"Deutschland ist ein Paradies, hier ist alles getan, egal ob es die soziale Versorgung mit Krankenhäusern, der Straßenbau oder die Schulbildung ist. In Deutschland ist alles perfekt." Das erklärte zumindest der aus Peru kommende Geschäftsführer von Norandino, Santiago Paz López, als er die Probleme, die diesbezüglich in Peru herrschen, ansprach. Die rund 50 Zuhörer, die ins Magnushaus auf Einladung vom Vorsitzenden des Weltlädeli von Murg, Willi Moosmann, gekommen waren, zeigten sich von dessen Ausführungen, die er vom Fortschritt der Kleinbauern in Peru zu berichten hatte, beeindruckt.

Im Norden Perus wird speziell der Rohkaffee für die in Deutschland vertriebene Marke "Pidecafé Öko" angebaut. Dank der Unterstützung durch die "Gepa The Fair Trade Company", die fair produzierte Produkte aus den südlichen Ländern der Welt importiert, konnten die Bauern höhere Preise für die von ihnen ökologisch hergestellten Produkte, zu denen neben Kaffee, Kakao, Zuckerrohr und Gemüse gehören, erzielen und so ihren Lebensstandard wesentlich verbessern. So konnte der Kaffee-Export für die Marke Pidecafé von acht Tonnen im Jahr 1994 auf 3452 Tonnen im Jahre 2016 gesteigert werden.

Dank dieser positiven Entwicklung, die durch das Projekt Pidecafé von Norandino gefördert wurde, konnten jetzt viele Kleinbauern ihre Häuser reparieren, sodass es in der Regenzeit nicht mehr hineinregnet. Auch konnten sie ihre Küchen modernisieren und eigene Toiletten installieren. Die meisten Kinder besuchen eine Schule, viele davon haben später auch die Möglichkeit, auf eine Universität zu gehen. Diese Fortschritte haben die Bauern zum großen Teil dem in Deutschland in den Weltläden vertriebenen Produkten aus Peru zu verdanken.

Bei der Infoveranstaltung, die am Mittwochabend im Magnushaus in Murg zum Thema Wo kommt der Murgtalkaffee her sprach der Geschäftsführer von Norandino, Santiago Paz López zu 50 interessierten Zuhörern.
50 Zuhörer verfolgten interessiert den Vortrag. | Bild: Reinhard Herbrig

Wie zu Anfang gesagt, ist in Peru noch vieles zu tun. "Der Präsident sorgt sich vor allem um sein eigenes Geld", erklärte López, dessen in Spanisch gehaltenen Ausführungen von Diana Chico Alvarez ins Deutsche übersetzt wurden. Eine Zuhörerin fragte, wie sich die restriktive Importpolitik von Donald Trump auf die Wirtschaft von Peru auswirken würde. Das Klima in den USA wären für den Anbau von Kaffee, Kakao und Zuckerrohr nicht geeignet, sodass die USA, trotz Trumps Handelspolitik, auf den Import aus den südlichen Ländern angewiesen ist. Dank dessen, dass die Nachfrage nach fair hergestellten Produkten größer ist, als das Angebot, sieht López der Zukunft positiv entgegen.

Willi Moosmann dankte Santiago Paz López und seiner Übersetzerin Diana Chico Alvarez für die vielen Informationen, die sie den Unterstützern der Weltläden in der Region geliefert haben. Sie hätten ihnen Mut gemacht, sodass sie weiter in den Läden einkaufen und deren Existenz durch ehrenamtliche Arbeit unterstützen werden.

Moosmann bedauerte allerdings, dass die Umsätze im Murger Weltlädeli zurückgegangen sind. Er führt es darauf zurück, dass immer mehr Supermärkte fair produzierte Produkte in ihr Sortiment aufgenommen haben, sodass so mancher Kunde seinen Bedarf an Fair-Trade-Waren dort decken kann.

 

Pidecafé

Pidecafé steht für "Programma Integral para el Desarrollo del Café", Programm zur integrierten Entwicklung des Kaffeeanbaus. Das bedeutet, dass nicht nur der Kaffeeanbau verbessert werden soll, sondern das gesamte Umfeld und die Lebens- und Arbeitsbedingungen der beteiligten Kaffee-Kleinbauern und ihrer Familien. Neben dem Kaffeeanbau, werden die Bauern beim Kakao- und Zuckerrohranbau beraten.