Herr Schumacher, wie viele Mitglieder hat die Stadtmusik Rheinfelden aktuell?

Wir sind derzeit 20 aktive Musiker. Innerhalb kürzester Zeit haben uns leider fünf Aktive verlassen, einige aus familiären Gründen, andere, weil sie weggezogen sind, oder ein Studium begonnen haben. Als ich vor rund 25 Jahren in der Stadtmusik begonnen habe, waren wir etwa 50 Mitglieder, in den vergangenen Jahren waren es im Schnitt 25 bis 30. 20 ist ein absolut neuer Tiefstand.

Ist das Orchester mit dieser Zahl an Musikern überhaupt noch spielfähig?

Ja, das sind wir, da wir zum Glück auch vier bis sechs Aushilfsmusiker haben, die regelmäßig bei Auftritten einspringen, darunter auch ehemalige Aktivmusiker. Ansonsten ist es mit 20 Musikern schon grenzwertig. In der Urlaubszeit müssen wir da schon einmal einen Auftritt absagen.

Warum haben die Musikvereine solche Probleme, Mitglieder zu finden und zu halten? Ist das ein Imageproblem?

Ein Imageproblem haben wir bei der Stadtmusik Rheinfelden gar nicht. Unser Dirigent David Weber ist jung und dynamisch und legt großen Wert darauf, moderne und klassische Stücke zu mischen. Am Musikalischen kann es meiner Meinung nach nicht liegen, auch nicht an der Kameradschaft, wir sind ein super Team.

Michael Schumacher, Vorsitzender Stadtmusik Rheinfelden.
Michael Schumacher, Vorsitzender Stadtmusik Rheinfelden. | Bild: Elena Borchers

Woran liegt es dann?

Ich denke, dass die Menschen, gerade die jungen, heutzutage einfach viel mehr Möglichkeiten haben, ihre Freizeit zu gestalten, und diese auch nutzen möchten, und eben nicht jeden Donnerstag zur Probe kommen wollen. Ich denke auch, dass es die Vereine in den Dörfern noch einfacher haben, da die Strukturen dort ganz anders sind, und oft drei Generationen an Musikern im Verein sind, vom Opa bis zum Enkel.

Was tun Sie jetzt, um neue Mitglieder zu bekommen?

Zum einen planen wir eine Zusammenarbeit mit der Musikschule und den Bläserklassen der Schulen. Ende Januar treffen ich und unsere Jugendleiterin Claudia Himmelsbach uns mit Musikschulleiter Bernward Braun, um Ideen zu sammeln und zu planen, wie diese Kooperation genau aussehen könnte. In der Musikschule und den Bläserklassen sind viele junge Musiker, von denen sicherlich einige gerne im Verein spielen würden. Außerdem möchten wir über Facebook und auf unserer Homepage Aufrufe starten sowie alle passiven und ehemaligen Mitglieder per Brief anschreiben. Vielleicht hat der ein oder andere Interesse, selbst wieder zu spielen oder kennt jemanden, der das möchte. Wir freuen uns auch über diejenigen Musiker, die nur projektbezogen für einen bestimmten Auftritt zu uns kommen, aber nicht voll in den Verein einsteigen wollen.

Bildet die Stadtmusik auch selbst aus?

Früher haben wir mehr ausgebildet, dabei haben wir Kindern und Jugendlichen, die Interesse an einem Instrument hatten, die Grundlagen gezeigt. Zur weiteren Ausbildung sind sie dann zur Musikschule gegangen. Derzeit besteht kein Bedarf an einer Ausbildung durch unsere Musiker.

Oberbürgermeister Klaus Eberhardt ist Präsident der Stadtmusik. Bekommen sie denn Unterstützung von der Stadt?

Die Stadt hat zwar zugesagt, uns in Sachen Mitgliedersuche zu unterstützen, bisher ist aber nichts passiert. Aber die Frage ist natürlich, wie sie das machen soll. In Sachen Vereinsheim wären wir allerdings sehr froh um Hilfe. Seit Jahren wird uns ein eigenes Vereinsheim versprochen, das dann auch andere Vereine nutzen könnten, aber es tut sich nichts. Wir sind sehr dankbar, dass uns Peter Brugger, Rektor der Schillerschule, seit Jahren den Musiksaal der Schule für unsere Proben zu Verfügung stellt. Wir wüssten wirklich nicht, wo wir sonst proben sollten.

Fragen: Elena Borchers