Im Bereich des Polizeireviers, zu dem neben Rheinfelden auch Grenzach-Wyhlen und Schwörstadt gehört, wurden im vergangenen Jahr 3453 Straftaten erfasst. Das ist im Vergleich zu 2017 ein leichter Rückgang um 1,6 Prozent und damit liegt das Revier im Landestrend. Leiter Siegfried Oßwald konnte so beim Pressegespräch am Mittwoch „erfreuliche Zahlen“ melden – ohne zu verschweigen, dass Statistiken nicht immer realitätsnah und die Dunkelziffern hoch sind.

Diebstahl

Ein Beispiel dafür sind Diebstähle. Angezeigt und bearbeitet wurden 826 Fälle, was einen erfreulichen Rückgang von minus zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. „Das ist der niedrigste Wert seit 15 Jahren“, so der stellvertretende Revierleiter Bernhard Weis, der gemeinsam mit Dieter Wild (Ermittlungsdienst) und Klaus Klotz (Kriminalkommissariat Lörrach) die Statistik vorstellte. Das bedeutet aber nicht, dass die Langfinger einen großen Bogen um Rheinfelden machen. „Wir hatten 114 Ladendiebstähle im gesamten Jahr zu bearbeiten“, so Oßwald. In der Realität dürften so viele pro Woche verübt werden. Aber entweder werden die Diebe nicht erwischt oder die Geschäfte regeln die Vorfälle ohne Polizei.

Einbruch

Mit viel Polizei hingegen hatten es 2018 die Einbrecher zu tun. „Die massiven Kontrollen haben Wirkung gezeigt“, so Wild. 45 Wohnungseinbrüche sind fürs Jahr 2018 zu verzeichnen, davon waren rund die Hälfte Versuche. „Vier Fälle konnten wir aufklären“, so Klotz. Als sehr hilfreich habe sich dabei die Zusammenarbeit in einer Ermittlungsgruppe herausgestellt. Der Rückgang: minus 22,4 Prozent.

Sachbeschädigung

Ein absoluter Ausreißer sind die Sachbeschädigungen: 518 Fälle schlugen auf, was einen Anstieg um 45,5 Prozent bedeutet. Hauptanteil ist eine Serie von Farbschmierereien. „Wir konnten zwei junge Männer ermitteln, die ihre Tags (charakteristischer Schriftzug) in der gesamten Republik und hier aufgesprüht haben“, so Wild. Die Schadenssumme belaufe sich insgesamt auf 400 000 Euro. Ziel anderer Täter war 2018 immer wieder die Hans-Thoma-Schule.

Betrug/Fälschung

Das Bauchgefühl von Weis und seinen Kollegen widerspricht den reinen Zahlen im Bereich Vermögen/Fälschungen. Diese sind mit 500 Fällen rückläufig (minus 10,6 Prozent), „aber ich denke, Betrug ist auf dem Vormarsch“, so Weis. So nehme der Warenkreditbetrug im Internet zu, aber auch andere Täter machen sich das Netz und die digitalen Möglichkeiten zu Nutze, seien es erpresserische Mails oder manipulierte Rufnummern. Letztere schlugen gerade in den vergangenen Wochen auf, als sich Täter für Polizeibeamte ausgaben (wir berichteten). „Innerhalb von eineinhalb Stunden riefen zehn Geschädigte an“, so Wild. Positiv sei, dass keiner auf die Masche reingefallen sei. Die Täter dingfest machen aber, erweist sich als schwierig, da sie aus dem Ausland operieren.

Rauschgift

Rauschgift, so die Einschätzung der Experten, ist nahezu unbegrenzt verfügbar. „Das ist ein ewiger Kampf“, so Oßwald. Einerseits bedinge das die Grenzlage, andererseits gebe es viele Delikte im Umfeld der Gemeinschaftsunterkünfte. Auch Bestellungen im Darknet nehmen zu. Dass die Statistik mit 403 Fällen einen Rückgang um 8,2 Prozent aufweist, ist schlicht der Tatsache geschuldet, „dass Rauschgift ein Hol-Delikt ist“, wie Klotz erklärt. Sprich: Die Beamten müssen gezielt rausgehen und ermitteln, was bei drastischen Personaleinsparungen nicht möglich ist. „Dann würden die Fallzahlen hochschnellen“, so Oßwald.

Gewaltdelikte/Körperverletzung

Ein absichtliches Tötungsdelikt gab es 2018 nicht, dafür zwei Fälle, in denen wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird. „Einmal geht es um falsch verabreichte Medikamente, einmal um Verstöße beim Arbeitsschutz.“ Zugenommen haben bestimmte Fälle von sexualisierter Gewalt. Das liegt einerseits an Gesetzesänderungen, andererseits an einer erhöhten Aufmerksamkeit, wie Klotz feststellt. Aber auch hier muss man hinter die Zahlen blicken: Einen Anstieg um zehn Fälle gab’s beim sogenannten Ausnutzen von sexueller Neigung, worunter auch Kinderpornografie fällt. „Da sprechen wir aber nicht vom klassischen Pädophilen, sondern von Schülern, die sich per Whatsapp entsprechendes Bildmaterial schicken.“

Das Revier hat im vergangenen Jahr 96 Fälle von Gewaltdelikten bearbeitet, davon waren rund 85 Prozent gefährliche Körperverletzungen. In diese Zahlen fließen auch Raubdelikte ein, die mit neun Fällen ein tiefes Niveau erreicht haben – acht davon wurden aufgeklärt. Im Bereich der Körperverletzungen – in Rheinfelden traditionellen hoch, so Weis – wurden 427 Fälle angezeigt, was einem Rückgang von minus 6,8 Prozent entspricht.

Erfreut sind Oßwald und sein Team darüber, dass die Zahl der Jungtäter (unter 21 Jahren) zurückgegangen ist und diese nur noch 21,4 Prozent der gesamten Tatverdächtigen ausmachen.