Matthias Eisenbeis

Am Samstagabend hieß es im Café Verkehrt in Oberhof zum letzten Mal: Verstärker an, Bühne frei und Tassen hoch. Mit Berndt Mühlbachs finalen Gitarrenriff von der Deutsch-Rock Band „Dampfkapelle“ aus Schopfheim schloss das Café als Veranstaltungsort ohne Aussicht auf Wiedereröffnung.

Fünf Minuten vor Konzertbeginn sind nur etwa 50 Gäste da. Es ist schon alles geräumt, es ist der letzte Abend, das letzte Wochenende. Die Gastronomie ein geplatzter Traum: „Aber lieber jetzt die Notbremse ziehen, als finanziell in den Ruin zu kommen“ sagt der Wirt Peter Maier mit Enttäuschung in der Stimme. „Ich arbeite in der Schweiz, das Restaurant war in erster Linie der Traum meiner Frau. Trotzdem ist es natürlich hart zu sehen, wie der sich in Luft aufgelöst hat.“

Die Band „Dampfkapelle“ aus Schopfheim betritt die Bühne. Für den Frontmann Niels Ole Klemm gibt es drei Meilensteine an diesem Abend: 20 Jähriges Jubiläum der „Dampfkapelle“, erster Auftritt nach drei Jahren Corona-Pause und der letzte Auftritt im Café. Sie machen ihre Sache gut. Die Stimme des Frontmanns ist rau, seine Performance passend. Gitarrensolo von Bernd Mühlbach hier, „Carlos Carlos Santana“ von Niels Ole Klemm da. Der Bass ist tief, das Schlagzeug hart, die Texte leicht.

Der Großteil des Publikums sitzt auf Barhöckern vor alten Weinfässern und wippt mit der Ferse auf den backsteinfarbenen Fließen zum Beat. Ein schwingen im Stehen zaghaft die Hüften, die All-Wetter-Jacke darum gebunden. Oben auf der Etagere wird weniger gewippt – die Sessel dort sind tiefer, die Haare grauer.

Trotzdem: Genossen wird überall. Ob mit Rosé aus dem Weinglas auf der Tribüne oder Fassbier auf dem Weinfass auf dem Parkett. Erst vor zehn Jahren renovierte Inhaber Peter Maier das Café von grundauf. Er schuf einen neuen Eingang, investierte in moderne Bühnentechnik und ein gehobenes Ambiente. „Doch was nützt ein Porsche, wenn der Motor nicht läuft.“ entgegnet der Barkeeper. Er hat Recht. Mit den paar Getränken, die an dem Abend über die Theke gehen, trägt man kein Konzerthaus. Auch kein kleines. Da wird in manch privatem Partykeller im Hotzenwald mehr ausgeschenkt.

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