„Es können alle Murger mitmachen, die Interesse haben. Sie brauchen dafür keine eigene Photovoltaik-Anlage, denn wir suchen auch reine Stromverbraucher“, sagt Oliver Maicher, der Projektverantwortliche beim Energiedienst. An dem Programm beteiligen könnten sich auch Mieter. Einzige Voraussetzung sei, dass der Haushalt sich in Murg oder seinen Ortsteilen befinden und über einen Internetanschluss verfügen müsse.

Die Stromgemeinschaft Murg soll Ende des Jahres starten

Energiedienst plant, in Murg eine kommunale Stromgemeinschaft aufzubauen. Diese Gemeinschaft besteht aus Teilnehmern, die ihren selbst erzeugten Strom teilweise selbst verbrauchen und teilweise ins Netz einspeisen, sowie aus Teilnehmern, die nur Strom nutzen. Das Projekt will das Zusammenspiel zwischen lokalen Lieferanten und lokalen Abnehmern erforschen, um Erfahrungen für den weiteren Ausbau solcher Stromgemeinschaften zu sammeln. Die Murger Stromgemeinschaft soll bis Ende 2019 etabliert sein und bis Ende 2020 laufen.

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Kern des Projekts ist ein von Energie Baden-Württemberg (EnBW) entwickeltes Energiemanagementsystem namens Energybase. Der in einer kleinen Box untergebrachte Rechner optimiert mit einem selbstlernenden Algorithmus automatisch den Energieverbrauch und steuert die Energieflüsse im Haus. „Das kleine Gerät weiß, ob der selbsterzeugte Strom verbraucht, gespeichert oder eingespeist werden sollte“, beschreibt EnBW die Funktionsweise.

Eine App liefert Bilanzen, Prognosen und Tipps

Über eine App können die Nutzer ihre Daten abrufen und Einblick in die eigenen Energieflüsse erhalten. Ein Gemeinschaftsportal bietet einen Überblick über gemeinschaftliche Strombilanzen, Prognosen und Verbrauchstipps – beispielsweise wann energieintensive Hausarbeiten am besten ausgeführt werden sollten, um überschüssigen lokal erzeugten Strom zu verbrauchen. Prognosen für die kommenden 24 Stunden sollen eine individuelle Planung zur optimalen Nutzung des erzeugten Stroms ermöglichen.

So stellen sich auf dem Tablet Nutzern des Energiemanagementsystems Energybase Daten über ihren Stromverbrauch und die Leistung ihrer Photovoltaikanlage dar.
So stellen sich auf dem Tablet Nutzern des Energiemanagementsystems Energybase Daten über ihren Stromverbrauch und die Leistung ihrer Photovoltaikanlage dar. | Bild: Energybase

Murg ist einer von rund 30 Orten in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen, wo unter dem Namen C/sells die dezentrale Nutzung und Erzeugung von Solarenergie erprobt wird. Dabei wird dies nicht nur als technische Herausforderung begriffen. C/sells will auch prüfen, inwieweit die Teilnehmer der kommunalen Stromgemeinschaften freiwillig ihr Handeln sinnvoll aufeinander abstimmen.

Neben bisher acht Privathaushalten beteiligt sich auch die Gemeinde Murg an dem Projekt. „Das ist eine sehr interessante Sache, die nicht nur für den Energiedienst gut ist, sondern auch für die Bürger, die daran teilnehmen“, sagt Maximilian Rüttinger, der Klimamanager der Gemeinde. Jeder an dem Projekt beteiligte Stromkunde könne direkt Einfluss nehmen auf die Gestaltung der Energiewende – zum Beispiel konkret auf die Entwicklung der Bezugspreise für selbstproduzierten Strom. Außerdem halte jeder detaillierte Informationen über den eigenen Stromverbrauch und damit über mögliche Einsparpotentiale. Rüttinger: „Alle 15 Minuten wird ein Messwert erhoben. Das ist natürlich viel genauer als eine monatliche Abrechnung.“

Alle geltenden Datenschutzbestimmungen würden eingehalten, sagt Projektverantwortlicher Oliver Maicher. Externe könnten aufgrund der Daten zum Beispiel nicht nachvollziehen, welche Geräte gerade genutzt würden.