Zum Schluss standen die Zuhörer auf, klatschten ausgelassen mit und wiegten sich im Reggae- und Sambarhythmus. Beste Stimmung herrschte beim Auftritt der Basler A-cappella-Formation The Glue in der ausverkauften Halle des St. Josefshauses Herten. Die Schweizer Vokalakrobaten eroberten die 500 Besucher im Sturm mit tollen Stimmen, vielsprachigen Songs, fantastischen Beatbox-Effekten und einer witzigen Bühnenshow. „Alle sind total begeistert“, freute sich Ortsvorsteherin Sabine Hartmann-Müller über den überwältigenden Erfolg dieses Konzerts, das der Verein Dorfkultur Herten in Kooperation mit dem St. Josefshaus und mit Unterstützung des städtischen Kulturamts veranstaltet hat.

Bevor die Stars des Abends loslegten, wurden die Gesangsfreunde von den „Liederlichen Feel-Harmonikern“ um Leiter und Moderator Günther Hässler bestens eingestimmt. Als Vorgruppe zeigten Hässler, seine Tenorkollegen Karl Mehlin, Helmuth Rieger und Ralf Kiefer und die Bässe Cornelius Minne, Norbert Fisel, Kurt Matschulat und Simon Mehlin, was für ein breites Repertoire sie drauf haben. Von dem textlosen, lautmalerischen „In der Halle des Bergkönigs“ von Edvard Grieg über die stimmstark gemeisterte Rockhymne Bohemian Rhapsody in einem raffinierten Arrangement bis zum beschwingt-humorvollen Operettenschlager „Ja, das Studium der Weiber ist schwer“ zeigen sich die gefeierten Lokalmatadoren stimmlich in Topform.

Große Stimmen mit Eigenkreationen

Auch in dem Evergreen „Veronika, der Lenz ist da“ der Comedian Harmonists präsentieren sich die Sänger stimmlich bestens aufgestellt mit geschmeidigem Gesang und jener Portion augenzwinkerndem Humor, die so gut ankommt. Ihren gelungenen Kurzauftritt beendeten die Feelharmoniker mit dem Berner Lied „Ewige Liebe“, extra für die Schweizer Gäste.

Wie vielfältig und faszinierend die moderne A-cappella-Musik sein kann, führten dann „The Glue“ vor. In blauen Hosen und blauen Hemden kommen die hippen Sänger auf die Bühne und haben mit einem lockeren Begrüßungsspruch „Solli zämme“ sofort einen Draht zum Publikum. Bis auf wenige Arrangements wie „Ring of Fire“ der Country-Ikone Johnny Cash oder dem kubanischen „Chan Chan“ von Buena Vista Social Club hat die eidgenössische Boygroup fast ausschließlich Eigenkompositionen mitgebracht. Die Tenöre Tumasch Clalüna, Oliver Rudin und Jonas Göttin, Bass Gregor Caprez und der Beatboxer und Geräuschemacher Michael Moor, der alle möglichen Instrumente imitieren kann, switchen munter durch die Stile. Mal klingt es nach Pop-Rock, mal nach Rap und Sprechgesang, mal funkig, mal soulig. Ob im französischen Chansonstil, in einem fernöstlich angehauchten Liebeslied in exotischem Klangflair, in dem jazzig swingenden „Soul Mister“ oder mit dunkel-sonorem Basssolo in „Ring of Fire“: In allen Stücken begeistern die Stimmartisten vom Rheinknie durch vokale Qualitäten. Sind sie doch durch die klassische Stimmenschule der Basler Knabenkantorei gegangen.

Das Publikum ist begeistert

Besonders individuell und originell ist das eigene Stück „Fabelfeen“, das mit Flüstern und Raunen geheimnisvoll und mystisch klingt. Zeitkritische und aktuelle Brisanz hat das Lied „Sandburgenbauen“, in dem es eindringlich heißt: „Wir bauen Burgen, bauen Türme, Wachtürme, Kontrolltürme, bauen Zäune, Grenzzäune, Stacheldrahtzäune ...“. Ein Text, der durch den suggestiven Rhythmus noch eindrücklicher rüberkommt. Was man mit der Stimme alles anstellen kann, demonstrieren die sympathischen „Mund-Werker“ auch nach der Pause in Titeln wie „Come what May“, „Steinleiden“ oder „Elixier d’Amour“, die so ausgefeilt und gut gemacht im Stimmlichen und Choreografischen sind, dass die Kommentare der Zuhörer einhellig sind: „Klasse!“ und „Super!“.

Beifallsstürme erntet Michael Moor mit einem furiosen Beatbox-Solo. Und wie seine Kollegen Rudin und Göttin in dem Kuba-Song mit vokalen Mitteln die helle Trompete und die Gitarre nachmachen, wird ebenfalls frenetisch bejubelt. In Reggae- und Salsa-Gefilde führen die beiden Zugaben, die das Publikum von den Sitzen reißen. The Glue haben mit ihrer A-cappella-Musik made in Switzerland in Herten viele Fans gewonnen, die auch gerne eine CD der Band mitnahmen.

In ihrer Begrüßung hatte Ortsvorsteherin Sabine Hartmann-Müller den Verein Dorfkultur Herten vorgestellt und dessen scheidendem langjährigem ersten Vorsitzenden Markus Hiltensberger mit einem Präsent für sein großes Engagement gedankt. Die IG Weinbau Herten und die Küche des St. Josefshauses sorgten im Foyer für genussvolles Essen und Trinken bei diesem dreistündigen A-cappella-Erlebnis der Extraklasse.