Rheinfelden 190 Spielautomaten gibt es in der Stadt. Vor allem junge Migranten gelten als spielsuchtgefährdet

Jugendliche vor der Glücksspielsucht zu bewahren, ist eine schwierige Aufgabe. Julia Fischer und Lena Wehrle von der Villa Schöpflin (Zentrum für Suchtprävention) in Lörrach arbeiten seit einem Jahr im Auftrag der Stadt daran. Ihr erstes Fazit: Es gibt noch viel zu tun.

Damit Jugendliche, Eltern und andere Personen mit dem Problemthema erreicht werden, knüpfen sie Kontakte nach allen Seiten. Dazu gehört auch die Türkisch-Islamische Gemeinde, denn als besonders gefährdet gelten junge Männer mit Migrationshintergrund.

Der Gemeinderat stellt auch im laufenden Haushalt 20 000 Euro für die Suchtprävention zur Verfügung, weil mit Glücksspielautomaten immer höhere Umsätze erzielt werden, was sich in steigenden Einnahmen bei der Vergnügungssteuer niederschlägt. Das Angebot in der Stadt ist groß, aber Wettbüros, Spielhallen und Spielautomaten in Lokalen sind, wenn die ordnungsrechtlichen Vorschriften eingehalten sind, nicht wegzubekommen. Deshalb beschreitet der Gemeinderat mit den Fachleuten der Villa Schöpflin den umgekehrte Weg. Sie sollen vorbeugen und Aufklären, Erkenntnisse aus der Szene sammeln und damit dazu beitragen, dass aufgeklärte Menschen nicht vom Automatenglück abhängig werden.

Um Erfolge zu erzielen, steht an erster Stelle auch die Kontrolle der Einrichtungen, die Glücksspielautomaten betreiben. Im vergangen Jahr wurden zehn Betriebe aufgesucht in einer Aufklärungstour. Erstes Fazit von Fischer und Wehrle im Hauptausschuss: Die Arbeit beginnt erst richtig, denn es gibt einen hohen Handlungsbedarf bei 190 Geldspielautomaten vor Ort. Vor allem kleine Lokale werden sich beide in einer zweiten Tour vornehmen. Das resultiert auch aus Aussagen Jugendlicher, wonach gerade dort der Jugendschutz nicht immer funktioniere: „Es finden nicht überall Einlasskontrollen statt“, betonte Fischer in der Sitzung. Sie sieht weiter einen hohen Aufklärungsbedarf. Gerade weil in jedem Döner- und Kebab-Imbiss Automaten stehen, auch Shisha-Bars gehören in das Spektrum.

Erste Erkenntnisse

Jugendliche spielen zum Teil allein, mit kleinen Beträgen, oft setzen sie ihr Taschengeld ein. Manchmal sei auch geklautes Geld im Spiel, berichtete Fischer. Junge Erwachsene verhalten sich anders: Sie spielen häufig und mit hohen Beträgen. Anerkennung nach sozialem Status treibe dabei auch an, denn oft fehlen Perspektiven, auch aus Langeweile setzen manche auf das „schnelle Geld“. Oft beginnt das Spielen aus Neugierde und meist sehen Jugendliche auch nicht das Suchtpotenzial, das sie krank macht. Grundsätzlich scheint sich aber zu bestätigen, dass ein hohes Angebot auch die Versuchung zum Mitmachen erhöht. Um systematisch Fortschritte zu erzielen, hat die Villa Schöpflin vor, in diesem Jahr eine Methodenmappe einzusetzen.

Konkrete Maßnahmen

Dazu gehört auch ein Themenabend für Jugendliche in der muslimischen Gemeinde, Fachkräfteschulung sowie Elternabend in Gemeinschafts-, Gewerbeschule und Gymnasium. Aus den Erfahrungen durch die Kooperation mit dem Jugendhaus heißt es, dass Jugendliche großes Interesse an dem Thema zeigen. Für wichtig halten Fischer und Wehrle deshalb auch, dass Eltern informiert werden: „Sie haben Einfluss und stellen die Regeln auf.“

Am Freitag, 6. Juli, wird es nach Vorgesprächen mit der türkisch-islamischen Gemeinde in der Alperenler-Moschee einen Elternabend geben, um Risiken aufzuzeigen. Auch mit den Schulsozialarbeitern besteht ein Austausch. Ein weiterer Baustein bildet die Zusammenarbeit mit Polizei und Ordnungsamt. Bürgermeisterin Diana Stöcker nannte die Initiativen ein „Rundumpaket mit anspruchsvollem Fahrplan“. Pfarrer Joachim Kruse von der Christusgemeinde regte an, auch Jugendvertreter der christlichen Kirchen einzubinden, die auch Russlanddeutsche der zweiten Generation anzusprechen.

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