Die Sagengestalt des Murger Fährigeists ist allseits bekannt. Aber wer bitte sind „Maritone und Theres“? Denn im Kalender „Sagehaft – Alemannisches vom Hochrhy un Hotzewald“ von Markus Olivieri und Kristine Gelderblom schmücken neben dem Fährigeist den Februar weitere Murger Gestalten den April. Keine Geister zwar, dafür aber waschechte Murger Originale. Maritone und Theres eben.

Spuren von Maritone und Theres finden sich in der Murger Ortschronik von Leopold Döbele. Zu einem von Döbele 1925 selbst gemalten Aquarell von Maritone und Theres weiß der Chronist zu berichten, dass d‘Maritone und Theres zu jenen „naturhaft eigenwilligen Gestalten und Käuzen“ gehörten, „bei denen gewisse Züge des Volkscharakters besonders deutlich hervortraten.“

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Murg war laut Döbele seinerzeit „reich an solchen Gesellen“. Zwei von ihnen waren jedenfalls Maria Antonia und Theresia Kammerer, zwei ledige Schwestern. Die beiden Junggesellinnen lebten im Murger Unterdorf, also im Bereich südlich der Bahnlinie. Döbele schreibt: „Sie führten ein Leben für sich und waren ebenso fromm wie abergläubisch.“

Die Maria Antonia Kammerer, die Maritone, war von Beruf zwar Modistin, also Hutmacherin, doch sie kümmerte sich wenig um Mode. „Sie schaffte nur auf „alte Form“, erzählt der Chronist. Auch in der Kleidung waren die beiden Schwestern altmodisch. Der Chronist weiß außerdem zu berichten, dass d‘Maritone und Theres an alten Bräuchen und Feiertagen festhielten und an Geister glaubten.

So segneten die beiden Schwestern die Obstbäume vor dem Haus zeitweise mit Weihwasser, damit die Bäume reiche Früchte bringen sollten. Oft wurde die Früchte dann, besonders die Kirschen, zur Erntezeit vorzeitig in der Nacht durch die Murger Burschen geerntet, die den beiden Fräuleins darüber hinaus unzählige Streiche lieferten.

Döbele erzählt auch die Anekdote, dass die Schwestern in einem besonders kalten Winter eines Tages die Wasserleitung im Haus mit Lumpen und Tüchern, sogar ihren Unterröcken, umwickelten, damit diese nicht gefriert. Aber es half nicht. Am nächsten Morgen war die Leitung gefroren. Außer sich lief d‘Maritone zum Schlosser: „Chömet Sie, helfet Sie, jetzt isch mer de Brunne unter em Unterrock zuegfrore.“