Mit der feierlichen Übersetzung der kaiserlich-königlichen Leichen nach dem Stift St. Blasien im Jahre 1770, beschäftigte sich in diesem Jahr der Vortrag von Einungsmeister Norbert Schäuble beim katholischen Altenwerk Murg-Niederhof, den er am Mittwoch im Magnushaus vor 26 Mitgliedern, unter der Leitung von Konrad Lüttin und Redmann Gerhard Neugebauer, hielt.

Von kaiserlich-königlicher Geburt

Neben religiösen Gründen, spielten bereits damals handfeste politische Überlegungen eine Rolle. Die zu überführenden 13 Leichen waren ja von kaiserlich-königlicher Geburt, wie zum Beispiel Königin Elisabeth, Ehefrau von Albrecht I., die 1313 starb, sowie Anna von Habsburg, die König Rudolf von Habsburg 14 Kinder gebar. Die meisten von ihnen waren ursprünglich in Königsfeld begraben, während Anna von Habsburg im Basler Münster bestattet war.

Finanzielle Gründe spielen Rolle

Zu den politischen Gründen zählten finanzielle Gründe, da im Juli 1768 die barocke Klosterkirche St. Blasien abgebrannt war und man sich durch den Besitz der Leichen, die beinahe Reliquien waren, eine finanzielle Unterstützung vom Hause Habsburg für den Neubau der Kirche erhoffte.

Sechsspänniger Trauerwagen

Wie Norbert Schäuble in seinen Ausführungen anhand von Bildtafeln belegte, war das Unterfangen, dass mit der Überführung der Leichen von Königsfelden und Basel verbunden war, nicht einfach, denn die zuständigen Stellen in Innsbruck, Wien, Bern und Basel, mussten zustimmen. 1770 wurden die Leichen auf der Aare nach Klingnau und dann nach Waldshut überführt, wo die Leichen auf einen sechsspännigen Trauerwagen verladen wurden. Der dann zusammengestellte Trauerzug war gigantisch: Allein 24 Abteilungen mit vielen Pferdegespannen gehörten dazu.

Mit Fackeln und Kerzen

Den Abschluss bildete ein Einungsmeister der Grafschaft Hauenstein mit zwölf Mann zu Pferd. Der gesamte Trauerzug zog dann nach St. Blasien, wo er am Abend mit Fackeln und Kerzen beleuchtet, ankam. Die Rechnung, die das Benediktinerstift St. Blasien mit der Überführung der 13 Leichen bezweckte, ging nicht auf: statt in einer Fürstengruft, wurden sie in einer bescheidenen Gruft unterhalb der Orgel, beigesetzt und 38 Jahre später, im Jahre 1808 wurden die 13 Leichen erneut umgebettet und in St. Paul/Österreich zur letzten Ruhe gebettet. Somit markierte dieser Leichenzug den Übergang vom spätbarocken Zeitgeist zum Klassizismus, der sich in der Architektur des Doms von St. Blasien widerspiegelt.