Auch in der Gemeinde Murg waren die Kommunalwahlen im Mai dieses Jahres das kommunalpolitische Thema schlechthin. Traten doch eine Reihe langjähriger Gemeinderäte nicht mehr an, und galt es, die politischen Karten am Murger Ratstisch neu zu mischen. Eine umso spannendere Frage, als es die erste Kommunalwahl nach der Abschaffung der unechten Teilortswahl war. 

Politische Karten werden neu gemischt

Der Ausgang der Kommunalwahlen hatte dann schließlich durchaus etwas von einem politischen Erdbeben. Die Freien Wähler (Roland Baumgartner, Dieter Muck, Edith Becker, Timo Strasser, Stefan Ganzer, Ursula Rünzi und Frank Gassmann) lösten erstmals die CDU (Stefanie Kaiser, Angelika Eckert, Guido Wiesler, Gabriele Döbele-Kreutz und Hans-Jürgen Bäumle) als stärkste Fraktion am Ratstisch ein.

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Während auch die SPD einen Sitz verlor und nurmehr mit drei Gemeinderäten – Georg Kirschbaum, Detlef Rüdiger und Herbert Steinmeier (für Kira Skarke nachgerückt) – vertreten ist, konnten die Grünen zwei Sitze (Klaus Bossert und Sonja Sarman) erringen. Erstmalig sitzt außerdem ein Vertreter der AfD (Björn Zander) mit am Tisch. Bisher ebenfalls noch nie da gewesen: Es sitzen erstmals mehr Gemeinderäte aus den Ortsteilen (zehn) als aus dem Kernort (acht) am Ratstisch, was bereits für Emotionen am Ratstisch sorgte.

Das Jahr der Millionen-Projekte

2019 war außerdem ein Jahr der Spatenstiche. Den Auftakt im Januar machte der Spatenstich für den Neubau einer dreigruppigen Kindertagesstätte mit ebenfalls dreigruppiger Krippe für rund 5 Millionen Euro im Areal „In der Mühle“. Mehr als 100 Kinder werden ab Herbst 2020 Kindergarten und Krippe besuchen können.

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Dass trotz dieses Neubaus Kindergartenplätze in der Gemeinde Murg bleiben, hängt mit dem neuen Baugebiet „Auf Leim“ an der Harpolinger Straße zusammen. Der Spatenstich für das Baugebiet war im Juli und mittlerweile sind die Erschließungsarbeiten in vollem Gange. Es entstehen 155 Wohneinheiten für rund 385 Bürger.

In der Murger Mitte, direkt neben dem Rathaus, wächst seit Monaten das mehrstöckige Ärzte- und Apothekenhaus in die Höhe. Grundsteinlegung für das rund 5-Millionen-Euro-Projekt war im Anfang Juli. Investor ist die Trenova Immobilien GmbH aus Bad Säckingen.

Der Bau des Murger Ärzte- und Apothekenhaus startete im Januar 2019 und ist inzwischen weit fortgeschritten.
Der Bau des Murger Ärzte- und Apothekenhaus startete im Januar 2019 und ist inzwischen weit fortgeschritten. | Bild: Brigitte Chymo

Im Erdgeschoss wird die Schwarzwald-Apotheke Murg einziehen und im ersten Obergeschoss das Hausärztliche Zentrum aus Laufenburg. Die Gemeinde wird Eigentümer des zweiten Obergeschosses und plant die Ansiedlung weiterer Fachärzte.

Gleichzeitig verbindet ein Anbau für Bürgerservice und Bauamt das Ärztehaus mit dem Rathaus. Im Zuge dieses Neubaus sollen auch die letzten Bauabschnitte der Murger Mitte realisiert werden. Diese betreffen die Freianlagen sowie die Verkehrsanlagen in der Hauptstraße.

Kinderheim-Schließung sorgt für Unmut

Anlass zu emotionalen Diskussionen gaben 2019 allerdings zwei andere Themen. Noch Anfang 2019 wurde bekannt, dass das Kinderheim Doll, in dem seit 64 Jahren Menschen mit schwerster Behinderung betreut werden, zum Jahresende schließen muss.

Grund ist die Heimbauverordnung des Landes Baden-Württemberg, deren Vorgaben das Kinderheim nicht alle erfüllen kann. Ein Umbau könnte zwar bewältigt werden, das Kinderheim wäre dann aber nicht mehr kostendeckend zu führen.

Murgbach-Treppe wird zum Thema

Zum Zweiten trieb eine Treppe die Gemüter um, als eine knappe Mehrheit der Gemeinderäte die Sanierung der Treppe vom Murgbach hinauf in die Kirchstraße ablehnte. Zu teuer, nicht wirklich frequentiert, so die Begründung. Proteste aus der Bürgerschaft brachte die Treppe erneut auf die Tagesordnung. Der Ausgang ist offen. Im Frühjahr soll über die zurzeit gesperrte Treppe neu verhandelt werden.

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Persönliches aus dem Jahr

  • Michael Schöke, von 1991 bis 2007 Bürgermeister der Gemeinde Murg, feierte im Februar seinen 75. Geburtstag. Schöke hatte seinerzeit mit mehr als 80 Prozent der Stimmen Norbert Bernauer als Bürgermeister abgelöst.
  • Sonja Scheib wurde im März als neue Pfarrerin im Probedienst in ihr Amt in der evangelischen Kirchengemeinde Murg- Rickenbach-Herrischried eingeführt. Die 32-Jährige folgte nach einem halben Jahr Vakanz auf Wilhelm Brüggemann, der in den Ruhestand verabschiedet worden war.
  • Jana Behringer trat ebenfalls im März ihre Stelle als Jugend- und Sozialarbeiterin in der Gemeinde Murg an. Die 27-Jährige ist Nachfolgerin von Stefanie Behringer und betreut die Kinder der Grundschulen in Murg und Niederhof sowie die Jugendlichen im Jugendcafé.
  • Dagmar Vogt, verdiente Umweltschützerin, verstarb im Mai im Alter von 55 Jahren nach schwerer Krankheit. Vogt war Mitbegründerin der Ortsgruppe Murg-Laufenburg des BUND, im Vorstand aktiv, leitete viele Jahre die Kindergruppe und im Einsatz gegen das Springkraut.
  • Renate Breuninger, seit 2005 Leiterin der öffentlichen Bücherei, übergab vor der Sommerpause ihr Amt an Christine Zaucker. Die Gemeinde danke mit einer Ehrenmünze in Silber.
  • Pius Moser leitete am 26. Dezember in der morgendlichen Eucharistiefeier der Herz-Jesu-Kirche in Niederhof zum letzten Mal den Kirchenchor Niederhof-Hänner. Fast 40 Jahre war der jetzt 64-jährige Chorleiter. Zunächst in Niederhof, später auch in Hänner und ab 2012 dann des gemeinschaftlichen Kirchenchores Niederhof-Hänner.

Was gibt es über 2019 in Murg sonst noch zu berichten?

  • Klima: Als Klimaschutzgemeinde setzte Murg 2019 weitere Akzente. Die Energiekarawane, in deren Rahmen Hauseigentümer von Gebäuden, die vor 2002 erbaut worden sind, die Möglichkeit haben, sich gratis für eine qualifizierte und unabhängige Energieberatung anzumelden, ist inzwischen in Murg unterwegs. E-Autos hat die Gemeinde schon lange in ihren Diensten, jetzt kam noch ein E-Lastenfahrrad dazu. Im September machte die Wave-Trophy, die größte jährlich stattfindende Elektromobil-Rallye mit 15 verschiedenen Autos mit Elektroantrieb in Murg Station. Als Klimaschutzgemeinde nimmt Murg außerdem am Projekt C/sells teil, bei dem die Bewohner eines definierten Gebiets, einer sogenannten Zelle, ihren Strom selbst erzeugen und übrige Energie an Nachbarn verkaufen. Keine Mehrheit im Gemeinderat fand allerdings der Vorstoß der SPD Fraktion, als Gemeinde den Klimanotstand auszurufen. Eine Nummer zu groß, urteilten die Räte, die sich aber weiterhin zu ökologischem Handeln bekannten.
  • Jubiläen: 2019 war auch ein Jahr der Jubiläen. Spitzenreiter war der SV Blau-Weiß Murg, der sein 100-jähriges Bestehen feierte. Aber die Fährigeister gehen mittlerweile auch schon seit 60 Jahren um, und im FC Hänner wird ebenfalls seit 60 Jahren gekickt. Sein 45-jähriges Bestehen feierte außerdem der Tennisclub Murg. Noch relativ jung im Geschäft dafür umso erfolgreicher sind das Murger Naturschwimmbad, das sein Zehnjähriges hatte, und der Bürgerbus Murg, der seit fünf Jahren unterwegs ist.
  • Vereinsauflösung: Nach 111 Jahren kam das Aus. Weil der DRK Ortsverband Murg-Niederhof zwar trotz vieler Mitglieder die Vorstandsämter nicht mehr besetzen konnte, wurde der Ortsverband im März in einen Arbeitskreis des DRK Kreisverbands Bad Säckingen überführt.
  • Rekord: Zum ersten Mal konnte die Gemeinde in Sachen Tourismus melden, dass die Rekordmarke von 10.000 Übernachtungen geknackt wurde. Dazu beigetragen haben der Wohnmobilstellplatz, die Herberge zum Fischbährn und der Naturcampingplatz.
  • Brand: Sachschaden über 300.000 Euro entstand, als im Mai in Niederhof am hellheitren Tag ein Zweifamilienhaus ausbrannte. Die Feuerwehren Murg und Laufenburg waren gemeinsam im Einsatz, Personen kamen keine zu Schaden.
  • Kurioser Fund: Als in einem Keller in Niederhof radioaktives Material entdeckt wurde, kam es zu einem Großeinsatz von Spezialkräften. Nach eingehender Untersuchung konnte Entwarnung gegeben werden. Das Material, Cäsium 137, war über 40 Jahre alt und diente ursprünglich als „Kalibrier-/Prüfstrahler“.
  • Dies und Das: Noch im Frühjahr konnte die Sanierung des Murger Friedhofs abgeschlossen werden. Am Start ist hingegen die Einrichtung eines Bürgertreffs in Oberhof. Gut 20.000 Euro Sachschaden entstand der Gemeinde durch Graffiti und Beschädigung von Laternen. Die Verwaltung setzte sogar eine Belohnung für Hinweise auf die Täter aus. Seit 2001 waren Gewerbesteuer und Grundsteuer B nicht mehr angehoben worden. Jetzt beschloss der Gemeinderat eine moderate Erhöhung. Weil trotz neuer Kindertagesstätte die Plätze für Kindergartenkinder künftig nicht ausreichen werden, unterstützt die Gemeinde die Einrichtung eines Bauernhof- und Waldkindergartens durch einen Trägerverein.

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