Einer der historischen Schätze des Zechenwihler Hotzenhauses ist ein gemauerter Brennofen in der Küche des denkmalgeschützten Gebäudes. Zehn Jahre lang stand dieser Brennofen still. Nach einer gründlichen Restaurierung durch Josef Eckert aus Hänner, anerkannter Fachmann im Brennereiwesen, ist vergangene Woche erstmals wieder gebrannt worden. Bürgermeister Adrian Schmidle heizte bei dieser Gelegenheit dem Brennofen selbst ein.

Bürgermeister Adrian Schmidle füllt Most nach.
Bürgermeister Adrian Schmidle füllt Most nach. | Bild: Georg Kirschbaum/Förderverein Zechenwihler Hotzenhaus

„Wir mussten jetzt brennen, um dem Hotzenhaus das Brennrecht zu erhalten“, verweist Georg Kirschbaum, Vorsitzender des Fördervereins Zechenwihler Hotzenhaus, auf das geltende Brennrecht, wonach in zehn Jahren einmal gebrannt werden muss, damit das zum Haus gehörige Brennrecht nicht verfällt.

Dass überhaupt gebrannt werden konnte, ist Josef Eckert zu verdanken. „Ohne diesen erfahrenen Fachmann wäre das nie zustande gekommen“, ist sich der Vorsitzende sicher. Kirschbaum hatte es noch zu Beginn dieses Jahres nicht für möglich gehalten, dass der Brennofen wieder in Betrieb genommen werden kann.

Der Original-Brennofen im Zechenwihler Hotzenhaus wurde in den vergangenen Monaten restauriert.
Der Original-Brennofen im Zechenwihler Hotzenhaus wurde in den vergangenen Monaten restauriert. | Bild: Georg Kirschbaum/Förderverein Zechenwihler Hotzenhaus

Aber Josef Eckert putzte, reinigte, entrostete, stellte selbst Dichtungen her und koordinierte die erforderlichen Restaurierungsmaßnahmen. Wesentliche Teile des Ofens waren zwar noch intakt, aber es fehlten unter anderem Steine in der Ummauerung, es brauchte ein zusätzliches Überdruckventil, einen neuen Wasserstandsanzeiger und einen neuen Kühler.

Die Arbeit

Die größte Maßnahme war ein Abzugssystem für den Brennofen, der wie seinerzeit mit Holz befeuert wird. „Da mussten neue Vorschriften eingehalten werden“, erklärt Kirschbaum. Zusammen mit Ofenbauer und Bezirksschornsteinfeger wurde beratschlagt und schließlich ein System eingebaut, das verhindert, dass Decken und Wände überhitzen.

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„Den ersten Brand im restaurierten Original-Brennofen hätten wir eigentlich gerne im großen Stil durchgeführt“, sagt der Vorsitzende. Aber wieder einmal machte Corona einen Strich durch die Rechnung. So wurde unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen im kleinsten Kreis gebrannt.

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Mit dabei waren neben Josef Eckert und Georg Kirschbaum interessehalber auch ein Vertreter des Zolls und Bürgermeister Adrian Schmidle, der die Befeuerung des Brennofens übernahm. „Der Bürgermeister hat das gut im Griff gehabt“, lobte Eckert den Einsatz des Murger Verwaltungschefs.

Das Brennen

Von 8 bis 17 Uhr dauerte es, bis 105 Liter Birnenmost destilliert waren. Die drei Rohbrände ergaben 35 Liter Destillat mit einem Alkoholgehalt zwischen 20 und 30 Prozent, der Feinbrand sieben Liter mit 60 Prozent Alkoholgehalt. Eckert rechnet nach der Verdünnung mit etwa 14 Litern, die 40 Prozent Alkohol haben. „Es wird ein Kräuterschnaps. Das wurde früher viel gemacht“, weiß Eckert schon jetzt. Zitronenmelisse, Salbei und Hagebutte sind nur einige der getrockneten Kräuter, die Eckert verwendet. Von der Hagebutte erzählt der Fachmann zum Beispiel: „Das gibt einen lieblichen Geschmack.“ Und Eckert erklärt auch, was die große Kunst beim Schnapsbrennen ist: „Der Schnaps muss mild sein.“

Hoffen auf Streuobst

Nach der gelungenen Premiere soll der Brennofen wieder regelmäßig zum Einsatz kommen: „Das ist ein altes Handwerk, das gepflegt werden will“, meint Kirschbaum und hofft für die Zukunft auch auf die Streuobstwiese vor dem Hotzenhaus. Den jetzt verwendeten Birnenmost hatte noch Josef Eckert mitgebracht. Aber erst vergangenes Jahr waren auf der Streuobstwiese unter anderem Kirsche, Birne, Apfel und Pflaume angepflanzt worden.

Weitere historische Geräte

Der Brennofen ist nicht das einzige Prunkstück der Küche im Hotzenhaus. Es gibt dort auch einen riesigen holzbefeuerten Backofen und einen Räucherofen. „Es ist wichtig, die bäuerlichen Tätigkeiten der Verwertung weiterzuführen“, will Kirschbaum in der Zukunft auch das traditionelle Backen und Räuchern den Besuchern des Hotzenhauses wieder näherbringen.

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