Das mit 21 jungen Spielern besetzte Jugendorchester stimmte die Zuhörer mit anspruchsvollen und flotten Titeln ein. Höchst erfreulich war die Bereicherung mit einigen ehemaligen Mitgliedern der Gruppe, die zwar heute keine Jugendlichen mehr sind, aber auf jeden Fall immer noch den Schwung aus früherer Zeit mitbrachten. Dieser Auftritt endete mit einem Abschied. Georg Schanz beendete seine Tätigkeit als Leiter des Jugendorchesters.

Klang durch alle Register

Das schönste Kompliment erhielt er von den Jugendlichen selbst, bei ihm habe musizieren stets Spaß bereitet. Das Aktivorchester riss gleich zu Beginn mit dem „Florentiner Marsch“ das gesamte Publikum mit und bekräftigte die frohe Feststimmung.

Alle Register spielten sich dabei abwechselnd in den Vordergrund, am deutlichsten hörbar war dies sicherlich bei der Piccolo-Flöte, nur einmal im Orchester vorhanden, aber lautstark genug, um zu dominieren. Vielfältig interpretiert wurden auch die Tancred-Ouvertüre von Rossini und die nordische Göttererzählung „Fate of the Gods“.

Alle Register waren bei dieser Geschichte über den Kampf zwischen Gut und Böse gefordert, von wuchtig bis zu gefühlvollem Aufleben war alles enthalten. Auch hier fielen einzelne Instrumente auf, zum Beispiel die Oboe. Die Besonderheit eines Blasorchesters trat vor allem beim gut bekannten „Schatzwalzer“ von Johann Strauß auf. Dieses, oft auch beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker gespielte Werk, einmal ohne Streicher zu hören, bot schon ein Erlebnis. Wärmer als bei der großen Philharmonie klang es hier, fast nuancenreicher.

Alle Hertener Chöre und der Musikverein gestalteten gemeinsam die „Ode an die Freude“.
Alle Hertener Chöre und der Musikverein gestalteten gemeinsam die „Ode an die Freude“. | Bild: Rolf Reißmann

Festreden

Ortsvorsteherin Sabine Hartmann-Müller lobte die Leistungen aller Mitglieder, die sich ehrenamtlich erbringen „Musik ist ein fester Teil unserer Identität, sie vermittelt Können und Werte“, sagte sie. „Musik- und andere Vereine halten unsere Orte belebt, gestalten Heimat.“ Dabei verwies die Landtagsabgeordnete auch darauf, dass das Land bis zum Jahr 2022 neunzig Millionen Euro zur Förderung und Anerkennung ehrenamtlicher Tätigkeit einsetzen wird.

Oberbürgermeister Klaus Eberhardt sprach vom heiteren Moment, das die Musikvereine in allen Ortsteilen aufbringen. Er erinnerte an die schweren Zeiten des Musikvereins Herten während der beiden Weltkriege, 1918 waren fünf Musiker gefallen, 1945 waren es vier aktive und zwei passive Mitglieder, die nicht mehr aus dem Krieg zurückkehrten. Der Verein wecke mit seinen Leistungen für das Gemeinwesen immer wieder Begeisterung.

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Peter Häßler, Präsident des alemannischen Musikverbandes, lobte den Hertener als einen der größten unter den 65 Vereinen des Verbandes. Bei voller Besetzung spielen nahezu 50 Musiker mit. Der Vorstand nutzte diesen Abend auch, um 29 Mitgliedern, die seit mehr als 50 Jahren dem Verein angehören, ein Geschenk zu überreichen. Zu ihrer Würdigung spielte das Orchester „Alte Kameraden“, geleitet vom Ehrendirigenten Rudolf Wolpensinger. Der 85-Jährige dirigierte 27 Jahre lang bis 1994 das Orchester.

Anspruchsvolle Titel

Mit weiteren fünf sehr anspruchsvollen Titeln gestaltete das Orchester einen zweiten musikalischen Teil, sicher geführt von Dirigentin Céline Pellmont. Die Elsässerin arbeitet sei sieben Jahren als musikalische Leiterin in Herten, das harmonische Verhältnis zwischen Musikern und Dirigentin war unübersehbar. Musikalischer Höhepunkt bildeten die Schlusstitel, für die alle Hertener Chöre auf die Bühne kamen.

Der evangelische und der katholische Kirchenchor sowie der Gesangverein gestalteten mit dem Orchester zunächst „Gabriellas Song“, anschließend die „Ode an die Freude“. Sicher und sehr eindrucksvoll interpretierten sie beide Kompoisitionen, ein Hörgenuss, den die Zuhörer mit langem Beifall belohnten. Und es wäre nicht Herten, wenn nicht auch noch die eigene „Hymne“ gesungen und gespielt würde. Das von der Gruppe Bigamie verfasste Herten-Lied rundete den würdigen Festabend ab.