Im südwestlichsten Teil der Gemarkung Oberhof befindet sich das 108 Hektar große Thimos-Gelände. Dort standen einst ein oder mehrere Höfe und eine daran angegliederte kleine Kapelle, die dem früheren Fridolinstift Säckingen gehörten. Heute ist an jenem Platz nur noch eine Kapelle zu sehen, jedoch nicht die ursprüngliche, denn sie wurde zusammen mit den Ökonomiegebäuden 1845 abgerissen. Die jetzige Kapelle wurde an ihrer damaligen Stelle 2005 neu gebaut.

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1303 wurde der Thimoshof als Stiftseigentum erstmals urkundlich erwähnt. Möglicherweise existierte dort sogar eine ganze Siedlung, denn ein „dorf Dinmuos“ scheint es um 1300 schon gegeben zu haben. Zwischendurch war der Thimoshof in privater Hand, doch 1578 kaufte ihn das Säckinger Kloster wieder zurück. Als 1595 die Pest ausgebrochen war, dienten die abgelegenen Thimosgebäude der Äbtissin und den Stiftsdamen als Zufluchtsort. Vielleicht wurde während dieser Zeit auch eine kleine Kapelle errichtet.

An den badischen Staat

Etliche Pächter bewirtschafteten etappenweise das große Gebiet, bis infolge der Klosteraufhebung die Gebäude und die Ländereien am 12. Juni 1806 als Kameralgüter an den badischen Staat übergingen. Zuvor beauftragte die Äbtissin aber noch einen Geometer, das Areal vermessungstechnisch aufzunehmen. Dadurch entstand der Plan über den „Thümis Hoff“ aus dem Jahre 1760 mit dem Titel „Grundriß und Beschreibung der mehristen dem Fürstlichen Stifft Seggingen zugehörigen Waldungen“, der von P.F. Paris, bischöflich baselischer Geometer und Berains-Kommissar, als Folge seiner Geländeaufnahme von 1759 angefertigt wurde.

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Die österreichische Regierung erfasste gegen Ende des 18. Jahrhunderts ihre gesamten Vorlande kartografisch. In diesem Zusammenhang kam 1788 der farbenprächtige Plan „Der Dimis Hoff dem Fürstlichen Stift zu Seckingen“ zustande, den der in vorderösterreichischen Diensten stehende Geometer Johann Hünerwadel (1744 bis 1802) im Maßstab 1:1000 fertigte. Hünerwadel zeichnete im selben Jahr auch einen zweiten Plan, auf dem er seine Nutzungsartenberechnung darlegte. Diese ergab 52 Jauchert (19 Hektar) Matten, 82 Jauchert (30 Hektar) Acker, 156 Jauchert (56 Hektar) Wald sowie die Haus- und Hofstellungen, die Wege und fünf Weiher mit sechs Jauchert (zwei Hektar). Er kam so auf 296 Jauchert (107 Hektar) Stiftseigentum, was in Anbetracht der heute entsprechenden Fläche im amtlichen Liegenschaftskataster (108 Hektar) ein sehr gutes Ergebnis darstellt.

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Die Hofgebäude waren 1785 nicht mehr im ansprechenden Zustand. Sie wurden als „alt und baufällig“ und die Kapelle mit „profaniert, ganz ruinös, ohne Wert“ beschrieben. Eine „eidliche Schätzung“ ergab eine Summe von 880 Gulden. 1843 berichtete die Badische Domänenverwaltung in Säckingen vom noch immer schlechten Zustand der Gebäude und empfahl, sie dem Erdboden gleichzumachen. Daraufhin wurde 1845 das hölzerne Haus samt Zubehör, das steinerne Haus samt Zubehör und die Kapelle samt Glocke versteigert. Fridolin Thoma aus Egg war mit einem Gebot von 1201 Gulden der Meistbietende. Ihm wurde auferlegt, innerhalb von drei Monaten die Gebäude abzutragen und den Platz zu säubern, wie Emil Schwendemann (1907 bis 2008) recherchierte.

Am Platz der früheren Kapelle, die 1845 abgerissen wurde, entstand 2005 ein neues Kirchlein, das wie das ursprüngliche, dem heiligen Antonius geweiht ist.
Am Platz der früheren Kapelle, die 1845 abgerissen wurde, entstand 2005 ein neues Kirchlein, das wie das ursprüngliche, dem heiligen Antonius geweiht ist. | Bild: Richard Kaiser

Das am unteren Rand mit etwa 25 Zentimeter Durchmesser alte Glöcklein ohne Aufschrift und Bildnis nahm dem Vernehmen nach Fridolin Thoma 1845 mit nach Egg. Es kam alsdann mit größter Wahrscheinlichkeit in den hölzernen Turm der ungefähr um die gleiche Zeit entstandenen Kapelle in Egg. Eine 1872 gegossene etwas größere Glocke kam hinzu, die gegenwärtig allerdings allein ihren Dienst versieht. Gemäß einer Anmerkung im 1992 erschienenen Buch „Den Kreuzen folgen“ von Georg Keller wurde das von Emil Schwendemann erwähnte „kleine und seinem lädierten Äußeren nach zu schließen sehr alte Glöcklein“ in der neueren Zeit wieder zum ehemaligen Standort im Thimos zurückgegeben. Um die im Dachreiter der 2005 erbauten Thimoskapelle sich befindenden Glocke handelt es sich hierbei offensichtlich nicht, denn diese ist etwas größer als die ursprüngliche und scheint mit der Verzierung einer Weintraube und einer Ähre einen anderen Ausgangspunkt zu haben.

Eine historische Glocke ziert die heutige Thimoskapelle. Es handelt aber nicht um die der einstigen Antonius-Kapelle.
Eine historische Glocke ziert die heutige Thimoskapelle. Es handelt aber nicht um die der einstigen Antonius-Kapelle. | Bild: Richard Kaiser

Am Standort des früheren Thimoshofs erinnert noch ein Gedenkstein an die einstige Liegenschaft des Fridolin-stifts. Ebenso bringt das große steinerne Feldkreuz vor der jetzigen Kapelle, „Anthönikreuz“ genannt, die 1845 abgebrochenen Antonius-Kapelle ins Bewusstsein. Die Gemeindeverbindungsstraße von Oberhof nach Harpolingen führt durch das weitläufige Thimosgebiet. Für Wanderer ist es durch einen drei Kilometer langen Rundweg erschlossen. Ältere Heimatverbundene erinnern sich noch an die Thimoseiche, ein Naturdenkmal, das vor 55 Jahren einer Hochspannungsleitung im Wege stand. Der etwa 700 Jahre alte Baum wurde am 23. Juli 1966 gefällt.

Das Naturdenkmal Thimoseiche musste vor 55 Jahren einer Hochspannungsleitung weichen.
Das Naturdenkmal Thimoseiche musste vor 55 Jahren einer Hochspannungsleitung weichen. | Bild: Richard Kaiser

Das 1806 ins Eigentum des Landes Baden übergegangene 108 Hektar große Thimosgebiet befindet sich bis auf zwei kleine Randlagen noch immer im Staatseigentum. Allerdings wurde das damalige Ackerfeld längst in Grünland umgewandelt, da der Boden für eine Ackerbewirtschaftung zu feucht war.