In einer Zeit vor dem Internet bot der Amateurfunk die Möglichkeit, weltweit in Kontakt mit anderen Menschen zu treten. Diese abenteuerliche, fast archaische Art der Kommunikation hat für viele ihre Faszination nicht verloren.

Im Wohnzimmer hat Giuseppe Ciancia (Rufame: DL7TG) seine Funkgeräte aufgebaut. „Das Problem in Wohnblocks ist: Wo kommt die Antenne hin?“, sagt er. „Auf dem Land oder einer größeren Fläche wie dem eigenen Grundstück, kann man eine schöne Drahtantenne spannen. Hier hab ich nur eine Mobilantenne auf dem Balkon.“ Ciancia ist der Vorsitzende des Ortsverbands Dreiländereck A09 im Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC). Als Faustregel für Antennen hält er fest: „Je höher, desto besser und je länger, desto besser.“

Der 53-Jährige wohnt in Herten, er arbeitet als Gas- und Wasserinstallateur in einem Schweizer Betrieb. „Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, habe ich einen 10-Meter-Mast, den ich mit einer Vorrichtung unter dem Autoreifen befestigen kann“, sagt er. An dem Mast kann er gleichzeitig drei Antennen mit verschiedenen Bandbreiten festmachten. Daheim muss er die Spule wechseln. „Das ist die Definition von Amateurfunk: Selber ausprobieren, was läuft und was nicht läuft.“ Ciancia spricht den allgemeinen Funker-Gruß „CQ“ in das Mikrofon, Sekunden später kommt eine Antwort aus Weil am Rhein. Es knackt und rattert ein wenig aus dem Lautsprecher, aber alles ist deutlich zu verstehen. Ciancia notiert sich Name und Rufzeichen des Funkers. Aus Waldshut-Tiengen meldet sich ein weiterer Funker. Ciancia erläutert, dass die Verbindung nur über die Relaisstation auf dem Hornberg möglich sei. Ein Relais ist ein Schalter, der mit Hilfe eines Elektromagneten betätigt wird. „Die Reichweite wird durch Relais, meist auf Bergspitzen, erhöht, wie bei Radiosendern.“

Beim Amateurfunk geht es schnell in die technischen Details. Da geht es um Kurzwelle und UKW, Bandbreiten und Wellenlängen, Megahertz und die Bedeutung der Ionosphäre für den Funkverkehr. Weltweit gibt es laut DARC-Flyer 2,5 Millionen Funkamateure, davon 67 000 in Deutschland. Aber es fehlt der Nachwuchs und das Durchschnittsalter im Verein ist hoch. „Es ist schwierig, mit Handys und Internet junge Menschen für den Amateurfunk zu begeistern“, meint Ciancia. „Vor allem junge Funker braucht es.“

Der Ortsverband Dreiländereck A09 ist einer von mehr als 1000 Ortsverbänden des DARC. Der Ortsverband umfasst den südlichen Teil des Landkreises Lörrach von Schliengen über Rheinfelden bis Zell im Wiesental. Der Ortsverband hat aktuell 77 Mitglieder. Rheinfelden ist im Vorstand stark vertreten. Neben Ciancia kommen auch der stellvertretende Vorsitzende Matthias Moeller (DL4RMM) und der Notfunkbeauftragte Lutz Rosenthaler (DL2VEL) aus Rheinfelden. „Mein neuestes Spielzeug ist das Digitale“, so Ciancia. Funken muss man nicht unbedingt analog, sondern kann mit dem heimischen Laptop Kontakt mit anderen Funkern aufnehmen. Es knackt und kracht ebenso wie beim analogen Funken. „Viele sagen, dass ist kein Amateurfunk, weil das Internet dazwischen geschaltet ist, aber für mich ist das Amateurfunk. Man soll sich nicht vor Neuem sperren“, sagt Ciancia. Er hat das Hobby für sich recht spät entdeckt. Angefangen hatte alles auf einer privaten Baustelle, wo er und andere Helfer sich Walkie-Talkies zur kostengünstigen Kommunikation anschafften, da es damals noch keine Flatrates für Handys gab.

„Da hab ich mich in die Materie eingelesen und angefangen, mich dafür zu interessieren“, so Ciancia. Erst 2010 ist er in Kontakt mit dem Ortsverband gekommen, dem er seit dem 3. Februar vorsitzt. Um Amateurfunker zu werden, muss man eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur machten, außer für den allgemein freigegebenen CB-Funk. Nach bestandener Prüfung bekommt man sein Rufzeichen. Der Einstieg in das Hobby ist nicht ganz günstig. Handgeräte gibt es schon für 100 Euro, schätzt Ciancia. „Die haben aber eine andere Wellenlänge. Wenn man auf Kurzwelle sein will, kann man nach gebrauchten Geräten schauen, aber 500 bis 600 Euro muss man investieren.“ Und eben die Prüfung machen, wobei über den Ausbildungsfunk auch schon vorher die weite Welt offen steht.

Kontakt: Giuseppe Ciancia per E-Mail an dl7tg@darc.de oder im Internet unter der Adresse www.darc.de/home