Murg ist anders: Hier haben die Narren am Ersten Faißen das Rathaus nicht wie andernorts gestürmt, um die Gemeindekasse sinnlos zu verprassen. Nein. Bürgermeister Arian Schmidle wurde am Donnerstag abgesetzt wegen seiner Schuldenmacherei und weil er eine Kohlendioxidschleuder ist. Zur Strafe muss er bei der Tschättermusik am Dritten Faißen das Sicherungsfahrzeug steuern.

Die Belegschaft der Rathaus-Beiz erwartet ihre Gäste an der Sektbar.
Die Belegschaft der Rathaus-Beiz erwartet ihre Gäste an der Sektbar. | Bild: Vonberg, Markus

Im Rathaus wurde der auf 11.11 Uhr angekündigte Sturm der Narren an der Sektbar erwartet, die vor dem Amtszimmer des Bürgermeisters aufgebaut worden war. Angestellte, Beamte und Gemeinderäte wirbelten als Köche und Kellner herum. Mittendrin der Bürgermeister als wandelnde Theke.

Der Bürgermeister übergibt Elfer-Vize Wolfgang Büttner, Narrengötti Mimi Brogli und Narrenpolizist Beatrix Lüthe Rathausschlüssel und Gemeidnesäckel.
Der Bürgermeister übergibt Elfer-Vize Wolfgang Büttner, Narrengötti Mimi Brogli und Narrenpolizist Beatrix Lüthe Rathausschlüssel und Gemeidnesäckel. | Bild: Vonberg, Markus

Der vom Fröscheloch-Echo intonierte Narrenmarsch und die Amtsglocke von Narrenpolizist Beatrix Lüthe kündigten das Eintreffen der Elfer, Fährigeister und Helgeringer Maidli an, die dieses Jahr der Säckinger Ur-Narr Mimi Brogli als Götti begleitete. "Deine Tage sind vorbei!", drohte Elfer-Vizepräsident Wolfgang Büttner dem Bürgermeister. "Dann kann ich mich jetzt drei Wochen lang voll den Fröschen widmen", freute sich Schmidle, der im Nebenberuf bekanntlich Guggentrompeter ist. Brav übergab der Bürgermeister Säckel und Schlüssel an die Narren.

Die Helgeringer Maidli machen sich im Rathaus über die Sekt-Vorräte her.
Die Helgeringer Maidli machen sich im Rathaus über die Sekt-Vorräte her. | Bild: Vonberg, Markus

Der Gerichtsverhandlung in der alten Schulturnhalle vermochte er durch diesen Akt der Kapitulation indes nicht zu entgehen. Als Henkersmahlzeit gab's die vom Harmonikaorchester kredenzte Mehlsuppe.

Elferräte, Gemeinderäte, Gemeindemitarbeiter, Fährigeister, Helgeringer Maidli und andere Narren warten auf die Mehlsuppe.
Elferräte, Gemeinderäte, Gemeindemitarbeiter, Fährigeister, Helgeringer Maidli und andere Narren warten auf die Mehlsuppe. | Bild: Vonberg, Markus

Ankläger Johannes Dietrich sprach Klartext: Die Neuverschuldung Murgs habe unter "Adrianis Schmidlitidis" griechische Verhältnisse angenommen. Die Personalkosten seien aufgeblasen. Und weil des alles nicht reiche, werde "für jeden Furz" ein externes Gutachten bestellt. "Du hasch mehr externe Berater, wie die Ursula von der Leyen bei de Bundeswehr!", schimpfte Dietrich.

Elfer Johannes Dietrich verliest die Anklage.
Elfer Johannes Dietrich verliest die Anklage. | Bild: Vonberg, Markus

 

Auch mit dem Klimaschutz nehme es Adrian nicht mehr so genau. Ende letzten Jahres sei der Elektro-Bürgerbus stillschweigend durch ein Dieselfahrzeug ersetzt worden. "Der E-Bus, vor zwei Jahren für 36.000 Euronen netto gekauft, wird also nur noch für Besuche von Bundesministern oder sonstigen Würdenträgern aus der Garage gerollt." Aber vielleicht sei der Diesel ja nur wegen seiner guten Standheizung so beliebt. Denn im Rathaus seien immer noch nicht die im Dezember bei einem Einbruch beschädigten Zimmertüren repariert, so dass es in Büros und auf Fluren ziehe wie Hechtsuppe, verriet Dietrich.

200 Narren auf der Murger Mitte

Ab 15.11 Uhr war die Murger Mitte das Domizil der rund 200 Fasnächtler. Passend zum diesjährigen Fasnachtsmotto tauften sie die Mitte um – in "Murger Kneipenwüste". Bei der Ansammlung von Steinen in der Murger Mitte sei es wirklich wie in der Wüste, so der laut umjubelte Ausruf von Zeremonienmeister Johannes Dietrich. Der arbeitslose Bürgermeister durfte sich hier als laufende Theke verdingen.

Schmidle spendiert Freibier

Auf der Mitte wurde auch der Urteilsspruch für den abgesetzten Bürgermeister verkündet: Am Dritten Faißen muss er morgens ab 5. 11 Uhr die Tschättermusik mit einem Sicherheitsfahrzeug und Blaulicht absichern, gab Dietrich bekannt. Mit etwas Wehmut erinnerte der Zeremonienmeister sich an die alten Tage der Murger Beizen-Fasnacht: "Aber seitdem er Bürgi isch, goht’s bergab." Schmidle versuchte die Stimmung zu retten und gab bekannt: "Freibier für alle". Narrengötti Mimi Brogli attestierte schmunzelnd: "Er ist lernfähig."