Der SV Niederhof muss weiter auf seinen neuen Kunstrasenplatz warten. Der Gemeinderat lehnte den Antrag des Vereins aus Kostengründen ab. Ortschaftsrat und Verein suchen nun nach Lösungen, zum Beispiel durch Sponsoring.

Der Gemeinderat Murg sieht mindestens in den nächsten fünf Jahren keine Möglichkeit, einen Kunstrasenplatz für den SV Niederhof zu realisieren. So der Beschluss der Murger Räte in der Sitzung am Montag. Gleichzeitig wurden der Ortschaftsrat Niederhof und der SV Niederhof beauftragt, die Möglichkeiten eines Sponsorings auszuloten. Bei positivem Ergebnis wäre die Gemeinde bereit, das Thema Kunstrasenplatz erneut zu diskutieren.

Der Beschluss des Murger Gemeinderats zu einem Kunstrasenplatz in Niederhof repräsentierte die vorangegangene Diskussion, die ausgesprochen sachlich und emotionslos geführt worden war. Obwohl jeder die Notwendigkeit für den Spielbetrieb in Niederhof einsah, orientierte sich das Gros der Räte letztlich am Sachzwang. Murger Mitte, Kindertagesstätte, Breitband und vieles mehr. Der Katalog der Pflichtaufgaben in der Gemeinde ist lang. „Die Vereine sind das Rückgrat der Gemeinde, aber wir können in den nächsten Jahren nicht alles stemmen“, fasste Bürgermeister Adrian Schmidle die Situation zusammen. Schmidle verwies außerdem darauf, dass bereits in der Breitematt in Murg ein Kunstrasenplatz zur Verfügung steht: „In einer 7000-Einwohner-Gemeinde, da muss man weit laufen.“

Dennoch wollten viele der Gemeinderäte nicht der Sicht der Kämmerei folgen, die in den Sitzungsunterlagen dargelegt hatte, dass in den kommenden zehn Jahren keine Realisierung möglich sei. „Zehn Jahre zu verschieben, das ist einfach zu lange“, meinte die Niederhöfer Ortsvorsteherin Edith Becker (FW). Diese Ansicht vertraten auch die Ratskollegen Georg Kirschbaum (SPD) und Klaus Bossert (Grüne). Bossert forderte eine Perspektive ein: „Zehn Jahre, das macht hoffnungslos. Lasst uns in fünf Jahren wieder schauen.“

Die Niederhöfer Ortsvorsteherin hätte außerdem gerne gesehen, dass vor einem Gemeinderatsbeschluss in Murg erst einmal die Ortschaftsräte in Niederhof und der SV Niederhof diskutieren. Dem Antrag wurde nicht stattgegeben. Ortschaftsrat und Verein könnten aber gemeinsam nach Möglichkeiten suchen, griff Gemeinderat Christian Keller (FW) die grundsätzliche Idee auf. Klaus Bossert (Grüne) brachte zudem die Frage einer Bürgschaft ins Spiel. Ob die Gemeinde möglicherweise bürgen würde, sollte der Verein selbst finanzieren, lautete seine Frage. Dazu sagte der Bürgermeister: „Wir wären die Letzten, die Nein sagen würden.“

Noch vor der eigentlichen Beratung hatte Oliver Fürst, Jugendtrainer beim SV Niederhof und viele Jahre auch im Vorstand des Vereins, seine Sicht der Dinge dargelegt: „Das ist ein Trauerspiel, das auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird“, erinnerte Fürst an den schlechten Zustand des Trainingsplatzes in Niederhof und die Hoffnung seit dem Platzkonzept aus dem Jahr 2013, das auch für Niederhof einen Kunstrasenplatz vorsah: „Wir sehen jetzt keine Perspektive mehr.“ Fürst wünschte sich, wenigstens den kleinen Trainingsplatz zu verbessern.

Die Gemeinderatsmitglieder Stefanie Kaiser und Joachim Schiebel (beide CDU) sowie Christian Keller (FW) stimmten gegen den Beschluss. Ortsvorsteherin Edith Becker enthielt sich der Stimme. Ratsmitglied Joachim Schiebel (CDU) sprach von einem Schlag ins Gesicht des Vereins und vermisste außerdem Alternativen im Vorfeld der Diskussion und des Beschlusses. Die Gemeinde sagte zu, den SV Niederhof beim Unterhalt der Plätze verstärkt zu unterstützen.