Murg Die Tullabrücke in Murg ist das Bauwerk eines großen Ingenieurs

Johann Gottfried Tulla gestaltet im Jahr 1819 eine Brücke über die Murg. Er ist vor allem bekannt für die Begradigung des Oberrheins.

Bekannt ist Johann Gottfried Tulla als der „Bändiger des Rheins“. Der badische Ingenieur in Diensten des Großherzogtums Badens sorgte im 19. Jahrhundert dafür, dass der in wilden und breiten Armen nach Norden fließende Oberrhein in einem geraden Flussbett gebändigt wurde. Weniger bekannt ist, dass Tulla sich im Straßenbau große Verdienste erwarb und am Hochrhein Spuren hinterließ – wie zum Beispiel die Tullabrücke in Murg.

Die Tullabrücke in Murg von der Nordseite aus gesehen. Links neben der Graffiti ist eine Hochwassermarke aus dem Jahr 1882. Im Hintergrund verläuft die Eisenbahnbrücke, die circa 30 Jahre später entstand.
Die Tullabrücke in Murg von der Nordseite aus gesehen. Links neben der Graffiti ist eine Hochwassermarke aus dem Jahr 1882. Im Hintergrund verläuft die Eisenbahnbrücke, die circa 30 Jahre später entstand. | Bild: Brigitte Chymo

Zwar zogen sich über Jahrhunderte hinweg beidseits des Hochrheins Landstraßen dahin, der Hauptverkehrsweg zwischen Rheinfelden und Laufenburg verlief aber auf der heute schweizerischen Seite. Entsprechend vernachlässigt war der Straßenzustand diesseits des Rheins. In der alten Murger Ortschronik zitiert Autor Leopold Döbele einen ehemaligen Hammerschmied aus Murg, der sich bitter beklagte: Wagen, das Geschirr und das Vieh würden auf dieser Straße in abscheulicher Weise ruiniert. Ebenso problematisch waren die Flussübergänge. Zumeist waren es Holzbrücken, die bei jedem Hochwasser weggeschwemmt wurden. Auch über die Murg war ein solcher Holzsteg, der ständig erneuert werden musste.

Die rechte Rheinseite wurde 1806 badisch, 1812 fiel der Beschluss, die Landstraße zwischen Warmbach und Laufenburg auszubauen. Am 5. August desselben Jahres begannen die Bauarbeiten, die sich, unterbrochen durch die Befreiungskriege, bis 1820 hinzogen. Die Oberleitung hatte Johann Gottfried Tulla, die Bauleitung lag zeitweise in den Händen von Straßenbauinspektor Philipp Jakob Scheffel, dem Vater des Dichters Joseph Victor von Scheffel.

Im Jahr 1816 ging es nach dem Krieg auch im Abschnitt Murg-Laufenburg weiter. Der Bau der neuen Steinbrücke über die Murg wurde 1819 in Angriff genommen. Tulla selbst hatte die Murger Brücke wie auch eine Reihe anderer Brücken, etwa über die Steina in Tiengen, selbst entworfen. Er verwendete Stilelemente des Klassizismus, wendete sie jedoch viel spärlicher und straffer an und erzielte damit eine umso stärkere optische Wirkung. Tullas Brücken sind aus Sandstein, die Stützen links und rechts des Brückenbogens stehen weit auseinander, um bei Aufstauungen durch Hochwasser Verstopfungen durch treibende Gegenstände auszuschließen. Der Gewölbebogen ist elliptisch, der Geländerbrückung aus Stein ist gleichzeitig Schmuck. An den jeweiligen Enden stehen jeweils kräftige Abschlusssteine. Auf der Brücke selbst schaffen kleine Standsteine Felder, zwischen denen Sitzbänke geschaffen wurden. Einen Gehweg gibt es noch nicht.

Blick auf die Nordseite der Tullabrücke in den 50er Jahren.
Blick auf die Nordseite der Tullabrücke in den 50er Jahren. | Bild: Repro: Brigitte Chymo

Wie andernorts auch, sind in Murg die Brüstung und Sitzbänke aus Stein der Tullabrücke längst verschwunden. Als in den 60er Jahren und im Zuge der Zunahme des Autoverkehrs die Tragfähigkeit der Brücke auf der gesamten Länge mit einer Stahlbetonplatte gesichert wurde, erhielt die Brücke ihr heutiges Gesicht. Wer vom hölzernen Fußgängersteg über die Murg einen Blick auf die Tullabrücke wirft, erkennt eine weitere Veränderung. Parallel zur Brücke läuft heute ein dickes Kanalisationsrohr. Aber über diesem ist noch immer der historische Schlussstein der Brücke zu erkennen. Im Zentrum steht das Wappen des Großherzogtums Baden, darunter die Jahreszahl 1821, die auf das Jahr der Fertigstellung der Brücke hinweist.

Zur Person

Johann Gottfried Tulla (1770 bis 1828) war ein badischer Ingenieur aus Karlsruhe. Ab 1817 war Tulla Leiter der Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaus im Großherzogtum Baden und später Mitbegründer der Technischen Hochschule in Karlsruhe. Das Hauptwerk seines Lebens war die Begradigung des Oberrheins. Tulla baute außerdem das Straßennetz in Baden aus. Viele Steinbrücken entstanden nach seinen Entwurf. Die Murger Tullabrücke ist aus Sandstein und hat eine Spannweite von acht Metern. Sie liegt fünf Meter über Normalwasserstand. Das Bogensegment ist zwei Meter hoch.

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