„Das Café Verkehrt ist für mich immer wie Heim kommen“, begrüßte Künstler Jess Jochimsen das Publikum in Oberhof, wo er sein aktuelles Bühnenprogramm mit dem Titel „Heute wegen gestern geschlossen“ präsentierte.

Ein schneller Einstieg in die aktuelle Klimaproblematik holte die Gäste in das Programm ab. Zu dem Publikum der Kleinkunstbühne sagte er: „Wir sind die, die für Carsharing sind, obwohl wir alle mindestens ein Auto haben.“

Jess Jochimsen überzeugte mit einem leisen, nachdenklichen Programm mit Niveau. Die Hauptfragen „Was ist Glück?“ und „Was hält die Zukunft für uns bereit?“, schwangen bei den Kindheitserzählungen über Arztbesuche mit: „Wie geht es uns heute?“, fragte der Kabarettist einige Male, ohne eine Antwort vom Publikum zu erwarten.

Mit bildreicher Sprache

Das Programm „Heute wegen gestern geschlossen“ beginnt mit dem missglückten Versuch, in seiner Stammkneipe etwas zu trinken. Diese ist nämlich geschlossen: „Gestern war einfach alles zu viel“.

Jochimsen denkt vom Kleinen ins Große: „Wir machen heute zu! den Laden, die Grenzen, England, Amerika – sorry, we‘re closed.“ Der Künstler warnt: „Dieses Programm kann Spuren von Satire enthalten.“ Die bildreiche Sprache von Jochimsen ließ einem das Musikantenstadl in einem anderen Licht betrachten. Die musikalische Begleitung der Lieder und Anregungen mit Xylophon, Gitarre und Akkordeon unterstrichen seine Worte.

Der erste Teil des Abends beendete Jess Jochimsen mit einer Diashow. Der runde Einstieg von dem „Denkmodell Paradies“ wurde visuell in einen schmuddeligen Hinterhof mit alter Leuchtschrift projizierte. Begleitet hat der Künstler die Bilder mit der Musik von Yael Naim „New Soul“.

Das Multitalent aus Freiburg ist nicht nur auf der Bühne zu Hause. Seine Buchveröffentlichungen sind liebevolle Geschichten, Erzählungen und Parabeln über das Leben und das Zusammenleben. Sein jüngster Roman „Abschlussball“ erzählt mit viel Humor und Emotion die Geschichte des Friedhoftrompeters Marten. Als Fotograf beweist Jochimsen den Blick für das Skurrile.

Seine zwei Bildbände seien, wie der Buchautor selbst sagte, „auch eine wunderbare Klo-Lektüre“. Der zweite Teil des Abends gab einen möglichen Blick in die Zukunft: „Morgen, spätestens Übermorgen, ist wieder geöffnet, wegen heute.“ Mit einem Hoffnungsschimmer und dem Lied von Laura Izibor „Shine“ endete das Bühnenprogramm mit der zweiten Diashow und dem Satz: „Ein gutes Leben ist die beste Rache.“

Nächster Termin: Das Brian-Chartrand-Trio tritt am 25. Oktober in der Hotzenwälder Kleinkunstbühne auf. Wer den Auftritt von Jess Jochimsen verpasst hat, kann sich über die Homepage www.jessjochimsen.de Informationen einholen, er gastiert vom 17. bis 19. Oktober in Basel.