Nollingerberg-Tunnel steht auf seiner Schaffensliste. Gerne würde er auch einen Tunnel im nächsten Abschnitt der A 98 bauen – zwischen Minseln und Karsau.

Dieter Hattermann (von links), Bauoberleiter Manfred Wagner und Melanie Wodtke vom Regierungspräsidium vor den Tunneleingängen.
Dieter Hattermann (von links), Bauoberleiter Manfred Wagner und Melanie Wodtke vom Regierungspräsidium vor den Tunneleingängen. | Bild: Ralf H. Dorweiler

Unterirdische Bauwerk ist 480 Meter lang

Etwa 480 Meter lang ist das unterirdische Bauwerk, an dem seit Frühjahr 2017 vorbereitende Bauarbeiten liefen, bevor im Sommer des gleichen Jahres der Vortrieb begann. Im Februar 2018 war der bergmännische Teil der Arbeit mit dem Durchstich beendet. Seither wurden beide Röhren mit Stahlbeton ausgekleidet, Leerrohre verlegt, der Boden aufgeschüttet. Es gibt zwei Röhren. Die nördliche für den Verkehr Richtung Westen wird Platz für zwei Spuren haben, die südliche Röhre für die Fahrzeuge Richtung Waldshut soll drei Spuren Raum bieten, weil in Deutschland die Einfädelspur von der A 861 aus nicht im Tunnel enden darf.

Die ersten Meter der Südröhre.
Die ersten Meter der Südröhre. | Bild: Ralf H. Dorweiler

Restarbeiten und Betriebsausrüstung fehlen noch

Nach aktuellen Zahlen sind für den Rohbau 49 Millionen Euro investiert worden. Jetzt stehen Restarbeiten und die Betriebsausrüstung mit Beleuchtung, Löschwasser und Überwachung an, was nochmals rund 6,5 Millionen kosten wird. Der gesamte Abschnitt 4 der A 98 ist insgesamt auf 118 Millionen Euro kalkuliert, der Tunnel kostet also etwa die Hälfte davon. In der Nordröhre wird gerade die Frostschutzschicht auf den Boden gebracht. Es ist Ferienzeit, so dass weniger Mitarbeiter als sonst da sind. An normalen Tagen arbeiten bis zu 30 Leute. Die meisten der erhöhten Fußgängerwege für Notfälle auf beiden Seiten der Fahrspuren sind bereits asphaltiert.

Lichtspiele in der Nordröhre des Herrschaftsbucktunnels.
Lichtspiele in der Nordröhre des Herrschaftsbucktunnels. | Bild: Ralf H. Dorweiler

Viel Technik und der Anschluss an die Leitzentrale

Für die Fahrspuren selbst steht das noch an. Wenn diese Restarbeiten des Rohbaus in beiden Röhren gegen Jahresende fertig sind, so Wagner, steht nur noch die Betriebsausrüstung auf dem Programm. Dazu gehört die ganze Technik im Tunnel zur Überwachung, Beleuchtung, Sicherung, Löschwasserleitungen und der Anschluss an die Leitzentrale.

Die dreispurige Südröhre wirkt noch gewaltiger

Neben Wagner sind Melanie Wodtke, Projektleiterin beim Regierungspräsidium, und Dieter Hattermann von der Bauüberwachung beim Rundgang dabei. Hattermann schwärmt vom „schönsten Blick der Baustelle“, als die Gruppe am Ende der nördlichen Röhre ankommt. Nach einem Blick auf das Betriebsgebäude außerhalb des Tunnels, in dem die ganze Technik zusammenläuft, geht es durch die Südröhre zurück. Die wirkt durch die zusätzliche Fahrspur noch gewaltiger. Einen viel größeren Tunnel zu bauen, wäre auch gar nicht machbar, sagt Wagner. Die Querfläche des Tunnels hat immerhin rund 165 Quadratmeter, größer als die meisten Wohnungen. In der Südröhre ist es ruhiger. Wagner erzählt, dass das Gesamtbauwerk auf 100 Betriebsjahre ausgelegt ist. Natürlich würde es auch vorher schon in festgelegten Intervallen regelmäßig überprüft.

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Sicherheit geht beim Bau eines Tunnel vor

Sicherheit ist zentral bei der Planung eines Tunnels. Dazu gehört auch, den Tunnel so auszurichten, dass ängstliche Menschen sich bei der Durchfahrt wohl fühlen. Ein wichtiger Aspekt dafür sind helle Wände. Der ohnehin helle Beton wird bis 3,50 Meter Höhe mit einem noch helleren Farbanstrich versehen. Das wirkt beruhigend. Zudem hat sich ergeben, dass damit weniger Kunstlicht gebraucht wird – was Energie spart.

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„Natürlich hätte man eine Rampe bauen und die Autobahn über den Hügel führen können“, sagt Wagner. Aber so bleibt ein Korridor für Tiere. „Wir sind sehr viele Menschen auf engem Raum in Deutschland.“ Einen bergmännischen Tunnel zwischen Minseln und Karsau sieht er als gute Lösung. „Wir müssen auch in unserem eigenen Land investieren“, meint er. „Aber gut, ich lebe ja auch vom Tunnelbau.“

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