Der Ortschaftsrat Hänner zeigt Flagge und hat den Bauantrag zur Errichtung eines Mobilfunk-Antennenträgers an der Gewerbestraße 7 in Murg-Hänner aus gesundheitlichen Gründen klar abgelehnt. Damit gibt der Ortschaftsrat ein klares Signal an den Bauausschuss der Gemeinde Murg.

Das Baugrundstück befindet sich im räumlichen Geltungsbereich des Bebauungsplans Schmiedeäcker-Steinkreuz, dessen Vorgaben eingehalten werden. Eigentlich wäre die vorgesehene Antennenhöhe in der Regel verfahrensfrei. Doch da die Frist für die Anzeigepflicht von acht Wochen vor Beginn der Maßnahme versäumt wurde, muss nun ein baurechtliches Verfahren durchgezogen werden.

Der Bauantrag rief zahlreiche Mobilfunkgegner aus der Gemeinde auf den Plan. 15 Bürger hatten sich eingefunden, um mit Argumenten und Plakaten der Wichtigkeit des Themas Ausdruck zu verleihen und ein Zeichen zu setzen. Umweltmedizinerin Barbara Dohmen wies eindrücklich auf die gesundheitlichen Risiken des Mobilfunks hin. Eine von Elektrohypersensibilität betroffene Bürgerin schilderte eindrucksvoll das Handicap, mit dem sie bereits leben muss und das sich bei einer Errichtung der Mobilfunkanlagen im nahen Umfeld noch verstärken würde: „Ich fühle mich schon wie ein Flüchtling im eigenen Land. Beruflich und gesundheitlich werde ich langsam in die Knie gezwungen.“ Elisabeth Radloff rief den Ortschaftsrat eindrücklich dazu auf, Farbe zu bekennen: „Ich bitte euch, habt den Mut zu sagen: ‚Nein, wir wollen es nicht. Wir sind nicht irgendwelche Hampelmänner.‘“

Gerhard Goering, ehemaliger Ortsvorsteher, bedauerte: „Die Gesetzeslage ist so, der Gemeinderat kann nicht dagegen stimmen. Die Bundesregierung hat die Lizenzen versteigert. Der Antrag für die Masten steht schon. Wie wir leben, fragt keiner, Hauptsache, das Geschäft läuft, das Finanzielle.“

Das könnte Sie auch interessieren

Ortsvorsteher Dieter Muck rief dazu auf: „Wir dürfen trotzdem den Kopf nicht in den Sand stecken und können ruhig auch Flagge zeigen, auch in der Bauausschussitzung. Ich werde nicht dafür stimmen und werde damit zivilen Ungehorsam zeigen.“ Auch der anwesende Gemeinderat Georg Kirschbaum befürwortete einen derartigen Symbolakt.

Das könnte Sie auch interessieren

Christian Ganser meinte: „Ein paar der Äußerungen waren mir zu polemisch, aber ich stimme trotzdem mit nein. Ich hätte zum technischen Fortschritt ja gesagt, aber durch meine Wahl in den Ortschaftsrat fühle ich mich verpflichtet, mit nein zu stimmen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Der Ortschaftsrat lehnte bei der Abstimmung den Bauantrag mit fünf Gegenstimmen hauptsächlich aus gesundheitlichen Gründen klar ab. Kein Mitglied stimmte mit ja, lediglich Stefan Ganser enthielt sich der Stimme. Dieter Muck ermutigte die Bürger zu weiteren Informations- und Diskussionsveranstaltungen und bot an, den Schmiedledick-Saal zur Verfügung zu stellen. Umweltmedizinerin Barbara Dohmen will mit dem Eigentümer des Grundstücks, auf dem der Mobilfunk Antennenträger montiert werden soll, nochmals Kontakt aufnehmen und ein gemeinsames Gespräch suchen.