Deutschlandweit sind sie die ersten beiden ausgebildeten Kutscher, die in einem Rollstuhl sitzen. Björn Kelz aus Murg und Christine Scharpf aus Lörrach hatten auf Initiative von Heidi Behringer vom Kutschfahrtendienst Behringer aus Hänner die Gelegenheit, das Fahrabzeichen Klasse fünf zu absolvieren. Um das zu bewerkstelligen, wurde Ausbilder Fred Probst, Leiter der Landesfahrschule Marbach, an den Hochrhein geholt. Vier Wochen lang kam er nach Hänner auf den Hof der Behringers und bildete neben den beiden Rollstuhlfahrern acht weitere Teilnehmer aus.

Die jüngste Teilnehmerin war acht Jahre und der älteste 62. Sie ließen am Mittwoch zunächst ihr theoretisches Wissen von den beiden Prüferinnen Bettina Burnisch und Anette Heger abfragen. Derweil stand Heidi Behringer daneben und drückte fest beide Daumen. „Björn Kelz ist ein absoluter Quereinsteiger und macht seine Sache ganz toll“, sagte der Ausbilder Fred Probst. Denn grundsätzlich sei es wichtig, dass man sich bereits mit Pferden auskennt, bevor man sich an den Kutscherführerschein macht.

Heidi und Joachim Behringer hatten sich im Sommer des vergangenen Jahres eine Kutsche angeschafft, die deutschlandweit einmalig ist. Mit dieser Kutsche bietet sich Rollstuhlfahrern erstmals die Möglichkeit, eine Kutscherausbildung zu absolvieren und fortan selbst die Zügel in der Hand zu halten. Die Rollikutsche ist in ihrem Aufbau speziell Menschen mit Handicap angepasst. Heidi Behringer nahm Kontakt mit der Landesfahrschule in Marbach auf. „Es ist ein Glücksfall dass es geklappt hat“, erzählt Heidi Behringer. Denn Fred Probst, Leiter der Landesfahrschule, hat das ganze Jahr über alle Hände voll zu tun, um Kutscher in Deutschland, Österreich und in der Schweiz auszubilden.

Im November war er zum ersten Mal auf dem Hof des Kutscherfahrdienstes in Hänner und besichtigte alles. Anfang März begann dann die erste Ausbildung auf dem Hof der Behringers. Kutsche, Pferde und die benötigten Räume stellten Behringers zur Verfügung. „Ich kann mir vorstellen, dass wir einmal im Jahr solche Ausbildungen in Hänner durchführen können“, erklärt Probst. Allerdings sollen die künftigen Ausbildungen dann in einer Woche am Stück durchgeführt werden.

Die theoretische Prüfung ist inzwischen erledigt und nach einer kurzen Pause ging es für die Gruppe im Stall mit der praktischen Prüfung weiter. Jetzt mussten die beiden Pferde vor die Kutsche gespannt werden. Konzentriert nahmen die Prüfungsteilnehmer jeden Handgriff vor und beantworteten die Fragen der Prüfer. Für die beiden Rollstuhlfahrer gelten übrigens die gleichen Bedingungen wie für die anderen Teilnehmer. „Natürlich dürfen Rollstuhlfahrer niemals alleine auf der Kutsche unterwegs sein“, erklärt der Ausbilder. „Sie müssen mindestens zu dritt sein.“ Übrigens: Es haben alle bestanden.

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