Es war dieser Moment, als ihre neugeborene Nichte in die Welt blinzelte, der Heike Faller zu ihrem neuen Buch "Hundert" inspirierte. Als dieses kleine Würmchen in der Wiege lag, wurde die aus Niederhof stammende Journalistin von einer wahren Gedankenwelle geflutet: "Mir ging beim Anblick des Babys so vieles durch den Kopf. Was so alles vor diesem Mädchen lag", erinnert sich Heike Faller.

Urprünglich wollte die Autorin "nur" ein persönlich gehaltenes Gedicht für ihre Nichte schreiben. Doch dann reifte der Gedanke, mehr aus der Idee zu machen. Sie sammelte Gedanken und Erfahrungen von jungen und alten Menschen. Daraus entstand ein höchst außergewöhnliches Buch, das sie ihren Nichten Paula und Lotta gewidmet hat: "Hundert" ist der ungewöhnliche Titel eines Geschenkbuches, das Menschen in allen Altersgruppen und Lebenssituationen anspricht. Es ist kein Buch, das nach dem ersten Lesen wieder im Bücherbord verschwindet. 208 bunte Seiten reizen immer wieder zum Blättern und Sinnieren. Texte und Bilder berühren je nach Laune – mal so, mal so, aber nie gleich. Heike Faller, die ihre Kindheit und Jugend in Niederhof verbracht hat, und seit 1999 als Redakteurin des Zeit-Magazins in Berlin lebt und arbeitet, ist es gelungen, ein Kinderbuch für Erwachsene zu schreiben. Oder ist es doch ein Erwachsenenbuch, das auch Kinder verstehen?

"Hundert" ist ein Buch aus dem Leben, listet 100 kleinere und größere Lektionen, die der Mensch im Lauf des Lebens lernt. Faller lässt nichts aus, schreibt über Liebe und Leiden, über Leben und Tod, über Freuden und Ängste, über Glück und Enttäuschungen. Allerdings keine ellenlangen Belehrungen. Heike Faller bringt die Dinge in kurzen, knappen Sätze auf den Punkt – mal in Mol und mal in Dur und auf Seite 63 richtig makaber. Heike Fallers kongenialer Partner ist der italienische Illustrator Valerio Vidali, den sie in Berlin entdeckt hat: "Es hat sofort gepasst. Unsere Arbeit verlief sehr harmonisch", freut sich die Autorin über die treffsicheren Bilder, die das 208-seitigen Buch zu einem Geschenk für die Leser machen. Der mehrfach preisgekrönte Künstler schuf Bilder, die Kinder wie Erwachsene gleichermaßen ansprechen. Mit "Hundert" dürfte Faller und Vidali die Quadratur des Kreises gelungen sein. Sie schaffen es mit Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit zugleich, dass jeder Leser auf jede Seite des Buches anders für sich entdeckt.

Und wenn es nur die Liebe zur Brombeermarmelade ist, die sich – bildlich gesehen – wie ein rote Faden durchs Buch zieht. Warum eigentlich Brombeermarmelade? "Meine Oma und meine Mutter haben sie immer sehr gut hinbekommen und sie schmeckt eindeutig besser als Himbeermarmelade", lacht Heike Faller, der nach ihrem 2009 erschienen Buch "Wie ich einmal versuchte, reich zu werden" erneut ein literarischer Treffer gelungen scheint: "Die erste Auflage ist bereits vergriffen" hat ihr der Schweizer Verlag "Kein & Aber" dieser Tage mitgeteilt.