Anlässlich des Jahrestages des Anschlags in Hanau vor einem Jahr haben sich am Freitagabend auch in Rheinfelden Menschen solidarisch mit den Hinterbliebenen der Opfer gezeigt. 20 Personen waren zu der Kundgebung vor dem Rathaus gekommen, die der Rheinfelder Marco Dette am vergangenen Dienstag kurzentschlossen angemeldet hatte. Maximal 40 Teilnehmende wären unter Corona-Regeln erlaubt gewesen, das Ordnungsamt kontrollierte Abstände und Maskenpflicht.

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„Unendlich tragisch“ nannte Organisator Marco Dette den Anschlag, bei dem der 43-jährige Tobias R. aus rassistischen Motiven neun Menschen erschoss, anschließend seine Mutter und sich selbst tötete. Angesichts solcher Taten, aber auch des alltäglichen Rassismus, den viele Mitbürger erleben, sei es wichtig, dass die Gesellschaft dagegen zusammensteht, so Dette. Die Kundgebung in Rheinfelden solle dazu einen Beitrag leisten. Dette hatte kleine Plakate mit den Namen und Gesichtern der neun Getöteten aufgehängt.

Teilnehmer greifen zum Mikrofon

Auch einige der Teilnehmenden ergriffen das Mikrofon. Jörg Moritz-Reinbach etwa, der für die Grünen im Gemeinderat sitzt, betonte, wie gut es sei, „dass wir auch in Rheinfelden der Opfer gedenken“. Denn auch hier „leben wir vom Miteinander der Menschen. Wir müssen aufeinander achtgeben.“ Die Kundgebung solle dafür die Kraft stärken. Moritz-Reinbach sprach zudem das Projekt einer muslimischen Kita an, das derzeit im Gemeinderat diskutiert wird.

„Hier haben alle einen Platz und die gleichen Rechte – es ist wichtig, zu zeigen, dass wir zusammenstehen.“ Fraktionskollegin Anette Lohmann rief dazu auf, gegen jegliche Gewalt aufzustehen. In Hanau sei nicht der letzte Anschlag passiert. Rüdiger Lorenz vom Freundeskreis Asyl verlas den ersten Artikel der Erklärung der Menschenrechte: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren – das ist unser Auftrag“, sagte Lorenz.

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Zur Kundgebung gekommen war auch Wajahat Ahmad, Imam in Waldshut-Tiengen. Er erinnerte daran, dass Rassismus nicht erst mit physischer Gewalt beginnt. „Wir sollten die Rechte anderer mit der gleichen Entschlossenheit vertreten wie die eigenen.“ Erstaunlicherweise gebe es die meiste Angst vor Muslimen dort, wo kaum Muslime leben.

Gesprochen hat auch der Waldshut-Tiengener Imam Wajahat Ahmad.
Gesprochen hat auch der Waldshut-Tiengener Imam Wajahat Ahmad. | Bild: Dora Schöls

Am Ende schweiften zwar einige Redner vom Thema ab und diskutierten mehr über Antikommunismus als über Rassismus. Trotzdem stellte sich zuletzt ein Gefühl des Miteinanders und des betroffenen Gedenkens ein, als Marco Dette die Namen der Getöteten verlas.