Was für ein Zufall! Sind Sie es oder sticht mich gerad die heiße Augustnachmittagssonne?

Sie irren nicht! Unverhofft kommt oft! Grüß Gott! Ja ich bin der Hansi aus Schachen. (Und schon liegen sich beide vor der Bundesakademie für Sicherheitspolitik in den Armen.)

Was treibt Sie nach Berlin-Pankow an diesen so geschichtsträchtigen Ort ?

Ich bin dienstlich hier. Überbrücke die Wartezeit. Ein Freund empfahl mir das Barockschloss Schönhausen, die dazugehörigen Anlagen und die Ausstellung anzuschauen. Hier residierte ja nicht nur Königin Elisabeth Christine von Preußen sondern auch die Ostberliner Regierung unter Pieck und Ulbricht bis zum Mauerbau 1961.

Richtig und Sie kamen mit dem „Sonderzug nach Pankow“?

Udo Lindenberg war schon mit seinem Sonderzug weg. Ich kam per Flugzeug und in der U-Bahn summte ich tatsächlich den Hit von Udo.

Den Abstecher bereut?

Im Gegenteil! Nur zu empfehlen. Bin sehr beeindruckt von den Zeitdokumenten und dem was ich hier sah. Trotzdem bin ich aber besorgt zugleich.

Warum?

Erfreut über die Beendigung des gewaltfreien gesellschaftlichen Umbruchs in der DDR. Die Zwei-plus-vier-Verhandlungen, der Runde Tisch, all das fand hier im Haus Berlin 1989/90 statt. Sie führten zur Vollendung der Deutschen Einheit. Der Fall der Mauer und damit das Ende der Nachkriegsperiode verfolgten wir am TV jubelnd. Alles begann so hoffnungsvoll vor 33 Jahren!

Warum dann besorgt?

Die damalige Sowjetunion gehörte zu den Mit-Unterzeichnern des Zwei-plus-vier-Vertrages. Ohne sie gäbe es kein vereintes Deutschland. Und jetzt: Der Putinsche Aggressionskrieg gegen die Ukraine macht mich wütend, obwohl ich ein friedlicher Mensch bin. Ich kann es nicht verstehen. Es bereitet nicht nur mir große Sorge! Grausam was vor unserer Haustür gerade passiert. Unsere Tochter studiert auf Lehramt. Ich frag mich, was erwartet gerade diese und nächste Generation? Der Krieg muss sofort beendet werden!

Ohne Frage. Doch wie geht es dem Hännemer Männergesangverein 1890?

Corona haben wir überlebt. Es war auch für uns eine schwierige Zeit. Viele Chöre gibt es aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr. Auch wir müssen knabbern. Der fehlende Nachwuchs! Uns gibt es vor allem deshalb, weil uns 11 sangesfreudige Frauen aus Hänner stimmlich stark unterstützen. Dafür sind wir Vereinssänger sehr dankbar! Auch ein Grund, warum wir uns ab dieses Jahr zum Gesangverein Hänner umbenannt haben. Unterstützt werden wir zudem auch durch den gemischten Albbrucker Chor .

Leiten sie noch beide Chöre ?

Ja, in der Summe 47 Jahre! Das heißt 35 Jahre den Albbrucker und zwölf Jahre den in Hänner!

Chapeau! Und das hoffentlich noch lange. Und was ist geplant?

Wir bereiten uns, nach zwei Jahren coronabedingter Pause, auf unser traditionelles Herbstkonzert am 15. Oktober vor. Darauf freuen wir uns alle! Hoffen, dass Corona uns nicht wieder die Tür zuschlägt. Wir sind auf den Zuspruch der Hännemer sehr gespannt. Die Rosenkavaliere von einst singen jetzt gemeinsam mit Simone Döbele, die die weibliche Sängerinnenfraktion um Helga Gerspach nicht nur stimmlich stark vertritt!

Wie lautet denn das Konzertmotto?

Das verrate ich nicht. Nur soviel: es wird wieder sehr stimmungsvoll!

Herr Huber, was sagt Ihnen der 25. März 2011?

Probeabend?

Richtig! Und gut, dass wir uns da erstmals im Auftrag des SÜDKURIERS begegnet sind!

Fragen: Michael Röber