Die Temperaturgrafik für den Forstbezirk in den vergangenen zehn Jahren lässt nur Rot erkennen. Außerdem hat es zuwenig geregnet. Das hat dramatische Folgen und führt beim Stadtwald, der eine Erholungs- und Wirtschaftsfunktion hat, auch im Gemeinderat zu Alarmstimmung. Materiell zu gewinnen gibt es längst nichts mehr für die Kommune, nachdem die Schadensbilanz steigt. Unter dem Strich wird im nächsten Jahr deshalb ein Minus von 199.000 Euro erwartet. Der Gemeinderat akzeptiert den Betriebsplan aber, weil er die Rahmenbedingungen nicht ändern kann und setzt einiges daran, damit der Wald ein wertvolles Gut bleibt. Deshalb wird auf einer Fläche von sieben Hektar gepflanzt, es geht um bis zu 18.000 Bäumchen.

  • Großer Waldtag 2020: Um zu sehen, wo und woran der Stadtwald krankt, wird es 2020 wieder einen großen Waldtag für die Kommunalpolitiker im Frühjahr geben, wenn die Laubbäume austreiben und die Schäden deutlich sichtbar sind. OB Klaus Eberhardt erscheint es wichtig, den „Sachverhalt vor Ort zu erläutern“.
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  • Schwierige Entwicklung: Bernhard Schirmer als Leiter des Forstbezirks zeichnete im Gemeinderat ein Bild von den Problemlagen, die die Schadholzmengen durch Borkenkäferbefall dramatisch erhöhen und -weil es ein deutliches Überangebot am Markt gibt – das Betriebsergebnis verschlechtern. Die von Insekten verursachten Schäden sind enorm. 3700 Festmeter befallenes Holz werden fürs laufende Jahr im Stadtwald gerechnet, zusammen mit Sturmholz und weiteren Holzschäden summiert sich das auf 6000 Festmeter. Das bedeutet Verluste und Folgekosten für den Waldumbau.
  • Klimastabiler Umbau: Esche und Fichte erweisen sich laut Schirmer ebenso problematisch wie Buchen. Er sprach sich bei allen weiteren Pflanzmaßnahmen für klimastabile Arten aus. Das sind Tannen, Douglasien, Eichen, aber auch Arten, die bisher nicht hier vorgekommen sind. Damit der Wald, der durch die noch nicht beherrschbaren äußeren Umstände verloren geht, sich regenerieren kann, forderte er auch die Jäger in den Revieren auf, darauf zu achten, dass der Wildbestand unter Kontrolle bleibt. Insgesamt sieht Schirmer in den den notwendigen Bemühungen eine Generationenaufgabe.
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  • Kosten steigen: In jedem Fall wird es teuerer, den geschädigten Wald zu bewirtschaften. Deshalb wird erwartet, dass das Land Notfallhilfe leistet. Trotz der insgesamt schlechten Nachrichten erklärte Schirmer, dass die Stadt stolz sein könne auf ihren Wald. Er sichere nachhaltig einen Teil der Lebensqualität. Der von Schirmer als „nach bestem Wissen und Gewissen“ bezeichnete Betriebsplan ließt die Fraktionen nicht unbeeindruckt.
  • Reaktionen: Paul Renz (CDU) stellte fest, dass die „Bilanz besorgniserregend“ ausfalle und die Schäden eine neue Dimension angenommen haben. Er sprach sich dafür aus, „auf Sicht zu fahren“ beim Einschlag. Von der „Katastrophe vor der Haustür“, sprach Heiner Lohmann (die Grünen), weil die Ursachen global sind. Uwe Wenk (SPD) forderte angesichts des Notstands des Waldes eine Infoveranstaltung und regte an, die Mittel für den Unterhalt der Waldwege von 30.000 auf 50.000 Euro zu erhöhen im Interesse der Erholungsfunktion.