Einige Radfahrer versuchen, sich vor dem Mitarbeiter des Ordnungsdiensts noch rauszureden, sie hätten die blauen Schilder an den Eingängen des Parks noch nie bemerkt. Andere, wie ich selbst, wussten schon immer, dass es nicht erlaubt ist, im Herbert-King-Park Fahrrad zu fahren, und zügeln ihren Zorn ob der 25-Euro-Buße – es war schließlich kalkuliertes Risiko. Seit dem Frühjahr greift der Ordnungsdienst nun durch. Was Radfahrer ärgert, freut manche Spaziergänger.

Hunderte Fahrradfahrer dürften es täglich sein, die auf dem Weg zur oder von der Innenstadt durch den Park fahren – manchmal extra langsam und umsichtig, manchmal schnell und rücksichtslos, aber alle fahren dort illegal. Weil es „sehr viele Beschwerden“ von Fußgängern im Park gegeben habe, erklärt Ordnungsamtsleiter Dominic Rago auf Nachfrage dieser Zeitung, führten seine Mitarbeiter seit diesem Frühjahr „in unregelmäßigen Abständen“ Kontrollen durch. Erst seit der Einführung des Kommunalen Ordnungsdienstes sei das Personal dazu vorhanden.

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Eindeutig willkommen heißt diese Kontrollen die Mitarbeiterin eines der drei umliegenden Altersheime, die mit einer Bewohnerin im Rollstuhl spazieren geht: „Ich schimpfe jeden Tag über die Fahrradfahrer: Sie fahren zu schnell und zu gefährlich.“ Das gelte auch für die Schulkinder. Sie habe ein „ungutes Gefühl“ im Park, sagt die Frau, weil sie die Fahrräder von hinten oft nicht höre. Eine 41-jährige Mutter, die mit ihrer fünfjährigen Tochter durch den Park läuft, ist hingegen neutral: Die Fahrradfahrer störten nicht, sagt sie, aber wenn es eine Ordnungswidrigkeit sei, sei es eben Pech, wenn man erwischt werde.

Wie groß ist aber der Lerneffekt dieser Kontrollen? Ein 70-jähriger Mann sieht keinen Grund, aufs Fahrradfahren im Herbert-King-Park zu verzichten: „Dann zahle ich halt.“ Auch ein 33-jähriger Radfahrer sagt, er habe nichts vom Verbot gewusst, werde sich aber auch in Zukunft nicht daran halten. Er klingle und fahre langsam.

Eine 42-jährige Mutter, die laut eigener Aussage bereits gemahnt wurde, aber noch keinen Strafzettel bekam, ärgert sich, dass das Ordnungsamt bei Vandalismus und Müll nicht so schnell mit Bußgeldern zur Hand sei. Dominic Rago verweist auf die Frage nach dem Lerneffekt lediglich darauf, dass das Ordnungsamt wegen der Beschwerden Kontrollen durchführen müsse. Ein Gewohnheitsrecht – angesichts der Jahrzehnte, die schon durch den Park geradelt wird – verneint Rago ebenfalls. Auch den Vorschlag, den Herbert-King-Park zu Randzeiten für Radfahrer zu öffnen, hält er nicht für praktikabel: „Das würde auch den Fußgängern nicht gerecht werden.“

Route über Hardtstraße

Einem Vater (43) mit seinem Sohn (9) war das Verbot bis zur Ansprache durch diese Zeitung nicht bewusst. Beide versichern, dass sie ab jetzt nicht mehr durch den Park fahren werden. Ein anderer Vater argumentiert, mit seinem Kind im Hänger sei ihm die Hardstraße zu gefährlich: „Die Rücksichtnahme der Autofahrer gegenüber den Velofahrern lässt zu wünschen übrig.“ Auf den Aspekt angesprochen, meint Rago hingegen, mit dem Radstreifen sei in der Hardstraße genug Schutz geboten.

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Eine 30-Jährige findet die Kontrollen „richtig fies“. Der Park sollte für alle da sein, meint sie, und hätte sie Kinder, ergänzt sie, wäre es ihr auch recht, wenn sie durch den Park führen statt der Straße entlang. Für Dominic Rago sind „aber die Kinder eigentlich nicht das Problem, sondern rücksichtslose Erwachsene.“ Der Ordnungsamtsleiter bestätigt, dass Kinder ab zehn Jahren nicht mehr auf dem Trottoir fahren dürfen, also auch nicht mehr im Park.

Auf die Frage, ab welchem Alter das Ordnungsamt minderjährigen Fahrradfahrern Bußen ausstellte, gibt Rago in seiner schriftlichen Rückmeldung aber keine Antwort. Eine 86-jährige Spaziergängerin findet den Betrag von 25 Euro ohne Mahnung jedenfalls „frech“. Sie sei jeden Morgen und Abend im Park, die Velofahrer machten ihr nichts aus: „Die passen auf.“