Das Übernachtungsgeschäft wird schwieriger, stellt Alexandra Mußler vom Hotel Storchen in Riedmatt aus eigener Erfahrung fest. Sie mag, wie einige ihrer Kollegen, die Gäste beherbergen, deshalb auch nicht den Zahlen des Statistischen Landesamts glauben, wonach 2018 ein Plus verbuche (wir berichteten). Mehr Konkurrenz, neue Häuser und weniger Messegäste aus Basel stehen dem Aufschwung ihrer Meinung nach entgegen. Von der Stadt wünscht sich die Dehoga-Kreisvorsitzende, dass sie deshalb keine weiteren Hotelobjekte mehr genehmigt.

Stadt kann Wettbewerb nicht beeinflussen

Das geht allerdings nicht so einfach. „Ein Hotel ist in vielen Baugebieten zulässig“, betont Oberbürgermeister Klaus Eberhardt auf Anfrage. Nachfragen erhält er immer wieder. Aber bevor ein Investor sich entscheide, stehe die Marktanalyse. Eberhardt weiß auch, dass der Markt in Rheinfelden kein leichtes Pflaster ist, deswegen werden auch einige Projektideen nicht weitergeführt, denn die Auslastungsquote spielt eine Rolle. Aber Wettbewerb lasse sich nicht städtebaulich regeln. Das Bauplanungsrecht gebe dazu „wenig Handhabe“. Insgesamt sieht der OB die Lage nicht so pessimistisch. Den Betrieben empfiehlt er, sich auf ihre Alleinstellungsmerkmale zu konzentrieren.

165 Personen übernachten täglich im Schnitt

60 000 Übernachtungen von Januar bis November zu erreichen, das Gesamtergebnis 2018 des Statistischen Landesamts steht noch aus, erscheint gemessen an der Zahl der vorhandenen Betten auch keine astronomische Größe bei näherer Betrachtung. Im Gastgeberverzeichnis sind 14 Betriebe mit mehr als neun Betten gelistet. Das größte ist das Hotel Danner mit 127. Zusammen kommen die gewerblichen Häuser auf 564 Betten. Auf 365 Tage gerechnet, nächtigen im Schnitt täglich etwa 165 Personen auf Rheinfelder Gemarkung. Das sind Monteure und Handwerker, die für Firmen unterwegs sind, Geschäftsreisende aller Art, klassische Urlauber, Radtouristen und Wochenendausflügler und immer häufiger auch Busgesellschaften.

WST hegt keine Zweifel an den Zahlen

Die Leiterin der Tourist-Info, Corinna Steinkopf, macht deshalb auch deutlich, dass bei der WST keinerlei Zweifel an der Echtheit der Zahlen bestehen, die das Statistische Landesamt herausgibt. Die Zahlen erhält die Tourist-Info monatlich gesammelt. Sie rechnen sich aus „den von den Hotels gemeldeten Übernachtungszahlen“.

Verweis auf das Gastgeberverzeichnis

Nachdem 2016/17 einige Hotels wegen Renovierungen weniger Übernachtungen hatten, ist 2018 „wieder ein Plus zu verzeichnen“, hält Steinkopf zur Entwicklung fest. Dabei sind die Zahlen der privaten Unterkünfte, von denen es ebenfalls rund 40 in Ferienwohnungen gibt, noch gar nicht darin gespiegelt. Für die Tourist-Info erklärt sie auch, dass keins der örtlichen Hotels bevorzugt und auch nicht zu Messen mitgenommen werde. Bei Anfragen werde immer auf das allgemeine Gastgeberverzeichnis verwiesen, in dem alle Hotels aufgeführt sind, sofern sie das wünschen.

Signal für Rheinfelder Übernachtungsmarkt

Steinkopf kündigt den Hoteliers aber an, dass es einen Gesamtüberblick für 2018 geben soll, wenn die Statistik abgeschlossen ist. Dennoch erklärt Alexandra Mußler für ihr Haus und die von Kollegen vor Ort, dass die 60 000 Übernachtungen sie als Zahl „geschockt“ habe. Damit werde nach außen das Signal gegeben, dass auf dem Rheinfelder Übernachtungsmarkt noch einiges zu holen sei, meint sie.

An manchen Tagen nur drei Zimmer belegt

„Das sehen wir aber kritisch“ und verweist darauf, dass von ihren 25 Zimmern manchmal nur drei am Tag belegt seien. Außerdem drücken „die Buchungsportale den Preis“. Ob Trip-Advisor oder Booking, mache da keinen Unterschied. Wer dort nicht gut vertreten sei, lande im Internet bei der Suche nach den besten Unterkünften auf einem abgeschlagenen Platz. Je mehr Gäste ein Haus bewerten, umso weiter komme es nach diesem Prinzip nach vorne.

Drang nach günstigen Zimmern nimmt zu

Der Drang nach günstigen Zimmern nehme zu, es gebe aber nicht mehr so viele Gäste, die bereit sind, fürs Wohlfühlen mehr zu zahlen. Bei steigenden Kosten auch fürs Personal falle es immer schwerer, einen „guten Gewinn zu erwirtschaften“, erklärt Mußler, die auf die Stadt als Partner setzt, der die Interessen der Hoteliers unterstützt.

Neue Hotelprojekte stehen in den Sternen

Ob ein Hotel auf Karsauer Gemarkung an der Stelle der Holzhandlung Traub gebaut wird, ist noch nicht erwiesen. Nach Auskunft des Stadtbauamts hat der Investor für das Grundstück seit Ende 2017 eine Baufreigabe für einen dreiteiligen Gebäudekomplex. Die Bettenzahl ist wegen des Störfallradius' der Industrie auf maximal 100 begrenzt. Einen Bauantrag dazu gibt es bisher aber nicht. Ob einer für das Neubauprojekt in der Güterstraße zu erwarten ist, wird sich zeigen. Hier erwartet der OB am ehesten, eine Initiative für einen Hotelbetrieb. Im März werden für den Komplex neue Pläne erwartet.