Anfängliche Skepsis, so steht es in der offiziellen Vereinschronik des SV Niederhof geschrieben, begleitete vor 20 Jahren den Start des Frauenfußballs. Das war einmal. Längst ist der Frauenfußball mit eine tragende Säule des SV Niederhof und die Frauenmannschaft als einziges Team auch auf überbezirklicher Ebene erfolgreich. Dieses Wochenende feiert der SV Niederhof das Jubiläum einer 20-Jährigen Erfolgsgeschichte.

Beim SV Niederhof wird seit 20 Jahren erfolgreich Frauenfußball gespielt. Im Bild die Mannschaft der Spielsaison 2017/18. Hintere Reihe, von links: Valeria Montalbano, Julia Albiez, Luana Cannova, Cornelia Albiez, Jael Gassmann, Lena Albiez. Mittlere Reihe von links Julius Langer, Lena Ebner, Anna-Lisa Butowski, Carla Langer, Deborah Schlipphack, Nadine Feger, Roger Küpfer, Stephanie Weber. Vorne, von links: Carlotta Engel, Jil Lehnen, Stefanie Meisch, Sarina Jehle und Lea Schmidt. Bild: SV Niederhof
Beim SV Niederhof wird seit 20 Jahren erfolgreich Frauenfußball gespielt. Im Bild die Mannschaft der Spielsaison 2017/18. Hintere Reihe, von links: Valeria Montalbano, Julia Albiez, Luana Cannova, Cornelia Albiez, Jael Gassmann, Lena Albiez. Mittlere Reihe von links Julius Langer, Lena Ebner, Anna-Lisa Butowski, Carla Langer, Deborah Schlipphack, Nadine Feger, Roger Küpfer, Stephanie Weber. Vorne, von links: Carlotta Engel, Jil Lehnen, Stefanie Meisch, Sarina Jehle und Lea Schmidt. Bild: SV Niederhof

Ins Rollen kam der Frauenfußball schon 1997. Einige fußballinteressierte Frauen, die meisten von ihnen Freundinnen von Aktivspielern, gaben den Anstoß: „Könnte man nicht einmal." Andreas Schnepf, zusammen mit Wolfgang Graf, erstes Trainerteam der Frauen, schreibt in seinem Grußwort im Jubiläumsmagazin: "Wie gestern erinnere ich mich noch an die erste Trainingseinheit in der Sporthalle Niederhof, als dem Trainergespann Graf/Schnepf, ausgerüstet mit zehn Bällen, 25 hochmotivierte Damen gegenüberstanden."

Erster Sieg im Oktober 1999

1998, nur ein Jahr später, meldete der SV Niederhof zum ersten Mal eine Frauenmannschaft zu den Verbandsspielen an. Auf den ersten Sieg musste die Mannschaft allerdings bis in den Oktober 1999 warten. Mit Beharrlichkeit und Geduld gingen Spielerinnen und Trainer weiter gemeinsam ihren Weg. Bis zum ersten großen sportlichen Erfolg im Spieljahr 2004/2005, als die Frauenmannschaft den Bezirkspokal gegen den damaligen Meister VfR Horheim gewann und Platz 7 in der Bezirksliga erreichte. Ein Jahr später holten die Frauen zusammen mit dem Bezirkspokal auch den Meistertitel.

Platz 3 in der Landesliga

Dem Aufstieg in die Landesliga folgte auch gleich der Abstieg. Aber wieder zeigten Beharrlichkeit und Geduld Erfolg. Als die Frauen 2014 mit der südbadischen Auswahlspielerin Anna-Lisa Bukowski an der Spitze erneut Pokal und Bezirksliga-Meistertitel nach Niederhof holten, erreichte die Mannschaft in der nachfolgenden Saison auf Anhieb Platz 3 in der Landesliga. Ein Jahr später sogar die Vizemeisterschaft. In der abgelaufenen Spielsaison wurde es eng. Umso bewundernswerter die Leistung des kleinen Kaders, am Ende doch den Ligaerhalt geschafft zu haben.

Lob für Zusammenhalt

Spielbetriebsleiter Julius Peter Langer fällt dazu nur ein Wort ein: „Unglaublich.“ Er ist sicher, dass dieser Erfolg bei den männlichen Spielkollegen so nicht möglich gewesen wäre: „Die sind da, auf die ist Verlass“, lobt Langer den Zusammenhalt unter den Spielerinnen, die zum Teil aus Waldshut und auch Lauchringen zum Spielen nach Niederhof kommen. Der gute Teamgeist hat sich herumgesprochen.

Neben der Frauenmannschaft in der Landesliga ist derzeit zusammen in einer Spielgemeinschaft mit Binzgen, Luttingen, Rotzel und Hänner auch wieder eine C- und B- Mädchenmannschaft gemeldet. „Es ist wichtig, dass wir Kontinuität zeigen“, unterstreicht Julius-Peter Langer die Bedeutung dieser Jugendarbeit im Verein. Denn einfach mal so probieren ist längst nicht mehr. Die Mädchen wollen spielen, und je höher die Mannschaft spielt, um so mehr Können ist auch gefragt.

"Sie spielen ehrlicher"

Spielerisch stünden die Frauen und Mädchen den Männern in nichts nach, erklärt der Spielbetriebsleiter. Den kleinen, aber feinen Unterschied sieht Langer woanders: „Sie spielen ehrlicher.“ Es gäbe wenige versteckte Fouls, die Spielerinnen gingen sich nicht gleich an den Kragen, und insgesamt käme das Geschäft im Frauenfußball ohne die ganze Begleitmusik des Männerfußballs aus. „Das find ich einfach schön“, meint der Spielbetriebsleiter.

 

Frauenfußball in Kürze

  • Frauen- oder Damenfußball? Früher war auch mal vom Damenfußball die Rede, inzwischen hat sich der Begriff Frauenfußball aber fest eingebürgert. Auch der DFB spricht ganz offiziell von Frauenfußball. Eine internationale Vorschrift gibt es aber nicht.
  • Anfänge des Frauenfußballs in Deutschlands: Schon an der Wende zum 20. Jahrhundert spielten Frauen eine Art Fußball, bei dem sie sich, im Kreis stehend, den Ball gegenseitig zuspielten. Das Spiel galt jedoch als moralisch verwerflich. Als der Frauenfußball in anderen europäischen Ländern 1920er Jahren einen ersten Höhepunkt erreichte, war er in Deutschland nur eine Randerscheinung. Im Nationalsozialismus galt der Frauenfußball als unerwünscht, da er im Widerspruch zur eigenen Vorstellung stand, die Frauen vor allem anderen als Mütter ansah.
  • DFB-Verbot des Frauenfußballs 1955: Als die Deutsche Nationalmannschaft der Männer 1954 die Fußball-Weltmeisterschaft gewann, kam die Diskussion um den Fußball der Frauen erneut auf. Am 30. Juni 1955 beschloss der DFB auf seinem Verbandstag, es den im DFB organisierten Vereinen zu untersagen, Frauenfußball anzubieten. In der Begründung heißt es unter anderem, „ Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“
  • Offizieller Start des Frauenfußballs: Der DFB hob das Verbot des Frauenfußballs Ende 1970 auf. Es gab jedoch Auflagen: Frauenteams mussten zum Beispiel wegen ihrer „schwächeren Natur“ eine halbjährige Winterpause einhalten, Stollenschuhe waren verboten und die Bälle waren kleiner und leichter. Das Spiel selbst dauerte nur 70 Minuten.
  • Frauenfußball heute: Frauenfußball eine der am schnellsten wachsenden Sportarten in Deutschland. Nicht zuletzt dank der Erfolge der Nationalmannschaft und der Vereinsmannschaften entwickelte sich der Frauenfußball von einer belächelten Randsportart zu einem gesellschaftlich akzeptierten Sport. Im Jahr 1970 hatte der DFB 50 000 weibliche Mitglieder, 2017 waren es knapp 1,1 Millionen Mitglieder. Insgesamt hatte der DFB knapp über sieben Millionen Mitglieder. (chy)