Noch im Juli sollen die Sanierungsarbeiten am Ökonomieteil des Zechenwihler Hotzenhauses beginnen. Aufgrund eines neuen Konzepts wird die Sanierung aber um rund 300 000 Euro teurer ausfallen. Der von der Gemeinde Murg bereits zugesagte Eigenanteil über 100 000 Euro wird nicht erhöht. Dafür übernimmt die Gemeinde nach dem Ja des Gemeinderats eine 80-prozentige Ausfallbürgschaft für ein Darlehen, das der Verein aufnehmen wird.

Ein erstes Sanierungskonzept, das bereits im Herbst 2017 fertig und von den Denkmalbehörden auch genehmigt worden war, wanderte in die Schubladen, nachdem sich der Statiker plötzlich verabschiedete. Die Nachfolger, Dieter Steinmetz und Ralf Steinmetz aus Ettlingen, beide mit großer Erfahrung im Holzbau und in der Instandsetzung historischer Bausubstanz, stellten dann Mängel im bisherigen Konzept fest, und planten um.

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Die neue Konzeption sieht eine autonom, sich selbst tragende und ins Hotzenhaus eingestellte Stahlkonstruktion vor, an der das Gebäude fixiert wird. Ein Innenskelett aus Stahl quasi, das den Vorteil hat, dass die historische Substanz belassen werden kann. Lediglich ein Fundament aus Beton, auf dem das Stahlgerüst stehen kann, ist einzubringen.

Dieses Konzept, das in der Form noch nie angewendet wurde und damit als Modellcharakter eingestuft wird, überzeugte auch das Landesamt für Denkmalpflege, dessen Mitarbeiterin Nicoletta Degginger gemeinsam mit Architekt Florian Rauch und Georg Kirschbaum, Vorsitzender des Fördervereins Zechenwihler Hotzenhauses, am Montagabend im Gemeinderat Rede und Antwort stand.

Anstatt knapp 950 000 Euro wird die Sanierung jetzt 1,25 Millionen Euro kosten. Die Mehrkosten deckt der Förderverein durch zusätzliche Fördermittel aus der Denkmalpflege, erhöhter Eigenleistung, zusätzlicher Spenden und einen zweiten Kredit. Kreditgeber ist die Sparkasse Hochrhein, die Laufzeit liegt bei 30 Jahren. Für diesen Kredit übernimmt die Gemeinde Murg eine 80-prozentige Ausfallbürgschaft.

Die drei CDU-Gemeinderäte, Guido Wiesler, Gabriele Döbele-Kreutz und Stefanie Kaiser lehnten dieses Konzept ab und stehen damit für jene Stimmen in der Gemeinde, die der Sanierung des Zechenwihler Hotzenhauses aus Kostengründen kritisch gegenüber stehen.

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Rat Guido Wiesler merkte an, dass das neue Konzept alles über den Haufen werfe. Er bezweifelte den Modellcharakter: "Das kann nicht sein." Fachfrau Nicoletta Degginger von Landesdenkmalamt betonte indes: "Wir begrüßen das Projekt." Es sei bemerkenswert, dass alte Bausubstanz unangetastet belassen werden könne, wie sie gewachsen sei.

Degginger begründete in diesem Zusammenhang auch, warum das Zechenwihler Hotzenhaus als denkmalgeschütztes Gebäude auf einer Stufe mit der Bad Säckinger Holzbrücke steht: Es handle sich um Originalsubstanz, an der nie etwas verändert worden sei.

Zum Brandschutz, von Wiesler ebenfalls kritisiert, führte Architekt Florian Rauch aus, die für Veranstaltungen vorgesehene Besucherzahl sei mit 199 Personen bewusst so gewählt, dass auf eine Sprenkleranlage verzichtet werden könne. Stattdessen werde auf Rauchmelder und baulichen Brandschutz gesetzt. Rauch betonte auch die Dringlichkeit der Sanierung des Ökonomieteils: "Das Haus steht auf der Kippe. Man muss jetzt wirklich was tun." Sanierungen im Wohnbereich seien hingegen lediglich "nice to have", also eine hübsche Beigabe.