Hart getroffen von der Corona-Krise sind auch die Kulturschaffenden, darunter freischaffende Musiker, die durch Absagen von Auftritten und Konzerten keine Einnahmen mehr haben. Wir haben mit Musikern in der Region gesprochen, wie sie diese schwierige Ausnahmesituation erleben und durchstehen.

„Alles ist mir abgesagt worden bis April“, sagt die Sängerin und Akkordeonistin Christine Schmid aus Rheinfelden. Darunter fallen Engagements bei Events wie einer Bankenversammlung im St. Jakob-Stadion in Basel und kleinere Auftritte wie im Weiler Theater am Mühlenrain. „Am Anfang dachte ich, dass es nur ein paar Konzerte sind, die abgesagt werden, aber das ging immer weiter. Ich glaube, die Musiker, die öffentlich arbeiten, sind jetzt alle arbeitslos.“ Alles stehe auf tönernen Füßen.

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Im April sollte sie als Solistin mit dem Kurorchester „Da Capo“ in Badenweiler auftreten, auch stünde Ende April ein Konzert in Schloss Bürgeln an. „Aber ich glaube, das wird alles abgesagt.“ Messen oder ein großer Kunden-Event seien auf mindestens ein Jahr im Voraus gebucht, das lasse sich nicht einfach verschieben. „Es steht so viel in den Verträgen. In jedem Vertrag gibt es eine Vertragsstrafe, wenn man als Künstler nicht kommt oder zu spät kommt. Aber höhere Gewalt ist höhere Gewalt. Alle Einnahmen fallen weg. Du kriegst von niemandem etwas, die haben ja auch keine Einnahmen“, so Schmid.

Es seien ja nicht nur die Künstler betroffen, sondern ganz viele, alle, die freischaffend sind, in Restaurants, Kinos. Auffangen ließen sich die Verluste kaum. „Wenn alles so unsicher ist, kauft ja auch niemand eine CD“, so Schmid.

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Die Musik- und Unterhaltungsbranche sei das Erste, was schwächele, wenn so etwas wie jetzt passiere. Ihr letzter Auftritt war beim Seniorennachmittag in Grenzach-Wyhlen. „Die Senioren hatten so eine Freude und waren dankbar, dass da noch mal musiziert wurde. Ich hatte selten so einen emotionalen Auftritt“, beschreibt Schmid. „Es herrschte eine ganz eigenartige Stimmung. Es war wie das Bordorchester auf der Titanic, das zum letzten Mal spielt.“ Die Zwangspause ohne Auftritte überbrückt Christine Schmid, so gut es geht, beschäftigt sich mit Büroarbeit. Per Skype unterrichtet sie im Stimmen-Coaching sowie private Akkordeonschüler.

Auch für die in Grenzach-Wyhlen lebende Sopranistin Monika Mauch sind Ende März, im April und Mai geplante Konzerte abgesagt worden. „Es wurde uns zugesagt, dass sie im nächsten Jahr stattfinden sollen“, sagt die Sängerin. „Das Problem ist, dass es für uns trotzdem ein Verlust ist.“

Die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten und die Deutsche Orchestervereinigung hätten Beträge für die Soforthilfe bereitgestellt. „Aber zum Überleben hilft das nicht wirklich“, sagt Mauch. „Wir haben als Musiker immer Durststrecken“, aber Ausfälle über einen so langen und unabsehbaren Zeitraum seien existenzbedrohend. Mit der Situation könnten Musiker vorbereiteter umgehen, „weil wir immer mit einem Ausfall von Konzerten rechnen müssen“, meint Mauch. „Wenn ich eine Erkältung habe und nicht auftreten kann, verliere ich das Einkommen. Meistens bekomme ich dann noch nicht einmal die Reisekosten ersetzt.“

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Auch, was die nächsten Konzerte betreffe, herrsche Ungewissheit. Das Einzige, was noch gehe, sei Unterricht per Video. Mauch hat in Straßburg am Konservatorium einen kleinen Lehrauftrag und bekomme von dort für März noch das Honorar bezahlt. Sie hat nun damit begonnen, ihren Gesangsschülern Videounterricht in Barockgesang zu geben. Normalerweise sitze sie am Cembalo oder an der Orgel und begleite den Schüler, während dieser singt, singe selbst vor und korrigiere ihn. „Das ist per Video wahnsinnig schwer. Aber wir werden versuchen, möglichst theoretische Sachen zu machen“, sagt Mauch.

„Es ist heftig“, sagt Hugh Sandilands über die Situation der freischaffenden Musiker und Künstler in der Corona-Krise. Der Lautenist und Gitarrist unterrichtet als Honorarkraft an der Außenstelle Grenzach-Wyhlen der Musikschule Rheinfelden. Doch auch hier fällt der Unterricht aus.

Noch „Glück im Unglück“, wie er es nennt, hat Georg Dettweiler, Cellist und Mitglied des Kammerorchesters Basel. Er gehört zu den „unselbstständig Erwerbstätigen“ im Orchester, denen von Stadt, Bund und privaten Mäzenen 80 Prozent ihres Einkommens bis Ende April zugesichert worden sei.

Es gebe aber auch viele freischaffende Musiker, die als Aushilfen im Orchester tätig sind und nicht sozial abgefedert werden. „Für diese Musiker ist es sehr hart.“ Es sei ein Hilfsfonds in Aussicht gestellt worden. Sein letztes Konzert mit dem Kammerorchester hatte Dettweiler am 12. Februar in Rom. Storniert wurde eine geplante Konzertreise nach Hongkong Ende Februar, ebenso wie alle nachfolgenden Konzerte bis Ende April.

Was noch gemacht werden konnte, waren CD-Aufnahmen mit dem Starbariton Christian Gerhaher. Ebenfalls noch produziert werden konnte ein „Struwwelpeter“-Hörspiel für Kinder in kleiner Besetzung, an dem Georg Dettweiler beteiligt war.

Ob die Konzerte im Mai und Juni bis zum Saisonende durchgeführt werden können, weiß er nicht. „Alles ist noch sehr ungewiss.“ Er und seine Orchesterkollegen absolvierten nun zu Hause ihr Übungspensum. Jeden Tag übe er ein bis zwei Stunden, erklärt der Cellist, der auch künstlerischer Leiter der Reihe Klassikanderswo in der Doppelgemeinde ist. Die nächste Ausgabe von Klassikanderswo sei erst im Herbst angedacht.